Di, 28. September 2010

New Hot Music Shit (14te Ausgabe)

Was war denn das bitte für ein Sommer? Kurz eine total unerträgliche Hitze und dann schon wieder vorbei, verregnet und grau. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Herbst noch ein paar goldene Stunden bereithält, die Musik dazu hätten wir hier schon mal rumliegen. Ob gemäßigte Hardcore-Kacke aus dem hübschen Leeds, gefühlvolle Teenage-Dream-Nightmares aus dem coolen Brooklyn oder ironischer Algo-Hip-Hop, für jeden raschelt was im Herbstlaub.

Pulled Apart By Horses

Wenn man eine Band fragt, wonach ihre Musik klingt, hört man selten die Beschreibung „disco-rioting with low-fat yoghurt-based rock‘, und vor allem dann nicht, wenn mindestens drei* dieser Wörter das genaue Gegenteil davon implizieren. Doch spätestens bei ihrem Debütalbum wussten es PULLED APART BY HORSES aus Leeds besser und verwendeten die richtigen** Wörter für ihre Songtiteln. Beim genauen Hinhören bekommt man selbst im eigenen Schlafzimmer das Gefühl, mit dem Gesicht im Schlamm voller Bier, Schwitze und Hundekot zu liegen – und es extrem super zu finden. Egal ob live auf der Bühne oder von der Plastikscheibe runtergespielt ist diese Band brilliant, brutal und voller sprudelnder, böser Energie. Auf in den Moshpit und rip it up!
*disco, low-fat, yogurt / ** fuck, punch, suicide

Link: www.myspace.com/pulledapartbyhorses
Für Fans von: Nirvana, Refused


 

Professor Green

Früher hieß es „Just be good to me“ und war ein Schnulzen-Hit der 80er-Jahre-R&B-Schmalzis S.O.S. Band. Heute heißt es „Just be good to Green“ und zusammen mit der trächtigen Lily Allen rapt sich der Nachwuchs-MC Professor Green im dazugehörigen Video durch einen Model-Wald.

 

Der 27jährige Londoner verwendet gerne altbewährte Disco-Hits und rührt sie mit seinen selbstironischen Lyrics und ein wenig neumodischer Elektronik zu neuem Kuchen. So musste auch der Dancefloor-Kracher „I need you tonight“ von INXS dran glauben! Der Songtitel ist der gleiche geblieben und damit schaffte er es in Großbritannien bis auf Platz 3 der Charts.

Professor Greens Image (wieso verwenden Hip-Hopper immer so gerne überhöhte Akademiker-Titel?) ist sehr lustig, er hat coole Tattoos und ist einem gleich sympathisch. Ob das, was er macht, die Neuerfindung des Rads ist, sei einmal dahin gestellt, aber es funktioniert, vor allem bei denen, für die 80er-Jahre-Hits noch nicht ausgelutscht sind, und tanzen kann man allemal dazu.

 

Link: www.myspace.com/professorgreen

Für Fans von: The Streets, Dizzee Rascal, Jamie T., Lady Sovereign

 


 

Chapel Club

Eigentlich haben wir schon genug von Joy Division-Nachmachern und sich nach der „dark side“ sehnender Gitarrenverzehrern. Aber bei CHAPEL CLUB müssen wir eine Ausnahme machen und uns eingestehen, dass wir mit dem „Inter-White-Edit-Hurts“-Vergleich zu rasch geurteilt haben. CHAPEL CLUB kommen nämlich aus einer anderen Ecke: Sie vermischen den Staubsauger-frisst-Strom-auf -Sound von My Bloody Valentine mit dem Gesang und der überbritischen Aussprache eines Morrissey und heben sich damit deutlich von der aktuellen Szene ab. Vielleicht sind es aber auch Texte wie „O maybe I should settle down on a quite life / O maybe I should chance it all on a perfect night”, die das perfekte Dilemma einers brav-aber-wilden Indie-Kid-Daseins perfekt rüberbringen und CHAPEL CLUB besonders machen. Beweise dafür gibt es am 2.12. im Wiener WUK als Support von Two Doors Cinema Club.

