Sa, 10. Dezember 2011

New Hot Music Shit (22te Ausgabe)

Die Club-Tour-Saison ist auf dem Höhepunkt angelangt, die Belastbarkeitsgrenzen der PA’s werden kontinuierlich ausgetestet und auch als fleißiger Musikliebhaber und Konzertgeher weiß man schon gar nicht mehr, wen man gestern gesehen hat und wer nächste Woche auf dem Programm steht: Hipster-Elfen aus L.A., belgische Indie-Sahneschnittchen und eine dunkle Synthie-Kriegerin treffen auf nordirische Gitarren-Romatiker, durchgeknallte Verfechter der freien Liebe und skandinavischen Chill-Wave. Langweilig wird’s da kaum.

Light Asylum

Sängerin Shannon Funchess aus Brooklyn, N.Y. klingt, als wäre sie ein Mann. Vergleiche mit dem jungen Henry Rollins sind hier kein Einzelfall. Gemeinsam mit Keyboarder Bruno Coviello trägt sie uns auf ihren starken Armen in eine schöne Zauberwelt aus 80er-Jahre-Italo-Arrangements, einem Bouquet von Wave und einem Hauch Gothic. Kräftig und angenehm. Momentan haben Light Asylum, wie so viele Amerikaner, ihre Zelte in Berlin aufgeschlagen und so wächst die Hoffnung, dass sie ganz bald ganz viele Konzerte auf dem europäischen Festland spielen werden. Zur Versüßung der Winterdepression sozusagen.

Für Fans von: Grace Jones, Joy Division, Giorgio Moroder
Link: http://www.lightasylum.com
aktuelles Album: In Tension EP (self-released)


 

Cashier No.9

Ausgerechnet im Sommer 2011 als die All-Time-Indie-Götter „The Stone Roses“ ihre Reunion angekündigt haben, brachte eine neue Band aus Belfast ihr Debütalbum raus. Dieser zeitliche Zufall wäre heute wenig interessant, wenn wir – mit dem nötigen Zeitabstand auf unserer Seite – nicht locker behaupten könnten, dass sich das Debütalbum von CASHIER No.9 „To The Death of Fun“ problemlos mit dem Meisterwerk aus 1989 „The Stone Roses“ matchen kann. Wir behaupten sogar: Wäre Ersteres Anfang der 90iger Jahre herausgekommen, hätte es mindestens den gleichen Weltruhm erreicht. Aber gewagte Behauptungen hin und schamlose Vergleiche her – es geht gar nicht darum, wonach CASHIER No.9 klingen, sondern viel mehr wie gut sie klingen. Nämlich leicht und befreit, dank harmonischer Vokale, warmer sphärisch-rhythmischer Gitarren, süßer Klingeln und nicht-aus-dem-Kopf-zu-bringenden Melodien. Alles klingt so einfach, als wäre ihnen dieses Erstlings-Meisterwerk im Traum zugeflüstert worden.

Album:  “To The Death of Fun”

Link: http://www.cashierno9.com/

Für Fans von: Arcade Fire, Primal Scream

 


 

Grouplove

Weil Rivers Cuomo und seine Truppe schon etwas in die Jahre gekommen sind und die Wet-T-Shirt-Contests, beschallt mit der Musik der Elterngeneration der heutigen US-College Kids, wenig Sexappeal haben, kommt jetzt eine Weezer 2.0-Band groß raus. Vorhang auf für GROUPLOVE! Die Geschichte der Band liest sich wie ein feuchter Hipster-Traum: Ein Mädchen und ein Junge lernen sich in Lower East Side New York kennen und verbringen den Sommer gemeinsam in einer Künstlerresidenz in Griechenland. Dort stoßen sie auf einen talentierten East Londoner und zwei musikalische Surfer aus Los Angeles. Ähnliches Alter und musikalische Sozialisation in einer globalisierten Welt tun ihr Notwendiges, um die Gemeinsamkeiten schnell zu entdecken und eine eigene Zukunft in dieser schicksalshaften Zusammenkunft zu sehen. Was folgt ist ein Get Together in Los Angeles. Das daraus resultierende Ergebnis: „Never Trust A Happy Song“ – nicht weit entfernt von ihren Offspring-Weezer-Vorbildern eignet sich das Album perfekt für jede Studentenparty.

