Mo, 24. Oktober 2011

New Hot Music Shit (21te Ausgabe)

Mit der Lieblingsmusik ist es so: Was man hört und liebt, scheint für die ganze Welt gelten zu müssen. Gewollt oder nicht, führt das dazu, dass wir das musikalische Treiben ein Paar Breitengrade östlicher weder wahr noch ernst nehmen. Auf die Idee, dass dort die Musikwelt anders ticken könnte und die Menschen die neue heiße Indie-Band aus England, die aufgewärmte Dauerwelle aus Deutschland oder die Synthie-Pop-Kapelle aus Schweden vielleicht gar nicht so interessiert, weil sie ihre eigene Musik machen, also auf diese Idee kommt man oft nicht. Doch jetzt ist Schluss mit der Ignoranz! VOLUME macht sich auf die musikalische Entdeckungsreise in den Osten und Südosten Europas und zeigt euch heißen Scheiß, mit dem ihr auf den Tanzflächen in Moskau, Belgrad, Skopje, Warschau und Budapest auf jeden Fall punkten werdet.

Bernays Propaganda

Rebellion olé! Bernays Propaganda aus Skopje, benannt nach Edward L. Bernays, dem Erfinder von PR und „allen daraus folgenden Zerstörungen, verursacht durch Medien“, feiern den Widerstand und die kompromisslose und geradlinige Rebellion gegen das Mediensystem. Mit punkangehauchtem Powerpop, frecher Stimme und intelligenten Texten schaffen Kristina, Vasko, Dzano und Nenad tatsächlich eine trotzige Stimmung, die einen sofort dazu animiert, die nächstbeste Demo zu besuchen. Interessanterweise gelingt das trotz der Tatsache, dass Kristina’s Texte alle auf Mazedonisch sind. Aber wer Gang of Four, Fugazi und The Slits seit frühen Teenie-Tagen regelmäßig zum Frühstück verschlingt, der weiß, dass eine Gitarre sprachenunabhängig agiert, wenn es um Punk-Rebellion geht. Natürlich nur solange es ehrlich gemeint ist  – und vom Fake sind diese Mazedonier weit entfernt. Julian Assange wäre stolz auf sie!
 
Album: “My Personal Holiday” (May, 2011 – Moonlee Records)
Link: http://bernayspropaganda.bandcamp.com
Für Fans von: The Subways, Yuck
 


 

Threesome

Hier ist eine schöne Geschichte über Talent und Erfolg. Zuerst war da Euforia, die in Balkans Indie-Kreisen über ein paar Jahre hinweg Kultstatus hielten. Als die Luft draußen war, kam Threesome – und aus Threesome wurde innerhalb eines halben Jahres die vermutlich vielversprechendste Band Serbiens. Der gemeinsame Nenner dabei ist Uros an der Gitarre. Seine Begleiter Jovana am Schlagzeug und Petar am Bass sind auch keine Unbekannten in der Belgrader Underground-Szene. Der Sound den sie zu dritt kreieren, der ist allerdings neu – nicht nur für das Trio, sondern für die ganze Region. Inspiriert durch amerikanische Surf-Rock Bands wie Man or Astroman?, Dick Dale & The Deltones und The Ventures, zeigen Threesome, wie Surf-Rock 2011 eigentlich klingen soll: frontal, vertanzt und alles andere als altbacken. Damit haben sie sich neben vielen Fans und Preisen in der Region, auch den Release ihres Debütalbums auf dem US-amerikanischen Label Double Crown Records verdient. Unsere Meinung: Sollte Tarantino eine Neuverfilmung von From Dusk Till Dawn andenken, dann nur mit Threesome am Soundtrack!

 

Album: “Adriatica” (Double Crown Records)

Link: http://threesomeband.tumblr.com

Für Fans von: Man or Astroman?, Filme von Robert Rodriguez

 


 

