So, 10. November 2019
She's gonna shine like gold

She's gonna shine like gold

Ida Kudo im Interview

Seit 2015 bündelt Ida Kudo spielerisch ihre dänischen und japanischen Wurzeln zu wilden, elektronischen Hybriden, die sich der Gleichförmigkeit des Mainstreams gekonnt entziehen, ohne auch nur einen Hauch Pop-Appeal einzubüßen. Nicht zuletzt machte sie damit in Österreich auf sich aufmerksam, als sie für niemand Geringeren als Sting himself auf der Burg Clam eröffnete. Doch wer ist diese aufregende Künstlerin, deren Songs vor einzigartiger Originalität und spannender Metaphern nur so strotzen. Wir haben nachgefragt und müssen vorab gleich einmal festhalten: Ida Kudo ist mehr als ein Geheimtipp!

Ein großer Teil deiner Songtexte beschäftigt sich mit übernatürlichen Kreaturen wie z.B. Dschinns oder Geistern. Glaubst du an das Übernatürliche?

Ich denke darüber eigentlich nicht nach. Ich verwende sie als Metapher für mein Inneres. Manchmal hat man Ideen oder Gedanken, die einen in den Wahnsinn treiben können … ich finde es dann poetisch diese Art von Kreaturen dafür zu verwenden. Als ich noch ein kleines Mädchen war, habe ich oft Miyazaki Filme geschaut. Viele der Charaktere darin sind übernatürlich und dieses Universum fand ich immer besonders aufregend.

Originalität und Mystik spielen eine große Rolle in deinen Songs. Wie stehst du dann zum klassischen Mainstream-Pop unserer Zeit?

Es gibt so viele unterschiedliche Arten Musik zu verstehen. Es ist wie mit Menschen … da gibt es auch unterschiedliche Wege mit ihnen Zeit zu verbringen. Manchmal will man einfach nur ausgehen und Spaß haben, über nichts nachdenken, tanzen, lachen und einander nie wieder sehen, vielleicht nicht einmal ein Wort wechseln. Es ist oberflächlich, aber es macht Spaß. Doch manchmal braucht man auch enge Beziehungen mit jemandem, der einen akzeptiert und dem man sein Herz ausschütten kann. Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Für mich geht es bei meiner Musik um die tiefe Bedeutung. Daher bekomme ich meine Energie und Motivation.

Gibt es vielleicht dennoch einen typischen Popstar, dessen Songs du absolut liebst?

Ja, ich gehe immer wieder zu derselben zurück: Es ist immer Björk!

Wenn du von Energie und Motivation sprichst … inwiefern formen die Musik und ihre tiefere Bedeutung vielleicht auch deine Identität grundsätzlich?

Das ist sehr schwer zu beantworten, wenn man mittendrin ist. Wenn man es ständig tut, dann ist es einfach ein Teil von dir als Person. Erst wenn es weg ist, fehlt ein Teil. Für mich ist es wichtig, dass es immer einen Teil meines Lebens gibt, der unentdeckt ist. Ein Abenteuer, in dem ich mich kreativ ausleben kann. Es ist wichtig, nicht zu wissen, was die Zukunft bringt. Für mich ist der Weg zum Glück nicht, Kinder oder ein Haus zu haben, sondern einen Raum, wo ich mich weiterentwickeln und kreativ entfalten kann.

„Musik zu machen und zu schreiben ist wie eine Langzeit-Beziehung. Es gibt Ups and Downs.“ Was waren bisher in deiner Laufbahn die größten Ups und die tiefsten Downs?

Das Beste sind meistens die Konzerte … die Momente, in denen ich mich zu 100% gehen lassen kann und nichts fürchte. Das ist nicht bei jedem Konzert gleich, aber manchmal habe ich diese Erfahrung, wo mich einfach so viel Energie durchströmt. Das Schwierigste ist, wenn man an einen kreativen Breaking Point kommt – denn das kann man nicht kontrollieren. Man kann die richtige Energie, Kreativität oder Inspiration nicht erzwingen. Das macht mir wirklich Angst, denn wen du wirklich damit arbeitest, dann bist du auch davon abhängig. Manchmal ist die Inspiration einfach nicht da und man muss sich erst auf etwas anderes konzentrieren. Es kommt und geht, aber es macht mir Angst.

Was ist deine größte Angst?

Stillstand. Wenn man sich einen kleinen See vorstellt, in den kein Strom hinein oder hinaus fließt und das Wasser dort verrottet – sich nicht zu entwicklen und stillzustehen. Da würde ich mich bedeutungslos fühlen.

(c) Anna Maria Kabana

Und wie vereinst du die skandinavische und die japanische Seite deiner Identität in deinen Songs?

Wahrscheinlich gibt es viele japanische Einflüsse, derer ich mir gar nicht bewusst bin. Wie beispielsweise die mystischen Themen – die sind definitiv japanisch. Das Bedürfnis, etwas Originelles zu machen, ist wahrscheinlich skandinavisch. Da wächst man damit auf, dass man individuell und sich selbst treu bleiben soll. Viele meiner Songs handeln tatsächlich von zwei verschiedenen Seiten … wie z.B. „Killer“ mit Licht und Dunkelheit. Also gibt es wohl doch einen kulturellen Split.

In Österreich hast du kürzlich Sting bei zwei Konzerten supported. Was konntest du von ihm lernen?

Als ich die Neuigkeiten bekam, war ich einfach nur dankbar. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo es für mich wichtig ist, mich daran zu erinnern, um was es bei Musik wirklich geht. Es gibt viel Musik, die sehr oberflächlich ist. Das kann man mögen, aber für mich persönlich braucht es eine tiefere Bedeutung dahinter. Deshalb war es eine Ehre für mich, dass ich für Sting eröffnen durfte. Es hat sich angefühlt, als wäre ein Mentor in meiner Nähe, der mich daran erinnert hat, was wichtig ist für mich.

Du vereinst in deinen Songs sehr viele verschiedene Stile. Welche Musik hörst du privat am liebsten?

Ich neige dazu, dass ich von manchen Sachen einfach plötzlich besessen bin und dann immer dasselbe höre. Das ist auch oft nur ein Song. Momentan ist das Contemporary-Alternative-Soul – speziell „All Of Us“ von Labrinth. Der Song wurde in der HBO-Serie „Euphoria“ gefeatured und als ich ihn gehört habe, habe ich mich sofort verliebt. Seither kann ich nicht mehr aufhören, ihn anzuhören. Davor war es „Take Me To Your River“ von Leon Bridges. Das Genre ändert sich immer. Meistens sind es spezifische Phasen in meinem Leben, die zu einem spezifischen Genre passen.

Danke fürs Gespräch. Wir freuen uns darauf, mehr von dir zu hören!