Do, 29. Juli 2010

New Hot Music Shit (13te Ausgabe)

Weil das Sommerwetter so unwiderstehlich ist und der Kältespeck des hinter uns liegenden sibirischen Winters und Frühjahrs hartnäckig auf den Hüften haftet, ist Tanz-Workout angesagt! Und dass uns dabei nicht langweilig wird, dafür garantieren diese arschcoolen Newcomer-Bands: Shake it, till you make it!

Japandroids

Japandroids (JPNDRDS) ist eine 2-Mann-Band aus Vancouver, wovon keiner ein Japaner ist. Das enttäuscht, ist aber auch das Einzige, was dieser Band vorzuwerfen ist. Doch eigentlich wollten Brian King und David Prowse im zarten Post-Teenage-Angst-Alter als Trio durchstarten, doch dann entschieden sie, den logistischen Albtraum einer „Frontmann“-Suche zu umgehen und griffen selbst zu Mikros. Folglich sind Japandroids 1 Gitarre, 1 Schlagzeug und 2 Stimmen. Sie nennen es Garage Rock, doch nur weil in dieser Beschreibung das Wort „minimal“ nicht vorkommt.  Uns fällt aber ohnehin nur das Wort „maximal“ ein – maximale Gitarrenwucht, bei der der Atem wegbleibt und erst nach heftigem Tanzen, Bangen und Ganz-Köroper-Gymnastik wieder zurückkommt.

Dass die Songtexte („she had wet hair, say what you will, I don’t care, I couldn’t resist her“) und der Albumtitel (“Post-Nothing”) so ziemlich die besten der letzten 20 Jahre sind, macht Japandroids eindeutig zu jungen Göttern des Post-Nothing-Zeitalters.

Link: www.myspace.com/japandroids
Für Fans von: The Sonics, The Wombats


 

Slow Club

Seit dem Phänomen White Stripes ist die Erwartungshaltung an eine Mann-Frau-Band eine etwas eingeschränkte: es geht hauptsächlich darum zu beweisen, dass man zu zweit so laut und super sein kann wie zu viert oder fünft. Und weil wir es Mr. und Ms. White  eh schon abgenommen haben, wirkt jeder weitere Versuch oft nur langweilig.

 

Das ist so ziemlich der Grund, warum man sich in SLOW CLUB verlieben muss. Bei Rebecca Taylor und Charles Watson haben Stimmen, Tamburin und das Nerd-Sein Vorrang vor fetzigen Gitarren. Der daraus entstehende Misch-Masch aus Folk, Country und oh-so-süßem Indie-Pop ist fein und muss niemandem irgendetwas beweisen, vor allem nicht den fehlenden Bass.  Da sich die Gefühle einer unschuldigen, altmodischen Händchen-Halten-Liebe ohnehin schöner rüberbringen lassen, wenn man dabei nicht heiß und heftig in die Instrumente reinschlägt, scheint es für die Zwei ausgesprochen gut zu passen, einfach nur zu zweit zu sein.  Wie sagt man so schön: Drei sind einer zu viel.

 

Link: www.myspace.com/slowclub

Für Fans von: Belle & Sebastian, Tilly and the Wall

 

 


 

Rolo Tomassi

Der Look täuscht natürlich. Brav, elegant und in Privatschuluniformen sind die Mitglieder von Rolo Tomassi höchstens am sonntäglichen Mittagstisch bei ihren Großmüttern. Den Rest ihrer Freizeit verbringen diese Jungs und Mädl lieber dabei, dem Ruf der Sheffielder Hardcore Szene gerecht zu werden und die Konzerthallen rund um die Welt zu zerstören. Ihr Hammer ist die ungemein laute, wuchtige, „it-makes-you-wanna-go-waaaaaah“- Musik, die richtig weh tut doch dank der Frontfrau Eva Spence gleichzeitig so unwiderstehlich ist, dass man sie alle sofort umarmen will.

 

Auf der Platte mehr nach Bad-Shit-Metal klingend, verwandeln sich Rolo Tomassi live in ein Hard Core Mayhem, bei dem die herum springenden, crowdsurfenden Körperteile mehr die Decke als den Boden berühren (Verletzungen inklusive). Damit übernehmen sie eindeutig die Krone von den schwedischen Hard-Core-Königen Refused und schicken diese in Pension.