Kill Me Laser

Wenn es einen neuen heißen Scheiß in der serbischen Underground-Rock-Szene gibt, dann sind das eindeutig KILL ME LASER. Die Band wurde im Frühling 2009 aus purer Langeweile gegründet. Die Clubbesuche wurden den vier Jungs zu fad, also beschlossen sie lieber eigene Parties im Proberaum zu machen. Dieser wiederum befindet sich im „BIGZ“ – dem altkommunistischen und mittlerweile verlassenen Bürogebäude des gleichnamigen Verlagshauses. Dieses dient nun der musikalischen DIY-Szene als Werksstätte und gilt als Sammelpunkt des kreativen Undergrounds. Denn Proberaummiete zahlen die sogenannten „BIGZ-Bands“ keine, Konzerte spielen kann man jeden Abend und der Eintritt für Gäste ist meistens gratis. Im eigenen Proberaum entdeckten Filip, Djordje, Jovan und Strahinja von Kill Me Laser, dass eigene Musik den Freitags DJ definitiv sticht und viele Sofortfans gaben ihnen Recht. Ihre Musik ist eine wilde und unvorhersehbare Mischung aus Punk, Noise, Synth und Rock, welche die Band selbst vergleicht mit „Bier durch einen Strohhalm trinken und dabei ausgehungerten, wilden Tieren auf der Bühne zuschauen“. Ein Pflicht-Konzertbesuch bei der nächsten Reise nach Belgrad.

 

Link:  http://www.myspace.com/killmelaser

Für Fans von:  The Death Set, At The Drive-In

 


 

Skinny Patrini

Bereits seit 2004 existiert das Electro-Pop-Duo Skinny Patrini. Als Einfluss wird die ganze Sozialisationsbandbreite jedes braven Indie-Kindes benannt, angefangen bei Nine Inch Nails, Smashing Pumpkins über Portishead bis hin zu PJ Harvey. Unüberhörbares Vorbild früherer Stücke ist außerdem Dark-Popper Chris Corner a.k.a. IAMX. Hört man sich jedoch Neueres an, wie die Single „The Wind“ des bereits aufgenommenen, aber noch unveröffentlichten Albums SEX (man ist auf Labelsuche), erinnert der Sound eher an eine geschmeidige Mischung aus Goldfrapp, Crystal Castles und Robyn. Treibende Electro-Beats und eine konspirativ flüsternde Frauenstimme, gefangen zwischen Verzerrern und Retro-Synths.

Optisch setzen Skinny Patrini gerne auf Nacktheit, ausgefallene Kostüme und exzessive Live-Shows, alles was das Zuschauerherz begehrt also…

 

Für Fans von: Goldfrapp, Crystal Castles, Glass Candy

Link: http://skinnypatrini.bandcamp.com

Album: Duty Free (Antena Krzyku/ i-tunes), coming soon:SEX (unveröffentlicht)

 


 

Chinawoman

Das Mädchen Michelle wuchs als Spross russischer Einwanderer in Toronto auf. Doch schon früh besann sie sich ihrer Wurzeln und inhalierte sowjetischen Schwermut – in Ton und Bild. Vermischt mit Dark-Wave-Elementen und schleppend-schlurfenden Polka-Rhythmen kreierte sie daraus ihren ganz eigenen Sound, der nicht zuletzt wegen ihrer prägnanten, tiefen Stimme (was, das singt eine Frau?) unverwechselbar ist. Und weil Chinawoman, wie sie sich aufgrund ihres asiatisch anmutenden Äußeren nennt, vor allem in Russland erste Erfolge feierte und bereits unzählige Konzerte spielte, darf man sie auch getrost in unser Osteuropa-Special mit aufnehmen. Mittlerweile lebt sie zwar in Berlin, aber wer dort schon mal den Winter verbracht hat, der weiß, weit von Sibirien ist das auch nicht mehr weg… sag ich jetzt mal so…

 

Für Fans von: Molly Nilsson, Laurie Anderson, russischer Seele

Link: http://chinawoman.ca

Album: Show Me The Face ( Self-Release/ i-tunes)

 


 

The Kolin

Moment mal, wir haben noch nie von diesen drei, bunten, krass attraktiven Jungs gehört? Das kann doch gar nicht sein? Immerhin haben sie schon 2009 bei den MTV EMA’s einen Preis abgestaubt und Web-Bitch Perez Hilton lobte sie in seinem Blog über den grünen Klee! In ihrer Heimat sind The Kolin aus Budapest bereits Stars und die Chancen für den Rest der Welt stehen gut, schließlich machen sie ausgezeichneten, supersexuellen Pop. Ihr Hit „San Francisco“ klingt wie eine Mischung aus Scissor Sisters, the Klaxons und Queen. Im dazugehörigen Video zeigen sie, dass sie – „in“ Polizisten-Uniform-Bodypainting – Ballett tanzen können. Okay, ich denke sie sind eventuell vielleicht doch schwul, aber trotz alledem ein exquisites Eye- und Ear-Candy für uns Mädels!

 

Für Fans von: Scissor Sisters, Mika, Queen

Link: http://www.kolinmusic.com

Album: Yell Into The Kazzo (Universal Hungary/ i-tunes)