Fr, 9. Januar 2015

Melancholie zum Glück

Milky Chance

Mit ihrer allerersten Platte ‚Sadnecessary‘ ist den beiden Nachwuchsmusikern Clemens Rehbein und Philipp Dausch gleich der ganze große Wurf gelungen. Nach sensationellen Charterfolgen im deutschsprachigen Raum, ausverkauften Großkonzerten und gefeierten Festivalshows, geht die Reise 2015 weiter in Richtung Nordamerika bzw. Australien. Davor spielen Milky Chance am 17. Februar im Wiener Gasometer. Frontmann Clemens Rehbein hat VOLUME vorab brandheiße Bandneuigkeiten verraten.

Dank eurem sensationellen Debütalbum „Sadnecessary“ seid ihr fast pausenlos unterwegs – habt ihr bisher überhaupt Zeit gehabt, zu realisieren, welcher Erfolg euch da gelungen ist?

Clemens Rehbein: Teilweise! Jetzt gerade hatten wir zum Beispiel den ganzen November frei, im Dezember waren es nur drei, vier Termine – also kann man da mal zur Ruhe kommen und darüber nachdenken, was man in den letzten Jahren so gemacht und erlebt hat. Aber man hinkt schon hinterher! In meiner Freizeit konzentriere ich mich sowieso lieber auf andere Dinge.

Was waren eure absoluten Highlights bis dato?

Unsere ganze Reise – vom Anfang bis zum Ende. Ich bin sehr froh, dass wir das erleben dürfen. Jedes einzelne Konzert ist ein Highlight für uns und vor allem auch die Festivals, die wir besucht haben – da war wirklich jedes einzelne wunderschön.

Ihr seid gefragte Musiker bzw. Stars: Was ist das Schönste an Interviews?

Keine Ahnung (lacht). Es gibt auf jeden Fall gute Interviews, die lustig sind, die witzige Fragen mit sich bringen. Oft gibt es dann auch ähnliche Fragen, das kann dann schon mal eintönig werden. Interviewt zu werden ist nett. (lacht). Man macht auf jeden Fall manchmal sehr interessante Begegnungen…

Habt ihr auch schon absoluten Schwachsinn über euch gelesen, der gar nicht stimmt?

Unwahrheiten noch nicht. Das Einzige, was mir bisher untergekommen ist, war ein angebliches Interview mit der Bild Zeitung, das ich per Telefon gegeben haben soll – ich habe aber niemals mit denen telefoniert! Die haben zwar nichts Schlimmes geschrieben, aber das ist eben typisch Bild.

Laut euer eigenen Beschreibung zieht sich eine Mischung aus Melancholie und Freude als roter Faden durch euer Album – wie ist es dazu gekommen?

Ein gewisser Hang zur Melancholie war von Beginn an immer in unseren Songs – das ist ganz einfach mein Ding.

Gibt es eine persönliche Definition vom Begriff ‚Sadnecessary‘?

Die Notwendigkeit von Traurigkeit – da gibt es viele Aspekte für mich. Auf der einen Seite in unserem musikalischen Schaffen, sie ist etwas, das ich brauche und musikalisch benutze. Ich glaube aber auch, dass man prinzipiell im Leben Melancholie ‚braucht‘. Ich halte Melancholie für ein schönes Gefühl, das nicht unbedingt traurig sein bedeutet, sondern eher verträumt sein, sich nostalgisch nach etwas sehnen. Wenn man ab und zu traurig ist, kann man das Glück viel mehr wertschätzen.

Schreibst du die Songs immer alleine?

Ja. Ich schreibe unsere Songs und bastle dann schon immer ein bisschen was dazu. Dann lege ich sie Philipp auf den Tisch und dann sagt er ‚geil!‘ (lacht).

Immer?

Ja (lacht). Also bis jetzt schon! Philipp ist ja mein größter Fan sozusagen. Er hat auch das technische Knowhow in Sachen Aufnahme und Produktion.

Gibt’s einen Song auf dem Album, mit dem ihr euch am meisten identifizieren könnt?

