Mi, 5. Oktober 2011

New Hot Music Shit (20te Ausgabe)

Da Summa is umma – bissl unausgegoren war er dieses Jahr. Jetzt kommt der allseits bewährte herbstliche Konzertmarathon und wenn auch nicht alle hier vertretenen Newcomer gleich in unserer Nähe auftreten werden, so kann man zumindest schon mal ihre Platten hören und sich auf die Winterdepression einstimmen, Olé!

Austra

Na gut, der Underground-Hype hat im Falle Austra spätestens seit deren Auftritt beim Legenden bildenden texanischen SXSW-Festival solche Kapriolen geschlagen, dass man sich ihnen nicht mehr entziehen kann. Der kanadische Klüngel um Sängerin Katie Stelmanis beherrscht die hohe Kunst jener Antiness wie man sie in internationalen Style-Magazinen findet – die Fähigkeit selbst ausgewachsene Haaransätze sexy wirken zu lassen, auf gut deutsch: Attitüde. Katie’s klassisch ausgebildete Stimme balanciert düster über den pochenden Synth-Sumpf und sorgt für schmauchende Gänsehaut beim – dank freizügigem Video-Artworks („Pulse and Beat“) – bereits völlig erotisierten Hörer. Natürlich wurde viel bei 80er-Größen wie Giorgio Moroder eingekauft, aber das machen ja gerade alle. Man darf gespannt sein, ob Austra live bezaubern werden…

Für Fans von: The Knife, Fever Ray, Zola Jesus, Bat For Lashes
Link: http://www.austramusic.com
Aktuelles Album: Feel it break (Domino Records)


 

Michael Kiwanuka

Manchmal sind auch wir ein bisschen Emo. Nein, nicht Rock-Emo, sondern Soul-Emo. Wir lassen uns von einer schönen Stimme verzaubern, wenn wir eine hören. Wir mögen auch klassisch arrangierte Soul-Harmonien und bluesige Rhytmen, wenn sie uns in der Süßigkeit der „sweet soul music“ in guter Alter Bill Withers-Manier dahinschmelzen lassen. Und wir mögen Michael Kiwanuka, der zwar nicht den poppigsten Namen trägt, dafür sehr mutig ist, mitten im London des Jahres 2011 noch ein Soul-Revival zu versuchen. Aber der süße „Mi-Ki“ ist talentiert, sogar sehr talentiert. Und so wunderbar unprätentiös, wenn er mal ein bisschen Soul, mal ein bisschen Folk, mal ein bisschen Blues in Begleitung seiner akustischen Gitarre miteinander vermischt. Unser aktueller Fave ist seine Single „I’m Getting Ready“ – die ist einfach wunderbar emo.

 

Link: http://michaelkiwanuka.com/

Für Fans von:  Bill Withers, Al Green

 


 

Washed Out

Washed Out klingen genau so wie ihr Name. Oder sollte es besser heissen „sein“ Name? Washed Out ist der Künstlername des amerikanischen Musikers Ernest Greene, allerdings wird dieser live von einer ganzen Posse talentierter Gitarristen, Bassisten und Percussionisten unterstützt. Ausgewaschen wie die Phantasien einer verloschenen Disco-Ära, ausgewaschen wie der Flitter auf Ziggy’s alten Bühnenoutfits, so klingen Ernests Songs. Viel Hall auf der Stimme, der Beat variierend zwischen gesundem Herzschlag und zappelndem Party-Auszucker, gegensätzlich und doch homogen. „Within and Without“ ist ein Album, dessen Stimmung sich sowohl als Anheizer für eine wilde Partynacht in den Untiefen der Großstadt eignet, als auch für die Afterhour danach, wenn müde Körper kuschelnd aufeinander einschlafen.

 

Für Fans von: Caribou, Twin Shadow, Panda Bear

Link: http://www.myspace.com/thebabeinthewoods

Aktuelles Album: Within and Without (Sub Pop, Weird World/Domino)

 


 

Säkert!

