Di, 7. Oktober 2014

Musik für deine Herbst-Playlist

New Hot Music Shit #43

Ein schöner Reigen an Neuerscheinungen, Newcomern und viel, viel Abwechslung – die unfassbare Antilopen Gang aus Düsseldorf-Aachen- Berlin-Köln wetzt das Deutsch- Rap-Messer, während die Rapper aus Österreich den Sprachgesang an den Nagel hängen und lieber abgedrehte Tanzmusik aus Samples und dopen Beats basteln – siehe Alex The Flipper. Ein schönes American Apparel Model entpuppt sich als unfassbar gute Sängerin, während ein Maler aus New York City Frontman einer Band wird, die die neuen Strokes werden könnten. Das alles – und noch vieles mehr – bei uns im NEW HOT SHIT!

Dreamshow

New York 2002 Revisited

Ja, es waren schöne Zeiten, als das THE im Bandnamen zum Must Have gehörte. Und als The Strokes die Band des Jahres, ja fast des halben Jahrzehntes wurden. New York schleuderte seine Talente so großzügig auf die Plattenteller und in die Clubs, dass man vor lauter NYC-Bands den übrigen Indierock fast vergaß. Musikalisch knüpfen Dreamshow genau da an, mit einem Sänger, der Lou Reed und Julian Casablancas das Wasser reichen kann: Constantin V. – unklar, ob es sich um eine Abkürzung seines Namens handelt oder eine Geste in Richtung des römischen Cesaren ist – taucht anscheinend aus dem Nichts auf und macht mit seiner Band Dreamshow nun die große Welle. Denn da tummeln sich Leute von TV on the Radio (Jahphet Landis am Schlagzeug) und Punker von Cerebral Ballzy (Michael Amacio am Bass) herum. Constantin himself hat schon eine Karriere als Maler hinter sich, bei der er seine Werke unter einem Pseudonym bei Sotheby’s verkaufte – ein glückliches Händchen, ein hübscher Kerl, klasse Musik.

Für Fans von: The Strokes, TV on the Radio, The Virgins
Link: www.itsadreamshow.com
Aktuelle EP: ‚Chasing control‘

Sam Tiba

Französischer Cubist-Groove

Guten Geschmack können wir ihm unumwunden attestieren: Sam Tiba debütiert mit seiner Solosingle „Déguisement“ aufs Bravouröseste. Der Franzose aus dem nördlichen Roubaix ist Teil des Club Cheval – ihrerseits ein Vierergespann, das den Sound des erstrahlenden französischen Labels „Bromance“ nachhaltig prägte. Nun zieht es ihn endlich auch auf Solopfade und er veröffentlicht die EP „Samuel“, mit der er Abschied nimmt – wovon verrät er nicht. Es scheint aber ein Licht am Ende des Tunnels zu geben, denn seine Produktion klingt allemal heller und aufgedrehter als die sonst viel düstereren Bromance Releases. Dieses Label läuft förmlich über vor hippem Co-Working: Auch Sam Tibas Video wurde vom Künstler-Duo Nick & Chloé produziert – Hallöchen, da geht aber mal die Arty-Party ab! Minotaur und Nonne, Narziss und Ikarus, die setzen visuell um, was der elegische Clubsound mit Dubstep-Einschlag ins Gehirn zaubert.

Für Fans von: Myd, Canblaster, Panteros666
Link: www.facebook.com/SamTiba
Aktuelle EP: ‚Bromace #17 – Samuel EP‘ (Bromance / Savoire Faire)

Alex The Flipper

It’s all in the Mix

Ein Brüderpaar aus Linz machte Musik – der eine rappte, der andere produzierte die Beats und Samples. Geheißen haben die beiden Andi & Alex und der Swag war enorm. Gereimt wurde von Andi auf Oberösterreichisch – da ging’s gern auch um Rap-untypisches wie zum Beispiel die enormen Freuden des Vater-Seins. Ein damals schon kongenialer Musikteppich wurde unter den Raps vom Brüderchen Alex ausgelegt – immer schön soulig und melodiös. Als Alex The Flipper hat er sich nun selber wiedergeboren und ein Album ausgetüftelt, auf das jedes Delfingehirn stolz wäre. Tausendundein Samples wurden hier zu einem stringenten Werk verwoben, das ganz unangeberisch zeigt, wie verdammt gut sich der Mann mit Musik auskennt. Der Track „Patty“ könnte ebenso gut auf einem Album von Parov Stelar zu finden sein – und wenn er dürfte, würde Fatboy Slim noch eine Büchse Bigbeat drüber auskippen und das ganze zu nem Welthit machen. Aber das sollte Alex auch so hinkriegen – internationale Blogs hofieren „Seawards“, seine extrem gelungene Platte, von vorn bis hinten. Zu Recht!

