Di, 1. Juli 2014

Nur noch aufwärts

Queens of the Stone Age im Interview

Josh Homme ist ohne Zweifel einer der angesehensten Musiker im internationalen Rockgeschäft und ein umtriebiger Workaholic. Während einer Knieoperation im Oktober 2010 erlitt der Stoner Rocker einen Herzstillstand, konnte jedoch wiederbelebt werden. Das hat tiefe Spuren hinterlassen, was auf seinem neuen Album „…Like Clockwork“ zu hören ist. Im Interview spricht Josh Homme offen und ehrlich über die schwerste Zeit in seinem Leben, erklärt seine Verbindung zu Elton John und verrät, was uns am FM4 Frequency Festival presented by VOLUME erwartet.

Vor ein paar Jahren hättest du bei einer Routineoperation am Knie beinahe den Löffel abgegeben – plötzlicher Herzstillstand mit anschließender Reanimation, die dich zum Glück zurück ins Leben geholt hat. In den letzten Interviews hast du dieses Erlebnis oft thematisiert, was sehr ungewöhnlich ist für den sonst so verschlossenen Josh Homme.

Stimmt, früher war ich sehr zurückhaltend, wenn mir jemand private Fragen gestellt hat. Generell habe ich die letzten 20 Jahre damit verbracht, so wenig wie nur möglich mit fremden Menschen zu sprechen – vor allem über meine Musik und mein Leben. Außer vielleicht mit viel Sarkasmus, das ist eine Spezialität von mir! Aber wenn ich mit der Presse über unser letztes Album ‚…Like Clockwork‘ reden muss, dann gehört diese Nahtoderfahrung und die beschissene Zeit im Anschluss einfach zur Geschichte dazu. Natürlich nerven mich Interviews auch heute noch, es ist immer das gleiche Gequatsche. Aber egal, ich will jetzt nur noch auf der Bühne stehen und spielen. Darum geht’s! Nicht mehr und nicht weniger…

Zum letzten Mal live in Österreich haben Queens of the Stone Age im Sommer 2013 gespielt – vor 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle. Kennst du so etwas wie Lampenfieber überhaupt?

Natürlich verspüre ich eine gewisse Nervosität. Aber vor einem großen Publikum habe ich keine Angst. Denn es ist wesentlich schwieriger, 50 Leute in einem kleinen Club ordentlich zu rocken, als vor tausenden von Menschen zu spielen. Wir lieben beide Situationen, denn im Leben geht es meiner Meinung nach um Abwechslung – das fängt schon beim Essen an. Keiner will jeden Tag das Gleiche futtern. Kleine Clubshows versprühen eine magische Intensität, große Konzerte bestätigen immer wieder, dass unser Sound vielen Fans auf dieser Erde gefällt.

Hat dir diese Bestätigung und die neue Albumproduktion dabei geholfen, deine bereits angesprochenen, schweren Zeiten zu überstehen?

 

Die letzten drei Jahre zählen sicher zu den härtesten in meinem bisherigen Leben und waren gleichzeitig auch das Beste, was mir hätte passieren können. Ich will daraus kein großes Ding machen, aber als ich von dieser schicksalhaften Operation aufgewacht bin, hatte ich einige Lücken in meiner Erinnerung. So etwas hinterlässt Spuren. Danach habe ich vier Monate fast ausschließlich im Bett verbracht und meine Freunde für knapp ein Jahr so gut wie nie gesehen. Ich fühlte mich wie ein Stück Scheiße. Irgendwann kam der Punkt, an dem es nur noch bergauf gehen konnte. Diesen Moment habe ich genutzt, um mit den Jungs ein neues Album einzuspielen. Dieser Tiefpunkt in meinem Leben hat mich definitiv stärker gemacht.

Wie hat sich die Entstehung des neuen Albums von Queens of the Stone Age für dich angefühlt?

Normalerweise hatten wir bei jedem Langspieler eine gewisse Grundidee, wohin die Reise gehen soll. Dieses Mal gab es keinen Schlachtplan, was es nicht unbedingt einfach macht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Das klingt jetzt vielleicht etwas nebulös. Wir haben einfach Musik gemacht und gegenseitig gespürt, was am Ende dabei rauskommen muss. Go with the flow. Ganz einfach in Wahrheit!

Wie hat es Elton John auf ‚…Like Clockwork‘ geschafft?

Sein Assistent ist großer Fan von uns. Während einer gemeinsamen Autofahrt haben die beiden Queens of the Stone Age gehört, am Steuer saß zufällig ein ehemaliger Mitbewohner von mir. Als Sir Elton John unseren Sound in den höchsten Tönen gelobt hat, kam von meinem Freund die Frage, ob er meine Nummer haben möchte. Dann hat mich Elton an einem sonnigen Sonntag einfach angerufen, als ich gerade mit meinem Sohn im Garten spielen wollte. Ich habe sofort gewusst, dass er es ist – sein britischer Akzent ist unverwechselbar.

Was hat er gesagt?

Dass er unsere Musik liebt und gerne etwas gemeinsam mit uns produzieren möchte.

Deine Reaktion?

Ich habe großen Respekt vor seiner Arbeit, denn er ist der wahre Workaholic von uns beiden – außerdem höre ich Elton John bereits seit meinem siebten Lebensjahr. Natürlich habe ich mich sehr über diesen Anruf gefreut und einen gemeinsamen Studiotermin arrangiert. Anfangs war nur geplant, dass er uns eine Klaviermelodie einspielt. Herausgekommen ist ‚Fairweather Friends‘, bei dem Elton auch den Hintergrundgesang übernommen hat.

Ein sehr starkes Stück! Elton John ist zwar nicht live mit dabei, aber auf was können wir uns freuen, wenn Queens of the Stone Age als Headliner beim FM4 Frequency Festival presented by VOLUME rocken?

Ich verspreche hiermit hoch und heilig, dass wir nach der Show alle gemeinsam taub, stumm, verschwitzt und glücklich sein werden. Darauf freuen wir uns schon jetzt. Bis bald in Sankt Pölt