 

Link: www.myspace.com/chapelclub

Für Fans von: Morrissey, Interpol

 


 

The Hundred in the Hands

Auf Intellektualität setzen die Wahl-New Yorker von The Hundred in the Hands. Jason Friedman und Eleanore Everdell fangen da an wo die Kills aufhören. Teilweise sehr rough, lo-fi produziert, teilweise ausgeklügelt elektronisch verspielt, berührt uns Fräulein Everdell mit ihrem zarten Gesang. Die Stimmung an diesem Gefühlshimmel ist immer leicht verhangen und wenn man schon glaubt, es wird sonnig bis heiter, zieht von links eine weitere Melancholie-Wolke auf. Die Einfluss-Lasagne dieser 2-Personen-Combo ist wesentlich vielschichtiger als auf den ersten Lauscher angenommen und birgt von Wave über French House bis hin zu Sixties Girls Pop einiges zum Raushören. Abgesehen davon veröffentlichen die beiden Vollblut-Künstler auch ein Online-Zine in dem sie befreundete Künstler verschiedenster Genres vorstellen. Nach eigener Aussage ist es ein lange gehegter Wunsch, dieses Projekt als Print-Ausgabe zu verwirklichen. Aber zuerst einmal kommen The Hundred in the Hands in den nächsten Monaten nach Europa um ihr selbstbetiteltes Debüt-Album live zu präsentieren. Wir sind gespannt!

 

Link: www.myspace.com/thehundredinthehands

Für Fans von: Glass Candy, Maximum Balloon, Ladyhawke

 


 

Warpaint

Nun, die Band gibt es schon ein paar Jährchen, laut Legende haben sie sich am Valentinstag 2004 gegründet. Die letzten Jahre waren sie mit mannigfaltigen Umbesetzungen beschäftigt – darunter auch Prominenz wie Schauspielerin Shannyn Sossamon oder der Red Hot Chili Peppers-Gitarrist Josh Klinghoffer. Nach dem Release der EP Exquisite Corpse folgt nun endlich das Debüt-Album The Fool, das sich in England schon vor dem Release wie warme Semmeln verkauft! Sphärischer Elfengesang sorgt für Ganzkörper-Gänsehaut bei dieser (momentanen) All-Girl-Band. Wie aus fernen Welten dringt das Klagelied über die Gepflogenheiten des Lebens im Allgemeinen und im Detail („Billie Holiday“) zu uns hinüber. Tom Biller, der Produzent des letzten „Liars“-Album hatte seine Hände am Mischpult und als Auftakt des ewig heraufbeschworenen und immer kurz bevorstehenden Durchbruchs waren die Ladies unlängst mit The XX auf Tour. Optisch und akkustisch ein absoluter Knaller, erotisch und traurig wie der letzte Sonnenuntergang des letzten heißen Tages eines viel zu kurzen Sommers!

 

Link: www.myspace.com/worldwartour

Für Fans von: The XX, Florence and the Machine, Bat for Lashes

 


 

Detroit Social Club

DETROIT SOCIAL CLUB, das sechsköpfige Baby des Songschreibers und Sängers David Burn, steht seit einiger Zeit in der „Get-Big“-Warteschlange. Laut ausgerufen von vielen, aber vorrangig von dem britischen Magazin NME (wem sonst?). Die Band hat Qualität, keine Frage. Noch mehr passt sie allerdings genau in die Art englischer Bands, die das Potential haben, große Stadien zu füllen und mit ihrem hymnenartigen Sound und „Come On!“ Rufen unsterblich groß und unverschämt episch zu wirken. Wenn wir also alle bald im „Universum schweben“ und dabei „wie Sterne glitzern“, wissen wir, wen wir dafür schuldig machen müssen.

 

Link: www.myspace.com/detroitsocialclub

Für Fans von:  The Verve, Kasabian