Für Fans von: Parov Stelar, Fatboy Slim, Louie Austen
Link: www.facebook.com/alextheflipper
Aktuelle LP: ‚Seawards‘ (Bangus Records)

Kacy Hill

Die neue Kollektion ist da!

Gebt mal „Kacy Hill“ bei Google ein – whoa, Nelly! Da gibt’s enorm viele Bilder von ihr in Unterwäsche zu sehen – Kacy ist nämlich ein Dessous-Modell für American Apparel, yes Sir. Und ein wirklich sehr Hübsches noch dazu, mit allerliebsten Sommersprossen. Da könnte man glatt neidisch werden, so gut hat es die Natur mit dem Mädel aus Phoenix, Arizona gemeint. Ein Wahnsinns-Body, ein engelsgleiches Gesicht und eine außergewöhnliche Stimme obendrauf. Weil die Dame so viele Talente hat, hat sie auch gleich noch nen Song geschrieben, der nun ihr Debüt einleitet: „Experience“ heißt die Single, die von Jaylien Wesley produziert wurde und ganz durchhaucht und verstrahlt ist. Schöner, ätherischer Elektropop, der so sparsam ausgestattet ist wie ein geschmackvolles Hotelzimmer – alles da, was man braucht und nur in den besten Farben. Da sind wir doch echt froh, dass Miss Kacy ihre musikalische Ader entdeckt hat!

Für Fans von: Likke Li, Grimes, Lorde
Link: www.kacyhill.com
Aktuelle Single: ‚Experience‘ – soundcloud.com/kacyhill

Antilopen Gang

Der Sellout kann beginnen

„Hallo, um was geht’s, ich bin dagegen!“ Als Anti-Alles-Aktion oder Caught in the Crack schmurgelten sich Koljah, Danger Dan, Panik Panzer und NMZS zu viert durch die Jugendhäuser. NMZS nahm sich mit 28 Jahren das Leben und somit sind die Antilopen Gang nur noch die drei „mit dem Toten“. Aber sie sind nicht nur das – sie sind auch die mit dem Unisong: „Fick die Uni!“ Die Uni ist nämlich laut den Antilopen ein Sammelbecken für eine Bande pseudo-elitärer Straßenpenner, hihi. Und nach Anhören des Unisongs und dem neuen Smash-Hit „Goldener Presslufthammer“ inklusive Video, fragt man sich, ob das Ganze nicht ein superschlau eingefädeltes Kunstprojekt ist. Drei- bis fünffach doppelte Böden werden die Herren, die im Übrigen zu zwei Dritteln selber studiert sind, wahrscheinlich schon eingebaut haben. JKP, die bandeigene Platten- und Managementfirma der Toten Hosen, hat nun zugegriffen und den erklärten DIYlern das Einpacken der CDs abgenommen – ihr Debüt „Aversion“ darf sich auf den Ausverkauf freuen!

Für Fans von: Der Tobi und das Bo, Deichkind
Link: www.antilopengang.de
Aktuelle LP: ‚Aversion‘ (JKP) – 7.11.2014

Aquilo

Downtempo Elektronika

Aquila heißt auf Lateinisch Adler. Aquilo ist ein Zaubervogel, der sich in unsere schnöde Realität verirrt hat und uns nun Geschichten aus einem wunderschönen Märchenland vorsingt. Prosaisch gesehen ist Aquila allerdings eins der besten neuen Duos im Dreampop. Dahinter stecken zwei sehr junge Herren aus Lake District, UK. Der 23-jährige Tom Higham und sein Counterpart Ben Fletcher – zarte 19 Jahre alt – haben hinsichtlich ihrer Musik eine lustige musikalische Vergangenheit aufzuweisen: Hingham stand einer Metalband vor, Ben gehörte einer Grungecombo an. Beide haben dann etwa gleichzeitig begonnen, in ihren Schlafzimmern leisere Töne anzuschlagen, was mit einer Kollaboration endete – aus Bequemlichkeit, da die Dudes tatsächlich gegenüber wohnten. Gut gemacht, Herr Zufall! Die sparsame Produktion deckt alle Parameter der Messlattenqualität ab: James Blakesche Ruhe, Atmosphäre wie bei Air und ein Timbre in der Stimme, das einen an den jungen Chris Martin und die erste Coldplay-Platte denken lässt.

Für Fans von: Slowdive, London Grammar
Link: www.aquilomusic.com
Aktuelle EP: ‚Aquilo‘ (Believe Recordings)