Do, 27. Februar 2014

Ein Blick in die Sterne

Metronomy im Interview

Metronomy sind mit ihrem neuen Album „Love Letters“ auf Tour und spielen am 18. April live im Wiener WUK. Mastermind Joseph Mount hat VOLUME im Vorfeld erklärt, wie ein gebrochenes Herz am besten heilt, was sich in seinem Leben als Jungvater verändert hat und warum Liebesbriefe unersetzbar sind. Außerdem wagt der englische Multiinstrumentalist einen Blick in die Sterne.

Du bist kurz vor der Jahrtausendwende als Schlagzeuger zur Musik gekommen. Mittlerweile kannst du singen, produzieren, Songs schreiben, Gitarre und Keyboard spielen. Wie ist das passiert?

In der Schule habe ich Schlagzeugunterricht bekommen, den Rest konnte ich mir während den letzten 15 Jahren selbst beigebringen. Es is

t sehr erfüllend, mit einer Gitarre an Songs zu feilen – auch wenn ich dieses Instrument keineswegs beherrsche. Ich kann das aber nur empfehlen: Einfach eine Gitarren schnappen und es selbst versuchen.

Angeblich soll das neue Album von Metronomy besser sein als alles, was Joseph Mount bisher veröffentlicht hat. Was macht diese Platte so besonders?

Jeder einzelne Song auf ‚Love Letters‘ besitzt einen voll ausgeprägten Charakter und ist auf den Punkt geschrieben bzw. gebracht. Ich liebe den Vorgänger ‚The English Riviera‘, muss aber zugeben, dass manche Lieder eher Skizzen als fertig entwickelte Ideen sind.

Vor allem der lyrische Fortschritt ist auf ‚Love Letters‘ deutlich hörbar. Woher kommt dieses neue Selbstvertrauen in die eigenen Texte?

Keine Hexerei, sondern nur eine Rückbesinnung darauf, Geschichten mit einfachen und verständlichen Worten zu erzählen. Außerdem hilft folgender Trick: Es gibt keine schlechten Songtexte, denn eine Wertung darüber ist immer persönliche Geschmackssache. Wenn du das verstanden hast, kann dir nichts mehr passieren und die Welt gehört dir.

‚All You Need Is Love‘?

Und Wasser!

Die beste Heilungsmethode für ein gebrochenes Herz?

Hier empfehle ich ausdrücklich jede Menge Alkohol und viele One Night Stands.

Wie hat die Geburt deines ersten Sohns die Aufnahmen und Liedertexte inspiriert bzw. beeinflusst?

In erster Linie war der Geburtstermin gleichzeitig auch Deadline für die Fertigstellung des neuen Albums von Metronomy. Im September 2012 haben wir unsere Tour fertig gespielt, im März 2013 ist der kleine Scheißer auf die Welt gekommen. Also blieben mir ganze sechs Monate, bis sich mein Leben für immer verändern sollte. Demnach war ich während den Aufnahmen damit beschäftigt, so viel Spaß wie nur möglich zu haben. Jetzt bin ich verantwortungsbewusst. Ehrlich!

Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf ‚Love Letters‘?

Gerade feiere ich „The Most Immaculate Haircut“. Aber meine Favoriten ändern sich ständig…

Von wegen ‚The Most Immaculate Haircut‘: Was ist der einwandfreiste Haarschnitt dieser Erde?

Pilzkopf – vorne mit Zöpfen, hinten mit Pferdeschwanz. Ich werde das schon bald an meinem Sohn ausprobieren können. (lacht)

Wie beginnt ein guter Liebesbrief?

Mit dem Geruch von Parfüm und handgeschöpftem Japanpapier!

In modernen Kommunikationszeiten mit Social Media, Smartphones und Co: Warum sollten Menschen heutzutage noch Liebesbriefe schreiben?

Weil diese Art des Schreibens romantisch ist und auch für immer bleiben wird. Soziale Netzwerke dienen der Selbstdarstellung, nicht aber dem zwischenmenschlichen Knistern – zumindest habe ich im Internet noch keine wahre Liebe gefunden. Wenn jemand zu faul ist, für dich einen Stift in die Hand zu nehmen, um damit seine Gedanken auf Papier festzuhalten, ist er oder sie es auch nicht wert.

Ein Großteil eures neuen Albums ist in Paris entstanden, der Stadt der Liebe. Wieso singst du dann nicht auf Französisch?

Mein Akzent ist zum Weglaufen und nicht zum Anhören! Aber ich werde es beim nächsten Mal versuchen.

Eure erste Single ‚I’m Aquarius‘ wurde zusammen mit einer Sternengucker-App veröffentlicht. Was ist so faszinierend an Astronomie?

Astronomie ist die beste Methode, um sich seiner Rolle im Universum bewusst zu werden. Der Grund für unser Dasein liegt irgendwo da draußen in den Sternen. Doch werden wir dieses ‚da draußen‘ niemals erreichen – sehr romantisch und tragisch zugleich. Wir können es sehen, aber nicht berühren! Wie bei einer Peepshow….

Im April kommen Metronomy nach Wien. Auf was freut sich Joseph Mount ganz persönlich?

Auf all die lieben Wienerinnen bzw. Wiener – die sind nämlich freundlicher als ihr Ruf und werden das bei unserer Show auch wieder brav unter Beweis stellen.