 

Album: “Never Trust A Happy Song”

Link:  http://www.grouplovemusic.com

Für Fans von:  Weezer, Offspring

 


 

Nite Jewel

Nite Jewel a.k.a. Ramona Gonzalez aus dem sonnigen L.A. bringt unsere Herzen zum Schmelzen als wären sie aus feinster Zartbitter-Schokolade. Live mit der Unterstützung einer einfühlsamen Backing-Band tänzelt und fädelt sie sich elegant durch emotionale Song-Labyrinthe, die glücklich machen. Die auf Vintage-Synths zusammengebastelten Pop-Perlen tragen Namen wie We Want Our Things, What Did He Say oder Want You Back. Auf klare Ansagen scheint Frau Gonzales Wert zu legen und nach diversen Release-Ausflügen auf Coolness-Labels wie Italians Do It Better, Modular und Love Letters Ink, scheint sie nun bei Secretly Canadian ein Zuhause gefunden zu haben, wo Anfang 2012 ihre zweite LP erscheinen soll. Wird sind bereit und gespannt!

 

Für Fans von: Beach House, Glass Candy, Chromatics

Link: http://www.nitejewel.com

aktuelles Album: aktuelle Single “She’s Always Watching You” (Love Letters Ink),

 


 

I Break Horses

Der Name ist definitiv irreführend. Denn, wenn hier etwas gebrochen wird, sind es wohl höchstens die Herzen, die als Titel für das Debütalbum „Hearts“ von I BREAK HORSES aus Stockholm dienen. Gebrochen durch die Schönheit ihrer Musik. Das Duo Maria Lindén und Fredrik Balck hat sich den wunderbaren Klanglandschaften verschrieben, die einerseits bei den Electro-Shoegaze-Ursprüngen von My Bloody Valantine und Kraftwerk , andererseits beim „Pop“ von Sigur Rós und M83 zuhause sind. Dabei ist jeder Track auf dem Album ein „Hit“, was nicht zuletzt darauf beruht, dass über 3 Jahre liebevolle Arbeit und Leidenschaft in dieses hineingeflossen sind. Daher ist es mehr als gerecht, dass I Break Horses nun in aller Munde sind – zumindest in aller Blogger-Munde. Die große Pop-Welt wird – wie immer – noch ein wenig brauchen.

 

Album: “Hearts”

Link: http://www.ibreakhorses.se

Für Fans von: Sigur Rós, Zola Jesus

 


 

Balthazar

Wenn Balthazar aus dem belgischen Gent im Interview behaupten, ihr einziger musikalischer Einfluss von Bedeutung wäre Leonard Cohen, so ist das entweder eine himmelschreiende Lüge oder ein ernsthaftes Anzeichen verfrühter Demenz. Die Songs ihres Debüt-Albums mit dem bescheidenen Namen Applause sind so unterschiedlich, dass sich dies auch weiter unten in der „Für Fans von“-Empfehlung niederschlägt. Beatlastige Tanzbarkeit (Hunger At The Door), pathetische Trinkhymnen (Blood Like Wine) und überraschendes Trip-Hop-Revival (Blues for Rosann) entfalten eine fast schon verwirrende stilistische Bandbreite. Sie selbst führen diese inhomogene Artenvielfalt auf ihr jugendliches Alter zurück. Uns ist das wurstegal, denn live sind Balthazar nicht nur ein Augenschmaus – aufgrund der zwei schnuckeligen Frontmänner -, sondern auch handwerklich mehr als solide und stark mitreißend!

 

Für Fans von: dEUS, Metronomy, Arcade Fire

Link: http://www.balthazarband.be

aktuelles Album: Applause (PIAS / Rough Trade)