Do., 29. Jan. 2026

"Was unsere Shows immer begleitet, ist das kollektive Buhen vom Publikum."

Interview mit Heimwerker vor ihrem Auftritt bei der Planet Festival Tour

Manche Bands entstehen aus musikalischer Vision, andere aus Freundschaft. Die Heimwerker sind laut Eigenaussage durch ein Datenleck in unser Universum gefallen. Seitdem machen sie Musik für Menschen, die wissen wollen, wie viel Selbsthass notwendig ist, um ein erfülltes Bandleben zu führen. Das ist zumindest das kohärenteste Motiv für den Post-Apokalyptischen Provinz Punk (PAPP), für den sie auf der Bühne genussvoll ausgebuht werden und der sich auf einem Spektrum von 30-Sekunden-Grind-Core-Nummern bis Erotikhörbuch abspielt. Am 31. Jänner testen die Klagenfurter dieses Gesamtkunstwerk erneut bei den Planet Festival Tour Playoffs in der ((szene)) Wien. Die Frage ist nicht, ob Heimwerker verstören werden, sondern wie viele.

VOLUME hatte Fragen. Und haben sie uns von Aki Streeter (Gitarre, Synthi und Visuals) beantworten lassen.

Wer ist Dave, euer Creator?

Aki: Dave ist ein Ultra-Nerd in einer Überwelt. Er hat unser Universum programmiert. Es gibt sieben Protoversen, eines davon ist unseres. Dave lebt in einer WG mit seiner Ananas und dem Professor, der Crystal Meth herstellt. Und wir, die Band Heimwerker, sind durch ein Datenleck entstanden.

Hochphilosophisch. Kann man das auch eurer Musik entnehmen?

Aki: Puh. Wir haben so viele Songs, einer handelt von einem Tierarzt-Zahnarzt, ein anderer ist 30 Sekunden lang einfach nur dreckigster Grind-Core. Jede Probe schreiben wir so zwei bis drei Lieder, da ist sicher auch das ein oder andere dabei, das nicht nur komplett dumm ist. Letztes Jahr kam unser erstes Album In Danger of Collapse raus. Die erste Hälfte ist voll okay gemixt, die andere Hälfte halt irgendwie, weil wir keine Aufmerksamkeitsspanne haben, uns das gescheit beizubringen. So haben wir das dann veröffentlicht. Mein lieber Basslehrer hat das in schlechter Qualität laufen lassen und findet es so total authentisch. Er ist ein Fan, oder wie ich liebevoll sage, ein Hater.

Aber ihr macht auch ruhigere Sachen?

Wir haben auch noch eine Unterband, die Geheimwerker. Da machen wir – andere Leute und meine Band würden das Wort kritisieren – Love-Song-Parodien. Der Sänger redet dann von Bubble-Gum-Peanuts, die anderen singen „lalalala“ im Hintergrund. Unser Plan ist: zwei bis drei Alben produzieren, dann allen Punkmagazinen damit auf die Nerven gehen.

Schlägt sich euer Absurditäts-Fetisch auch in den Shows nieder?

Aki: Eindeutig. Wir verwenden manchmal Mitglieder der inoffiziellen Crew als Equipment, zum Beispiel als Keyboardständer, und spielen die komischsten Gigs an den komischsten Orten. Da treffen wir dann auch die komischsten Leute. Letztes Jahr in Pula hat jemand Betrunkenes mit mir intensiv über kroatische Gesetze philosophiert und dass man verhaftet wird, wenn man halbnackt rumläuft. Hab das dann gleich auf der Bühne gemacht. Was unsere Shows immer begleitet, ist das kollektive Buhen vom Publikum. Meistens ziehen ich und unser Bassist uns aus, dazu kommen die zusammengestückelten Texte von unserem vergesslichen Sänger und eine Menge Lärm.

„Heimwerker is Earth’s most disgusting Band. Playing the worst Style of Music, on the Worst Planet in this Universe with the worst Quality. Conquering since 2021 and Formed by Aki. The Band has seen many different Members, but in the End, they are still very Bad.“ (YouTube-Description)

Ihr heißt Heimwerker. Wenn ihr Werkzeuge wärt, welche?

Aki: Unser Sänger Kami wäre ein uralter Amboss. Er steht auf alte, komische Antiquitäten, er ist gelernter Schmied, das passt zu ihm. Ich wäre ohne Frage das scheußlich quietschende Ding beim Zahnarzt zum schmerzhaften Wurzelbohren. Unser Drummer FLOP ein ganz schwacher, furchtbar schlecht saugender Staubsauger, weil ich ihn so schon des Öfteren erlebt hab. Und unser Bassist Redlight Alley wär das Teil zum Füße-Abmessen im Schuhgeschäft. Er hat sogar die Schule abgebrochen, weil er was mit Füßen machen wollte. Er ist orthopädischer Schuhmacher und gibt uns Fußmassagen. Er lebt also seinen Traum.

Ihr bezeichnet euch als Generationenpunk?

Aki: Genau. Ich bin 18 Jahre alt und noch Schüler, die anderen sind 40, 22 und 57. Uns vereint einfach, dass wir Heavy-Zeug mögen und gerne laut sind.

Wie kann man sich eure Banddynamik vorstellen?

Aki: Naja, unser gesamtes Image fußt auf grauenhaftem Selbsthass, die Inhalte sind teilweise komplett verblödet. Manche nennen unser Auftreten sogar sektenartig haha. Unser Sänger war früher in einer Punkband, von der lebt nur noch er. Es wäre weit hergeholt zu sagen, dass wir privat total achtsam sind und nur unschuldige Sachen machen oder besonders gesund leben: Unser Drummer trinkt bei einer Probe so fünf Liter Mate, also was auch immer man sich darunter vorstellen möchte.

