Do, 20. Juni 2013

Musicnews Special: So klingt die Donauinsel!

Am Wochenende startet das 30. Donauinselfest. Je größer das Angebot, desto schwerer sich zu entscheiden! VOLUME stellt euch seine drei Lieblingsacts im Portrait vor:

So klingt die Donauinsel!

Das Donauinselfest lädt bereits seit drei Dekaden zum frühsommerlichen Festivalgenuss. Über die Jahre hinweg hat sich diese Veranstaltung zu einem der beliebtesten Festivals Österreichs etabliert. Auch heuer lockt neben freiem Eintritt und einer Auswahl an Bühnen ein attraktives Line-Up und Programm auf die Donauinsel. Den kompletten Drei-Tages Plan könnt ihr hier nachlesen. Wir von VOLUME stellen euch als kleinen Vorgeschmack schon einmal unsere drei Top-Acts vor und warum man diese auf keinen Fall verpassen sollte!

Freitag 21. Juni 20:30-21:15 :
Fiva Mc. und das Phantomorchester

Klassizismus und Hip-Hop

Deutscher-Hip-Hop kann mehr als sich hinter grellen Masken verstecken, Gras rauchen und holprig texten: Das beweist Nina Sonnenberg alias Fiva Mc bereits seit Ende der 90er Jahre. Drei großartige Alben hat die gebürtige Münchnerin bereits veröffentlicht: Poetische Texte gewürzt mit herrlichen Wortspielen, tiefsinnigen Themen aber auch Witz treffen auf Melodien, die sich sowohl in der Sparte Klassik als auch Elektronik etwas abzuschauen wissen. 2012 dann der musikalische Schwenk in Richtung Orchestrierung (Nach drei astreinen Hip-Hop Longplayern ein Masterplan). Gekonnt erobert die Fm4 und ZDF Moderatorin mit dieser Scheibe den Jazz-Keller. Unter anderem mit Rüde von den Sportfreunde Stiller am Kontrabass bespielt man ein Hip-Hop Neuland, welches in der deutschen Rap Sparte bisher zu wenig Aufmerksam bekam: Das altbewährte Scratching bleibt, die fetten Beats werden vom Schlagzeug eingespielt. Dazu gesellen sich vermehrt Klavierklänge, Bläserarrangements und großartige Bassläufe. Zeitweise ist das Debüt von Fiva und das Phantomorchester mehr Sprechplatte als solider Rap, dafür brillieren die Songs in ihrer Zugänglichkeit und Vielfältigkeit. Flächendeckend bleiben positive Vibrations und ambivalente Themen: Das Post-Beziehungs-Revival, Kater, Katzenjammer und Vergänglichkeit.

Samstag 22. Juni 23:00 : Black Box Radio

Indie-Quereinstieg

Aus dem heimischen Band-Katalog zitieren wir die noch junge Wiener Band Black Box Radio. Dank  vermehrten Live-Gigs, unter anderem am Frequency 2012 hat sich das Quintett auffallend schnell von der Bezeichnung ‚Geheimtipp‘ distanziert. Dort wo Francis International Airport inzwischen zu sehr nach Synthpop klingen, docken Black Box Radio druckfest mit Gitarrenrock an. Oder (wenn wir uns schon auf die heimische Szene beziehen): Dort wo Mother´s Cake oder Sex Jams in Lo-Fi Jams ausschweifen, pflastert die Band gekonnt den Pop-Hook: Das erinnert teils an das Debüt der Virginmarys, Teils an Bloc Party oder die Beatsteaks. Aber auch in der Unplugged Sparte machen sich Black Box Radio ganz gut: Ihr Song Elections Mindgap klingt so verblüffend ähnlich wie der triste Post-Grunge eines Eddie Vedder, dass man sich wieder einmal Pearl Jam Hits wie ‚Just Breathe‘ oder den ‚Into the Wild‘ Soundtrack anhören will. Seit einer Woche steht ihr Debüt ‚Underneath the Surface‚ in den Startlöchern und man fragt sich warum diese Band jemals mit Metal in Verbindung gebracht wurde: Stakkato-Riffs gehen in Rock, Melancholie und Up-Tempo Alternative-Rock über. Schön wenn der Gitarrenrock der 90er wieder aufblüht und ihm jemand ein komplett neues Gesicht geben kann. Black Box Radio ist das definitiv gelungen und zwar mit einem altbewährten Baukastensystem: Im Spagat zwischen 90er Jahre Schrammel-Rock Pepp und neuzeitlichem Pop-Flair.

Sonntag 23. Juni 16:45-17:35  Mile Me Deaf

Odd is the new Pop

Wie klingt prototypisch-österreichische Indie-Musik im Jahr 2013? Sicher nicht wie Mile Me Deaf. Die machen nämlich seit knapp zehn Jahren ihr eigenes Ding in der Alternative-Sparte. Rund um Wolfgang Möstl den man unter anderem aus Formationen wie Sex Jams oder Killed by 9V Batteries kennt, entstand neben allerhand unüblichen Tonträgerreleases wie Kassetten, Demos, Vinylscheiben und Compilations 2012 der erste Longplayer ‚Eat Skull‘: Nennen wir es Lo-Fi Pop zwischen Sonic Youth und Dinosaur Jr. Das neue Album soll laut Presseaussendung gerade produziert werden, in der Zwischenzeit wurde eine EP veröffentlich: ‚Brando‚ heißt das gute Stück, beinhaltet vier Tracks und versucht sich sowohl am (sehr) wüsten Noise als auch am eingängigen Pop und Folk. Ganz richtig, diese Wiener Band hat die Bezeichnung ‚Indie‘ verdient: Wer veröffentlicht heute auch noch EPs und stellt am Cover Leonard Nimoy nach weil sich das Label (Siluh) den echten nicht leisten kann? Low-Budget ohne Qualitätsverlust. Das Ergebnis jedenfalls ist zufriedenstellend und Mile Me Deaf inzwischen eine von Österreichs führenden Avantgarde-Bands zwischen Siluh, Fettkakao und Noise-Appeal.

In diesem Sinne: Cheerio und ein schönes Donauinselfest!