Mo, 12. November 2012

New Hot Music Shit (27te Ausgabe)

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind (dauert noch ein bisserl), sondern auch der überwältigende Konzerte-Herbst, wo die Autobahn-Raststätten mit Junk Food futternden Indie-Musikern überfüllt sind, weil alle, aber auch wirklich alle auf Tour gehen. Wir passionierten Zuseher schweben derweil auf einer einzigen duftigen Sound-Wolke dahin, welche die eisige Bösartigkeit des herannahenden Winters zärtlich dämpft…

Alt-J (∆)

Schon der Bandname lässt erkennen, dass diese vier Jungs, die sich an der Kunstakademie im englischen Leeds trafen, nicht aus ganz schlichtem Rock-Material gestrickt sind. Alt-J ist die Mac-Tastenkombi mit der man ein Dreieck erzeugt, laut internationaler Lifestyle-Blogs das Hipster-Emblem schlechthin. Aber laut Eigenauskunft der Band hat das Symbol für sie eine tiefere Bedeutung. In mathematischen Gleichungen wird es benutzt um Veränderung darzustellen und da sich in ihrem Leben gerade alles ändert, trifft das den Nagel auf den Kopf. Der Sound ist abwechslungsreich, nicht auf ein Genre festzulegen. Folk Pop, dubbige Percussion, folkloristische Ausflüge nach Bollywood und engelsgleicher mehrstimmiger Gesang. Die Texte handeln etwa von Natalie Portman in ihrer Rolle als Matilda (Léon, der Profi) oder von den heldenhaften Abenteuern eines Kriegsfotografen der 1930er Jahre. Langweilig? Not.

Für Fans von: Animal Collective, Is Tropical, Fleet Foxes, Devendra Banhart
Link: www.altjband.com
aktuelles Album: An Awesome Wave (Pias)

Racehorses

Die ambitionierten Waliser von Racehorses haben große Vorbilder. Perfekter Pop wie der von Queen oder Quincy Jones steht auf ihrer Inspirationsliste. Aber auch starke Einflüsse von 1980er Jahre-New Romantics wie Duran Duran, Soft Cell oder Spandau Ballet sind unüberhörbar. Die verspielt-melodiösen Retro-Arrangements stehen in hartem Kontrast zu den Texten, die zumeist von den ganz alltäglichen Widrigkeiten des Lebens handeln: Liebe, Leid, etc. Das haben Britpop-Bands wie Suede, Pulp und Blur in den 1990er Jahren auch schon gemacht, Racehorses schaffen es aber eine neue, frische Interpretation dieser coolen, stets eleganten Britishness auf den Tisch zu legen. Musik, zu der man sich an- und ausziehen, durch die Wohnung tänzeln und Dirty Martinis schlürfen möchte. Nackt unterm Trenchcoat.

Für Fans von: Pulp, Roxy Music, Soft Cell
Link: www.racehorsesmusic.com
aktuelles Album: Furniture (Stolen Recordings)/ VÖ: 09.11.2012

Thomas Azier

Ein junger Mann, der auszog, mit einer Mission im Gepäck: „Kleine Brötchen können die anderen backen, ich mache großes Theater!“. Mit dieser Ansage kam der junge Niederländer Thomas Azier im zarten Alter von 19 in Berlin an, fasziniert von der dunklen Seite der Techno-Kultur, dem schroffen Großstadtflair und den, wie ihm schien, unbegrenzten Möglichkeiten. Er stürzte sich ins Musik-machen und so wurde auch Casper auf ihn aufmerksam, für den er den Track Lilablau auf dessen Nr.1–Album XOXO schrieb. Mittlerweile hat er die eigene EP Hylas 001 veröffentlicht und in Kürze wird der zweite Teil 002 erscheinen. Außerdem ist sein Track Red Eyes auf dem aktuellen Kitsuné-Jubiläums-Sampler mit drauf, was sicher dazu beitragen wird, ihm Bekanntheit über die Grenzen des deutschsprachigen Raumes hinaus zu verschaffen. Hymnisch, episch ist Azier’s Musik, viel Hall auf der Stimme, die gefühlvoll-verzweifelt von der Liebe, den Schmerzen und dem Leben singt. Einfach atemberaubend!