Gibt es generationenübergreifend auch Reibungspunkte?

Aki: Durchgehend. Wir streiten eigentlich dauerhaft, wissen aber nie, ob wir das ernst nehmen sollen, was wir uns gegenseitig an den Kopf werfen. Wir lästern und schreien über- und durcheinander, das gehört einfach dazu. Deswegen funktioniert das alles. Wenn wir uns mögen, dann halt intensiv.

Wir switchen auch Instrumente durch. Unser Bassist komponiert selbst, er kann das echt gut und er mastert genial. Er ist ein Schatz, der Redlight Alley, tausend Küsse an ihn. Trotzdem hasse ich ihn dafür, dass er so selten Zeit hat.

Du hast gemeint, ihr bringt bald wieder ein Album raus?

Aki: Ja. Wir bringen ein ruhiges Geheimwerker-Album raus, es heißt „ungenehmigte Zubauten“. Danach kommt ein Heimwerker-Album über die sieben Bausünden. Ein richtiges Konzeptalbum mit Geschichte. Es spielt in der Werkstatt und erzählt von einer grauenhaften, fiktiven Band. Das wird heavy, Grind-Core, einfach nur Lärm.

Und der zweite Teil des Albums wird eindeutig ein Erotikhörbuch. Ich weiß noch nicht, wo es spielt, aber ich werde es hauptsächlich selbst schreiben. Unser Drummer ist diesbezüglich eine schwankende Person, manchmal hat er die besten perversen Ideen, am nächsten Tag wünscht er sich, er wäre der Band nie beigetreten und sagt gar nichts mehr. Songmäßig sind wir so gut wie fertig. Wir haben gemerkt: Im Keller vom Drummer aufnehmen klingt mehr nach uns als im Studio.

Das würde auch nicht zum Konzept passen, oder?

Aki: Genau. Wenn wir es nicht selbst machen, klingt es zu gut. Wir waren mal in einem Studio, um für ein Science-Fiction-Theaterstück Musik zu machen, genau genommen drei Songs. Ich hab mit dem Drummer über Skype geprobt, er hat Mate getrunken. Der arme Mensch, der das dann professionell gemixt und gemastert hat, war verzweifelt. Er musste mit uns im Studio sitzen, während wir das Lied quasi erst schreiben und herumprobieren. Der Drummer hatte es davor noch nie gehört. Meiner Lehrerin musste man schreiben, dass ich zu einer Stunde nicht auftauche, weil ich im Studio festhänge. Einen Auszug aus dem Video gibt es sogar auf YouTube.

Ihr seid auch bei der Planet Festival Tour dabei?

Aki: Ja, wir sind sogar in den Playoffs. Am 31.01. finden die in der ((szene)) Wien statt, dafür proben wir gerade. Wir haben uns gedacht: Bei welchem Event könnte man Menschen grundlos verstören? Dann haben wir mitgemacht.

Das erste Mal war 2024, das ist nicht so gut gelaufen. Unser Drummer musste kurz vorm Auftritt nach Südamerika fliegen. Er sagt wegen Familie, ich sage zum Einkaufen. Wir waren am Tag des Gigs teilweise schon angetrunken, sind alle in ein Mini-Auto gestiegen und haben erst in Ried in Bühnenoutfits in der Innenstadt geprobt. Manchen Leuten hat’s gefallen, glauben wir. Zwei Jugendliche sind vorbeigekommen und haben gefragt: „Seids ihr eine Band?“ Wir so: „Ja, leider.“ Dann haben sie gesagt, sie haben ein Parfum für uns, und haben uns mit Furzspray eingesprüht – vielleicht sind wir deswegen nicht weitergekommen. Insgesamt war alles zu unfertig. Das Publikum hat anscheinend auch unsere Namen falsch geschrieben. Es sollte nicht sein.

Nun auf ein Neues?

Aki: Ja. Wir probieren es nochmal. Bei der Qualifikation in 2025 waren wir natürlich zu spät, zum zweiten Mal an dem Tag betrunken und völlig fertig. Wir hatten keine Hoffnung. Die Setlist haben wir direkt auf der Autobahn vergessen, die neue Setlist dann random gewürfelt. Da waren richtig schlechte Lieder dabei, so eine 30 Sekunden Grind-Core-Nummer zum Beispiel. Wir waren anscheinend so derbst mies, dass uns die Menschen weitergevotet haben. Wir haben als Feedback auf jeden Fall bekommen, dass das gemeinsame Buhen vom Publikum allen sehr gefallen hat.

Jetzt am 31. hoffen wir sehr darauf, weiterzukommen. Wir wollen im Gasometer spielen. Wir sind nicht radiotauglich, aber wir wollen weiterkommen.

Dieses Mal seid ihr top vorbereitet, nehmen wir an?

Aki: Viel besser als sonst. Wir haben uns richtig was überlegt. Es gibt eine Überraschung. Wir werden außerdem einen Bühnenchoreografen mithaben und einen Metal-Akkordeonisten aus der Schweiz. Er ist offen polyamor – es ist wichtig, dass das alle wissen. Vielleicht wird es nicht jugendfrei, womöglich hat wer (ich) einen Dildo am Kopf oder Tampons in der Nase. Jedenfalls haben wir Großes vor.

Wir sind gespannt und sehen uns am 31.01. in der ((szene)) Wien.