Mo, 4. Aug 2008

Interview: Kid Rock

Er ist der amerikanische Vorzeige-Prolo und die Quintessenz all dessen, was der Durchschnitts-Europäer an den „Amis“ nicht mag. Er säuft wie ein Loch, hat Pamela Anderson gepoppt und mit „All Summer Long“ in Österreich gerade seine weltweit erste Nummer 1 vollbracht. Am Nova Rock hat er mit der fraglos besten Show des Wochenendes den Vogel abgeschossen und: sich danach einem VOLUME-Interview gestellt.

Is that shit on, buddy? (er zeigt auf das Aufnahmegerät) Go grab a beer before we talk. That should be man to man, you know.

Danke für’s Bier. Du kennst Gene Simmons (KISS-Bassist, Anm.) ja ganz gut. KISS haben 1973 ihren ersten Gig vor drei Leuten gespielt. Kannst Du dich an deinen ersten Gig erinnern?

Ich kann mich daran erinnern, mal vor drei Leuten gespielt zu haben. Aber das war nicht das erste Konzert. Lass mich nachdenken… Es war in Chattanooga, Tennessee… Stimmt auch nicht. Wenn ich ganz weit zurück denke, hab’ ich die Erinnerung, dass mich meine Eltern ständig in Cowboy-Stiefel gesteckt haben, um bei irgendwelchen Schulparties den Clown zu spielen. Da war ich 5 Jahre alt oder so. Nun weißt du, warum ich bin, wie ich bin. Wir sind doch in Österreich, oder? Nimm deinen Sigmund Freud und erklär mir, warum ein kleiner Clown zum Rockstar wird.

Erklär du mir, ob der Rockstar namens Kid Rock noch weiß, wer seine richtigen Freunde sind. Ich geh’ mal davon aus, dass sich mit der Zeit viele falsche Freunde darunter gesellen.

Meine Heimat ist noch immer Detroit, Michigan, mein Vorort. Die Leute, mit denen ich aufgewachsen bin, sind noch immer die, mit denen ich Basketball spielen gehe. Wenn du den Pulitzer-Preis bekommst, würdest du ja auch nicht deine Buddies aufgeben. Wir spielen noch immer am selben Platz, auf dem wir vor zwanzig Jahren gespielt haben. Mir ist klar, dass ich jeden Tag irgendwo in der Zeitung stehe. Und ich weiß auch, was Bekanntschaften und wer Freunde sind. Ich leb’ mein Leben, versuch’, ehrlich zu sein und meinen Sohn aufzuziehen. Darum geht’s.

Was möchtest du deinem Sohn mitgeben?

Ich versuche ihn zu lehren, seinen eigenen Mann zu stehen. Er soll das tun, was ihm Spaß macht und er gut kann. Das weiß er selbst. Er soll seine eigene Identität finden, sonst wird er ein „son of a rich guy“. Ich will auf jeden Fall verhindern, dass er für den Rest seines Lebens der Sohn von Kid Rock ist. Das willst du als Teenager nicht. Du hast vorher KISS angesprochen. Schau dir Nicholas und Sophie Simmons an. Gene macht das ziemlich gut. Er zeigt ihnen, wie es geht, öffnet aber keine Türen. Alles in allem: Geh immer nett mit Menschen um. Immer.

Dein schlimmstes Erlebnis ever? On tour oder im Leben oder sonstwo?

Ich glaub’, es ist immer noch, anderen Bands zuzusehen. Wie sie Leute rund um sich behandeln. Das Management, Leute, die dir dein Bier bringen. Und vor allem die Roadies. Da kommen Bands daher, die gerade einmal eine Single haben und glauben, auf Tour ihre Roadies von oben herab behandeln zu müssen. Ich hab erlebt, dass junge „one-hit-wonder“ nach einem versauten Konzert ihre Mikrofone nach den Sound-Technikern werfen. An den Kopf. Mit Blut. Das muss nicht sein. Das ist ein Zeichen von mangelndem Respekt. Wenn man mit einem Team auf Tour geht und jede Nacht als Kopf davon vorne steht vor 20.000 Menschen, muss man auch dafür sorgen, dass auch das kleinste Glied in der Kette respektvoll behandelt wird. Wenn jemand im Team Scheiße baut – natürlich gibt’s dann Diskussionen. Man sagt ihm, dass er ein Arschloch ist und alles versaut hat. Am Ende der Nacht trinkt man ein Bier gemeinsam, und am nächsten Morgen ist alles wieder OK. Es gibt niemals einen Grund, einen Menschen respektlos zu behandeln.

 

Deine blödeste Angewohnheit ist…

Ich hab die dumme Angewohnheit, Wagenladungen von Dollars zu scheffeln. Frag mich nicht, wie es passiert. Aber es passiert. Je weniger ich arbeite, desto mehr Dollars werden es. In Sachen Dollars fragst du aber am besten deinen Freund Gene Simmons. Der kennt sich da wirklich aus.

Wie ist Gene Simmons?

Ich hab’ ihn jetzt ein halbes Jahr nicht gesehen. Aber sein Hirn arbeitet komplett anders als wir Menschen es uns vorstellen können. Gene ist ein Philosoph. Du musst dir allein vorstellen, welche Bands für KISS als Opener gespielt haben in all den Jahren! Da sind Generationen vergangen. Bob Seeger, Metallica, Iron Maiden! Die wären ohne KISS, oder besser gesagt, ohne Gene, gar nichts. Paul und Gene sollten heiraten. Der eine ist ein schlechter Musiker und guter Manager, der andere schreibt gute Songs, weil er nichts anderes als Musik liebt und sonst nichts kann. Das perfekte schwule Ehepaar. Wie Mick und Keith oder Paul und John. Perfekt.

Dein Lieblings-Kiss-Song?

Detroit Rock City (Anm.: Kid Rock kommt aus Detroit).

Zu einfach. Nimm einen anderen.

God gave Rock’n’Roll to you. (Wir singen zweistimmig)

Beschreib mir einen romantischen Moment. Bist du ein kitschiger Sonnenuntergangs-Typ? Da gibt’s ja zum Beispiel die eine oder andere Stelle in LA…

I’m back in black and laid down. Also eher nicht. Aber ruf mich an, ich zahl’ dir das Flugticket für den dämlichen Sonnenuntergang in LA, den alle sehen wollen. Der ist nur vor der Baywatch-Kamera schön, glaub mir. Der heute hier in Österreich war auch ziemlich cool.

Gavin Rossdale hat mir gestern erzählt, dass er seine Zähne zehnmal am Tag putzt. Nicht wirklich Rock’n’Roll, oder?

Der hat was Besseres für seinen Mund, das man auch lecken kann. Das war ein Witz, sorry. Gavin ist ein guter Freund von mir. Gwen (Stefani, Anm.) sollte das nicht lesen.

Letzte Frage: Sag mir eine Bar auf dieser Welt, wo man mal ein Bier getrunken haben sollte?

At your mom’s house, kiddo.

Bonusfrage: Ich wollt’ sie ja nicht stellen, aber du kannst mich jetzt gern rauswerfen. Bevor du mit der damaligen Mrs. Pamela Lee zusammen gekommen bist… hast du das Video gesehen?

Wer hat’s nicht gesehen?