Das Album als Gesamtpaket ist etwas, mit dem wir uns identifizieren. Als das Album fertig war, hatten wir schon einen Lieblingstrack, das war für uns ‚Sadnecassary‘ – weil wir beide das erste Mal etwas aufgenommen haben und daraus tatsächlich eine CD gemacht haben. Das war einfach ein großer Schritt für uns, wir waren sehr stolz auf unser Ding. Ansonsten ist das unterschiedlich. Philipp mag ‚Feathery‘ vom Text her am liebsten. Ich habe keinen besonderen Liebling.

Jetzt warten alle Fans und Kritiker gespannt auf ein neues Album. Habt ihr bereits angefangen, daran zu arbeiten? Was kannst du zu diesem Zeitpunkt über den Nachfolger von ‚Sadnecassary‘ sagen?

Es wird auf jeden Fall etwas Neues kommen, aber es dauert noch. Wir lassen uns ein bisschen Zeit. Nächstes Jahr sind wir extrem viel auf Tour, auch in Amerika und Australien – gleichzeitig touren und aufnehmen geht nicht. Deshalb denke ich, dass wir Ende dieses Jahres ins Studio gehen werden, nächsten Herbst oder Winter – im Frühjahr 2016 könnte ein neues Album erscheinen. Ich bin schon gedanklich an der Arbeit, sammle Songs und bin am Schreiben.

Wenn ihr live spielt, holt ihr euch bei manchen Songs punktuell Unterstützung von befreundeten Musikern. Wird aus dem Duo Milky Chance irgendwann eine vollständige Band?

Wir werden in Zukunft zu dritt sein! Das ist eine große Neuigkeit und weiß noch niemand. Bei unseren letzten Konzerten hat immer ein Kumpel von uns Mundharmonika gespielt, der wird ab sofort bei jedem Konzert auf der Bühne sein und auch als zweiter Gitarrist spielen.

Ändert das was für euch persönlich?

Wir haben uns einfach gedacht, dass eine zweite Gitarre einen besseren Sound bringt. Bei unseren Aufnahmen haben wir ja auch immer zwei unterschiedliche Gitarren, die zusammenwirken. Daher bietet sich  an, dass man das live auch macht. Aber wer weiß, vielleicht haben wir ja irgendwann einen Bassisten. (lacht) Aber uns ist es schon sehr wichtig, dass es weiterhin elektronisch bleibt. Wir wollen etwa kein Schlagzeug dazu nehmen oder so. Der elektronische Klang soll bleiben.

Ihr seid Botschafter des Ederhofes – ein Zentrum, in dem sich Kinder vor und nach einer Organtransplantation erholen können. Wie ist es dazu gekommen? Und habt ihr einen Organspendepass?

Über Ecken und Bekanntschaften, wir wurden einfach gefragt, ob wir da mitmachen wollen. Das ist sehr beeindruckend. Philipp hat schon einen Pass fürs Organspenden, ich hole mir jetzt einen, das gehe ich im neuen Jahr endlich an!
 

Wie wird es 2015 mit Lichtdicht Records weitergehen? Neue Künstler, Festivals oder andere Projekte?

Wir haben mittlerweile zwei neue Künstler unter Vertrag – Kafka Tamura und James Hersey. Lichtdicht ist ja kein großes Label, ich habe dabei ja auch nur die Künstlerrolle, arbeite nicht direkt im Label. Aber unser Ziel ist schon, Freunde oder Künstler zu unterstützen.

Euer Konzerttermin für Wien steht ja schon fest, ihr werdet im Februar bei uns spielen – was verbindet ihr persönlich mit Wien?

Bisher waren wir nur für Interviews und Konzerte hier, also nur zum Arbeiten. Mein Eindruck ist, dass die Architektur ziemlich krass ist. Von den Gebäuden her ist das die pompöseste Stadt, die ich bis jetzt kenne. Aber ich war leider auch noch nie feiern hier. Das Nachtleben muss ich mir noch ansehen – wird sich aber bestimmt mal ergeben!

Alles geht sich aus! Bis am 17. Februar in Wien.