Für Fans von: Muse, Soft Cell, Twin Shadow
Link: www.thomasazier.com
aktuelles Album: EP Hylas 001 ( Hylas Records/BMG)

Django Django

Dass ihr Bandname nicht vom Grandseigneur der Jazz-Gitarre, Django Reinhardt, inspiriert ist, stellten die schmucken Jungs vor kurzem in einem Interview klar. Vielleicht haben sie auch einfach zu oft den gleichnamigen Italo-Western aus dem Jahr 1966 gekuckt, irgendwann den Ton abgedreht und angefangen ihren eigenen Soundtrack dazu zu komponieren. Würde auf jeden Fall gut passen. Gefunden hat man sich an der Kunstakademie im schottischen Edinburgh, einer Stadt, die seit jeher als Synonym für exquisite Bands gilt. Sie veredeln ihren trippigen, treibenden Sound auch gerne mal mit ungewöhnlichen Instrumenten wie Kokosnussschalen. Der Guardian meint sie klängen wie Franz Ferdinand, die sich Hot Chip’s Back Katalog vorgenommen haben, wir finden die Mischung aus mehrstimmigem Gesang, vorgetäuschter Low-Fi-Lässigkeit und genau auf den Punkt gebrachten Riffs wunderschön und herzerfrischend.

Für Fans von: Citizens, Talking Heads, Super Furry Animals
Link:
Link:www.djangodjango.co.uk
aktuelles Album: Django Django (Because)

Go Back To The Zoo

Diese vier Typen sind der lebende Beweis dafür, dass es in Amsterdam nicht nur gutes Gras gibt, sondern auch coolen Rock’n Roll. Cas und Teun sind Brüder, Lars kennen sie schon ewig und Bram gabelten sie 2008 in der Schlange vor einem Strokes-Konzert auf. Er musste noch schnell Bass spielen lernen, aber dann stand der Karriere nichts mehr im Weg. Sie brachten selbst eine EP heraus und nachdem ein bekannter Sportkonzern sich entschloss den darauf enthaltenen Song „Beam Me Up“ für eine weltweite Werbekampagne zu verwenden, ging alles ganz schnell. Sie unterschrieben bei Universal Music und veröffentlichen 2012 das zweite Album „Shake A Wave“. In den Niederlanden kennt sie jedes Baby, aber auch im Rest von Europa waren Go Back To The Zoo schon auf diversen großen Festivalbühnen zu sehen. Ja – und die Musik? Ehrliche Hymnen mit eingängigen Hook-Lines auf denen die prägnante Stimme von Sänger Cas sexuell aufgeladen dahin tänzelt. Macht Indie-Mädchen feuchte Höschen und beschert den dazugehörigen Boys ein leichtes Spiel, weil sie sich fühlen wie Johnny Borrell, der grade mal wieder eine Hollywoodschauspielerin anbrät.


Für Fans von: The Strokes, Razorlight, Futureheads

Link: www.gobacktothezoo.nl
aktuelles Album: Shake A Wave (Universal Music)

Clock Opera

Es fällt schwer die Musik von Clock Opera in eine Schublade zustecken. Zu viele stilistische Vorbilder machen sich in den aufwendig arrangierten Tracks der vier Londoner bemerkbar. Eine Portion dekadenter 80er-Pathos, einige treibende Indie-Riffs, dann wieder klassischer Piano-Pop, Vielseitigkeit ist ihr absolutes Markenzeichen und unbedingtes Anliegen. Gründer und Mastermind der Band, Guy Connelly, hat sich auch schon längst als begnadeter Remixer einen Namen gemacht, etwa seine Bearbeitung von Feist’s How Come You Never Go There? oder weitere für Architechture In Helsinki, Au Revoir Simone, Niki & The Dove, The Drums, Marina & The Diamonds um nur einige zu nennen. Sphärisch ist ein Prädikat, das sich auch in den Remix-Produktionen immer wiederfindet. Ein kleines bisschen klingen Clock Opera immer als würden sie mit weit ausgebreiteten Flügeln über nebelige Moorgebiete schweben.
Früher nannte man so etwas Avantgarde Rock, heute sagt man dazu einfach nur leiwand!

Für Fans von: Sizarr, Niki&The Dove, Friends
Link:http://clockopera.com
aktuelles Album: Ways to Forget ( Moshi Moshi/Island)