Do, 7. März 2013

Mit gespaltener Zunge

Zombie Boy im Interview

Die Modebibel Vogue, das Trendlabel Rocawear, der Kosmetikriese Vichy und Lady Gaga höchstpersönlich wollen nur ihn: Alle sind verrückt nach dem außergewöhnlichen Model Rick Genest alias Zombie Boy – obwohl ihm die Würmer aus den Ohren krabbeln. Im April kommt der volltätowierte Knochenmann zur Wildstyle & Tattoo Messe nach Wien, Salzburg und Innsbruck. Für VOLUME spricht Zombie Boy mit gespaltener Zunge über sein Pseudonym, musikalische Zukunftspläne und Schönheit.

Hi Freak! Kannst du dich noch an dein allererstes Tattoo erinnern?

Im Alter von 16 Jahren habe ich mir eine Piratenflagge stechen lassen, den so genannten Jolly Rogers’ Mich hat der historische Hintergrund dabei fasziniert: Diese Flagge wurde von Piraten gehisst, um angegriffene Opfer zusätzlich einzuschüchtern und ihre Todesverachtung bzw. Kaltblütigkeit zu symbolisieren.

Es ist nicht bei diesem einen Tattoo geblieben, heute ist dein Körper volltätowiert. Du siehst aus wie ein Skelett. Warum?

Nicht wie ein Skelett, sondern wie ein Zombie. Meine Kindheit als Obdachloser auf der Straße und die damit verbundenen Erlebnisse haben mich letztendlich zur optischen Verwandlung inspiriert. Ich bin Körperkunst, mein Aussehen ein anarchistisches Piktogramm, das meine Wahrnehmung vom Leben reflektieren soll.

Als Kind hast du nur knapp einen Gehirntumor überlebt. Darum der Name ‘Zombie Boy’?

Ein medizinisches Wunder! Darum nannte mich mein Umfeld als Teenager schon ‘Zombie’ – auch ohne Tätowierungen. Ein Journalist vom Bizarre Magazine hat dann diesen Namen das erste Mal öffentlich publiziert.

Wovor hat ein Zombie Boy am meisten Angst?

Davor, dass sich meine Träume in Luft auflösen.

Maden, Würmer und Käfer gehören zur Optik eines verwesenden Kadavers. Welches Ungeziefer magst du am liebsten auf deinem Körper?

Die Madagaskar-Fauchschabe am Rücken.

In deiner Jugend hast du auf der Straße gewohnt, seit deinem Auftritt im Video „Born This Way“ von Lady Gaga bist du am besten Weg zur nächsten großen Pop-Ikone…

Niemals! Ich bin und bleibe ein anarchistischer Freak.

Es ist schwer zu übersehen, dass dein Aussehen vom Tod inspiriert ist: Warum ist das Sterben so faszinierend für dich?

Ich bin ein Zombie – tot und lebendig zugleich! Diese Auflehnung gegen die Gesetze der Natur will ich mit meinem Körper ausdrücken.

Was bedeutet dir Schönheit?

Ein Körper in Balance und Harmonie mit seinem Umfeld – daraus resultiert Attraktivität und emotionales Wohlbefinden.

Die Redewendung „mit gespaltener Zunge sprechen“ ist in deinem Fall sehr passend…

Stimmt! Meine Zunge ist gespalten, weil mich Reptilen faszinieren. Deswegen habe ich mir auch Schuppen tätowieren lassen und trage oft Camouflage. Ich denke gerade darüber nach, mir die Zähne so zu bearbeiten, dass sie spitzer werden. Für mehr Biss…

Wolltest du dir nicht auch ein Ohr entfernen lassen?

Haha, das ist wiederum kompletter Schwachsinn – ich bin Künstler, kein Selbstzerstörer. Dieses Gerücht ist im Zuge eines Interviews entstanden, bei dem mir vorgehalten wurde, dass an einem Totenkopfschädel keine Ohren dran sind – in Anspielung auf meine Gesichtstätowierung. Ich habe dann geantwortet, dass ich mir als Halbtoter zumindest ein Ohr entfernen lassen werde. Keine Angst, alles nur Sarkasmus!

Wäre ja auch ziemlich unpraktisch, denn schließlich willst du demnächst deinen eigenen Sound produzieren.

Ja, ich plane eine Kollaboration mit einem Musiker aus London und freue mich schon sehr auf dieses Projekt! Leider kann ich aber jetzt noch nichts Näheres dazu sagen – vielleicht kann ich schon etwas verraten, wenn ich im April nach Österreich komme.

Apropos: Du bist Stargast bei der Wildstyle & Tattoo Messe in Wien, Salzburg und Innsbruck. Worauf freust du dich dabei besonders?

Freaks, Fans, Freunde, tätowierte Schnitzel und so weiter – das volle Programm! Ich bin schon sehr gespannt.

VOLUME ebenfalls – bis bald in Österreich.