Annika Norlin, Sängerin und Chef der schwedischen Band Säkert! (dt. Sicher!) ist in ihrem Heimatland bereits ein Star. Ihre prägnante Stimme hat sie aber auch schon auf Tourneen durch die USA, Japan und Resteuropa erklingen lassen. Dieses herzerweichende Organ besingt unglückliche Liebschaften, menschliche Schwächen und dunkles Verlangen so lieblich gehüllt in den nachtschwarzen Mantel der Melancholie, dass einem wohlig Angst und Bange wird. Selbst Simpsons-Erfinder Matt Groenning outete sich als großer Fan und verpflichtete Säkert! für das im vergangenen Jahr von ihm kuratierte All Tomorrow’s Parties Festival. Interessant auch die Tatsache, dass das aktuelle Album bereits 2009 mit schwedischen Texten veröffentlicht wurde, aber nachdem tausende Fans monatelang vor ihrem Wohnzimmerfenster campierten und um englische Übersetzung baten, erbarmte sich Frau Norlin ihrer. Das Ergebnis ist so simpel und makellos wie guter, trauriger Pop sein soll. Nie zu pathetisch und trotzdem Herzen spaltend.

 

Für Fans von: A Camp, The Cardigans, Lykke Li

Link: http://sakert.blogspot.com

Aktuelles Album: Säkert! På Engelska (Razzia Records/Soulfood, VÖ: 16.09.2011)

 


 

Ghostpoet

Das zieht euch jetzt die Hosen aus. Denn, Ghostpoet, aka Obaro Ejimie (aber das merkt sich eh keiner), ein Engländer mit nigerianischen Wurzeln, ist so ziemlich der würdigste Nachfolger vom legendären, aber schon etwas veralteten, Tricky. Denn auch wenn der liebe Obaro es vielleicht nicht direkt vor hatte und wir nicht wirklich damit gerechnet haben, scheint es, als ob er jetzt der Vorreiter des Trip Hop Revivals wäre. Zumindest bringt er mit seinem Debütalbum alle Zutaten mit: das Dunkle, das Meditative, das Verschlafene, das Frustrierte, das Gleichgültige, das Bekiffte, das Paranoide. Dazu kommt noch eine Brise Humor und Leichtigkeit, die der Gute dank seinem hohen Alter (man munkelt, er wäre schon Mitte Vierzig) glaubwürdig trägt und die helfen, das ganze Werk aufzulockern. Im Gegensatz zum Bristoler Trip Hop ist somit Ghostpoet ein Hyper-Optimist, was bei uns immer für ein lautes „we liiiike“ sorgt!

 

Album: “Peanut Butter Blues & Melancholy Jam” – out now

Link:  http://www.ghostpoet.co.uk/

Für Fans von:  Roots Manuva, Gil Scott-Heron

 


 

This Many Boyfriends

Los, nennt uns cheesy und indie und ach-so-vorhersehbar. Aber ehrlich: wie konnten wir da widerstehen? Da kommt eine Band mit dem wahrscheinlich indie-poppigstem Bandnamen der Welt, spielt einfache 3-Akkorde-Liedchen in bester, früher „The Smiths“-Manier und nennt ihre Songs „Young Lovers Go Pop!”, „I Should Be A Communist“ oder „I Don’t Like You‚ Cos You Don’t Like The Pastels” (= DIE Indie-Ikonen schlechthin). Dann fällt ihnen noch ein, auf das Albumcover nichts anderes als bunte Luftballons zu geben – und da sollen wir weghören? Natürlich nicht, selbst wenn die Jungs und Mädels aus Leeds mit ihrer einfachen und bunten Tra-la-la-Welt, in der sie sich selbst zu den „Indie-Pop-Heros“ ernannt haben, nicht die musikalische Relativitätstheorie widerlegen werden. Aber sie werden einem ein paar glückliche Momente und eine perfekte Indie-Credibility auf der Tanzfläche bescheren – und das sorgt schon mal für einen guten Herbstbeginn.

 

Album-EP: “Young Lovers Go Pop”

Link: http://www.thismanyboyfriends.com

Für Fans von:  The Go-Betweens,  The Wombats