Mi, 14. April 2010

Zebrahead im Interview

Mit großen Schritten in Richtung Punkparty: Die amerikanischen Spaßvögel der Band Zebrahead touren gerade durch Europa und machen am 16. April Zwischenstation im Wiener Flex. Sänger Matty Lewis im Vorabinterview über das amerikanische Gesundheitssystem, japanische Sehenswürdigkeiten und Wiener Schnitzel.

Tourzwischenbilanz: irgendwelche Highlights bis jetzt?

Okay, fangen wir mal an: Einer von uns musste in die Notaufnahme, ein anderer Bandkollege hingegen hatte erstklassigen Sex. Grundsätzlich gab es immer wieder massiven Drogenmissbrauch, viel Alkohol war im Spiel und die Shows sind alle bis jetzt fantastisch gelaufen.

Klingt vernünftig – oder so ähnlich. Deine Lieblingsanekdote aus der gemeinsamen Bühnenzeit mit den Zebraheads, was Fanwahnsinn und Musikverrücktheit betrifft?

Bei unserer letzten Tour mit der Platte „Panty Raid“ haben wir unsere Fans dazu animiert, so viel Unterhosen wie nur möglich auf die Bühne zu schmeißen. Und siehe da: über unseren Köpfen hat sich ein Unterhosenregensturm zusammengebraut. Ein sehr außergewöhnliches Szenario kann ich dazu nur sagen.

Wie hält sich ein Rocker und Unterhöschenfetischist fit und vital während so einer Tournee? Klassisches Rezept: Sex, Drugs & Rock’n’Roll?

Alles überbewertet! Wir lesen viel und gerne Bücher, machen Hampelmänner und Push-ups für unsere Fitness – der Mensch kann doch nicht die ganze Zeit nur am Feiern sein. Oder? Ist nur Spaß, natürlich geben wir’s uns auf Tour volle Breitseite, trinken viel und essen ungesund.

Alles kein Problem mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika, wenn du zurück aus Europa kommst, kannst du dich auf das neue Gesundheitssystem von Barack Obama verlassen. Oder auch nicht…

Spannendes Thema! Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie der Präsident seine ‚Health Care Reform‘ umsetzen will – ohne für irgendeine Seite, Befürworter oder Gegner, Stellung beziehen zu wollen. Es klingt nach sehr viel mühsamer Arbeit und einem langen Umstellungsprozess. Aber wer weiß, bei euch in Europa funktioniert diese Art von staatlichen Gesundheitswesen plus Zusatzversicherung auch nicht schlecht. Darum: abwarten. Einen entscheidenden Vorteil dieses Systems haben wir gerade am eigenen Leib erfahren dürfen. Der Kollege mit Besuch in der Notaufnahme zum Beispiel, wenn du dich an den Anfang unseres Gesprächs erinnerst, musste mit dem Krankenwagen abgeholt werden. So Noteinsatz kostet dich in den Staaten mindestens  1.000 $ aufwärts, bevor überhaupt irgendwas passiert. Glücklicherweise waren wir zu dem Zeitpunkt gerade in England und er ist super versorgt worden.

Na dann, zurück auf die Bühne: Was machen die Zebraheads eine Minute vor ihrem Auftritt? Gibt es diesbezüglich ein Bandritual?

Ich für meinen Teil wärme mich auf und mache ein paar Stretchübungen, andere von uns ziehen es vor, mit Bier vorzuglühen. Aber ich würde uns eine Minute vor Showbeginn als sehr ruhig, introvertiert und fokussiert beschreiben – um dann auf der Bühne von Beginn an so richtig ausrasten zu können.

Apropos ausrasten: Im April geht es noch mal nach Japan, wo ihr von euren Fans ja fast schon verehrt werdet. Woher kommt dieser Kultstatus und wohin geht ihr am Liebsten privat bei euren Japanbesuchen?

Eine Fanbase in so einem coolen Land zu haben als amerikanische Band, ist schon etwas sehr feines. Ich weiß auch nicht genau, warum wir gerade in Japan so gut angekommen – aber die Leute dort kaufen seit Jahren brav unsere Platten und kommen weiterhin regelmäßig zu den Konzerten. Es fühlt sich fast schon an, wie ein zweites Zuhause. Besonders wohl fühle ich mich im Tokioer Stadtteil Shibuya. Okay, dort schaut es aufgrund der vielen riesigen Einkaufszentren ein wenig so aus wie bei uns in den Staaten, trotzdem hat Shibuya einen ganz eigenen, faszinierenden Spirit, der definitiv nicht mit einem Stadtteil einer amerikanischen Metropole zu vergleichen ist. Wenn wir Osaka spielen, besuche ich regelmäßig die Burg dort – ein Meisterwerk der japanischen Baukunst aus Zeiten der Samurais. Sehr zu empfehlen!

Zu unseren Landesspezialitäten, in dem Fall zu denen aus der österreichischen Küche – kannst du dich an die erstes Wiener Schnitzel erinnern?

Als wäre es gestern! Nur muss ich zu meiner Schande gestehen, dass meine Schnitzelpremiere in München stattgefunden hat.

Shame on you! Wahrscheinlich auch noch im Hofbräuhaus, oder?

Korrekt, aber ich kann nur sagen, dass es mir sehr gut geschmeckt hat – so weit ich mich erinnern kann, denn wir haben uns damals extrem volllaufen lassen. Lustig war’s auf jeden Fall – eine gelungene Premiere!

Trotzdem hast du hier in Wien etwas nachzuholen, verstanden? Bevor wir damit beginnen, DAS Schnitzel für deinen anstehenden Besuch in Wien zu klopfen, eine letzte Frage: Die Zebraheads haben in ihrer Karriere schon den ein oder anderen Coversong (Anm. der Red.: aktuelles Beispiel ‚Girlfriend‘, im Original von Avril Lavigne) fabriziert – welcher Song bzw. Künstler ist unantastbar für euch?

Wir haben bisher immer nur Songs von Mädels gecovert. Und wenn du mich jetzt fragst, welchem weiblichen Wesen wir auf keinen Fall musikalisch näher kommen wollen, lautet die Antwort klar und deutlich: Cher! Erstens kann ich sie nicht leiden und zweitens bezweifle ich, dass jemand auf dieser Erde ihrer dämlichen Gesangstil überhaupt kopieren kann. Hoffentlich!

Da hoffen wir natürlich mit und freuen uns auf eine Show ohne Cher am 16. April in Wien!