 

Link: www.myspace.com/rolotomassi

Für Fans von: Refused, Dillinger Escape Plan

 

 


 

I Blame Coco

Ja, is des ein Bub oder ein Mäderl, des wo da singt? Das ist beim ersten Erklingen dieser erdig-sonoren Singstimme wirklich schwer zuzuordnen. Cool-Androgyn und doch glasklar verbreitet Frau (!) Coco Sumner tiefschürfende Lyrics wie: „I saw the mirror staring back at me and it told me I’m a self machine – lonely robot in a wasteland, rusting in a lonely harbor…“ Solch düstere Seelenmalerei kann selbst im Hochsommer eine Gänsehaut hervorrufen. Musikalisch ergeht sich eine Backing-Band in klirrendem 80’s Sound und schunkelt sich lustvoll durch beschleunigende Reggae/Ragga-Landschaften. Der schwedische Produzent Klas Åhlund (Robyn, Britney Spears, Sugababes) sorgt für den abrundenden High Fashion Touch, der sich auch in Artwork und Imagegestaltung wiederfindet. Irgendwie ganz schön cool, dafür dass die Sängerin erst zarte 19 Jahre alt ist.

 

Ach ja, und ihr Papa, der war in den Achtziger Jahren mal Sänger von so einer unbedeutenden Pop-Band, The Police, glaub ich…. Ich wusste doch, dass mich der Gesang an irgendetwas erinnert!

 

Link: www.myspace.com/iblamecoco

Für Fans von: Robyn, La Roux, YeahYeahYeahs

 

 


 

Crystal Fighters

Was passiert, wenn sich musikalisch begabte Menschen aus der spanischen Provinz Navarra mit solchen aus dem Londoner East End zusammenfinden? Wenn traditionelle baskische Percussion-Instrumente auf harte Synthie-Beats prallen? Das Ganze erzeugt einen Urknall an tanzbarer Live-Energie, dass einem Hören und Sehen vergeht. Klassische Flamenco-Gitarren, Flöten und treibende Live-Percussion generieren ein universelles Party-Work-Out, das für Zuschauer und Protagonisten gleichermaßen funktioniert. Äußerst zuträglich für den stetig wachsenden Hype ist natürlich auch die fast schon lächerliche Masse an tollen Remixen, die im Netz kursieren, vor allem wenn man bedenkt, dass die Kristallkrieger bis jetzt offiziell nur 3 Singles veröffentlicht haben. Selten, dass Handgemachtes so gut und natürlich mit Elektronischem verbraten wurde, die Freude auf die für Herbst geplante Europa-Tour ist groß!

 

Link: www.myspace.com/crystalfighters

Für Fans von: Hot Chip, Fisherspooner, Autokratz

 

 


 

Matt Henshaw

Dieser junge Herr aus dem englischen Leicester hat auf den ersten Blick ein Erscheinungsbild, nach welchem man ihn eher einer seitengescheitelten Indie-Rock-Band zuordnen würde. Verschüchterter Blick, Anzug oder Trainingsjacke, eine jugendliche Mischung aus Ian Brown, Damon Albarn oder gar dem werten Jarvis. Nichts deutet darauf hin, dass er sich selbst (und mittlerweile auch die Einfluss-Bibel NME ihn) als „New School Old-Time B-Boy“ bezeichnet. Seine elegant-sexy Soulstimme, gepaart mit schmatzigem Sprechgesang diverser kooperierender MCs, beschert einem schon beim ersten Zuhören butterweiche Knie. Die Einflüsse liegen glasklar auf der Hand (klassischer Motown Soul, Old School Hip Hop, Old School Reggae, 70s Pop), sind aber durch die irrsinnig zeitgemäße Interpretation fresh wie ein Steckerleis. Und dass er sich bei der Namensgebung seines Albums „The Deepest Cellar“ von Vorfällen in österreichischen Kleinstädten inspirieren hat lassen – das wollen wir ihm nun wirklich nicht unterstellen.

 

Link: www.myspace.com/matthenshawmusic

Für Fans von: Jamie T., Jamie Lidell, Dizzee Rascal