Mo, 3. Juni 2013

Herzdruck statt Knopfdruck

Sportfreunde Stiller im Interview

Nach vier Jahren Auszeit vom Karrierehöhepunkt ‚MTV Unplugged in New York‘ melden sich die drei Sportfreunde Stiller wieder zurück – mit elektrisierenden Songs, erfrischenden Texten und einem solidarischen ‚Kotz-Veto‘. VOLUME hat Peter, Rüde und Flo getroffen, um gemeinsam das neue Studioalbum, Schreibblockaden oder Liebeslieder zu untersuchen. Fazit: Von der Bandbeziehung bis zum Herzdruck ist alles intakt – ein ehrliches ‚Applaus, Applaus‘!

Euer neues Album heißt ‚New York, Rio, Rosenheim‘. Was verbinden die Sportfreunde Stiller mit diesen drei Orten?

Flo: Peter hat Verwandte in New York City, Rüde in Rio und ich in Rosenheim. Geografisch gesehen spannt das neue Album einen Bogen vom Vorgänger ‚MTV Unplugged in New York‘ über Rio bis zu unseren Wurzeln in Deutschland.

Die Zukunft der Sportfreunde Stiller war lange Zeit ungewiss. Wo liegt das Geheimnis einer funktionierenden Bandbeziehung?

Peter: Im gegenseitigen Austausch und dem Bewusstsein, Entscheidungen gemeinsam zu fällen. Das ist nicht immer einfach, weil es immer zu unterschiedlichen Meinungen kommen kann – vor allem, wenn es um so etwas Persönliches wie Musik geht. Für solche Sonderfälle gibt es bei den Sportfreunden immer noch ein ‚Kotz-Veto‘: Sprich, lieber auf etwas verzichten, als dass einem Bandmitglied das Essen hochkommt. Die letzten 17 Jahre hat das einwandfrei funktioniert!

Auf der Platte geht es auch bzw. besonders um die Liebe. Könnt ihr solche Songs auf Kommando schreiben, oder müsst ihr so etwas immer erlebt haben.

Rüde: Nein, für Lieder wie ‚Applaus, Applaus!‘ gibt es kein Baukastensystem. Solche Songs kommen aus dem Inneren heraus, reflektieren echte Erfahrungen. Liebe ist das wichtigste Gefühl auf der Welt und ich hoffe, dass wir immer authentische Songs darüber schreiben werden – aus Herzdruck statt auf Knopfdruck.

Von wegen Knopfdruck: ‚Wieder kein Hit‘ beschäftigt sich mit Schreibblockaden. Habt ihr Angst vor so einem lähmenden Zustand?

Flo: Ganz im Gegenteil: ‚Wieder kein Hit‘ ist ein Appell, seine selbst auferlegten Pflichten und vermeintlichen Erfolgserwartungen außer Acht zu lassen, um wieder kreativ werden zu können. Darum hat sich jeder Sportfreund während der Bandpause von komplett neuen Dingen inspirieren lassen. Darum habe ich keine Angst, noch ist uns immer etwas eingefallen!

Rüde: Wirtschaftlicher Erfolgsdruck bleibt meiner Meinung nach ständiger Begleiter von Musikern – egal, wie groß oder klein sein bzw. ihr Bekanntheitsgrad ist. Natürlich ist es in einem Bandgefüge einfacher, ein freier Künstler hat es sicher schwerer.

Von welchem Musiker bzw. von welcher Band hättet ihr gerne eine Hymne auf die Sportfreunde Stiller?

Rüde: Da gibt jeder von uns eine andere Antwort. Ich persönlich würde eine Hymne von den Ramones bevorzugen.

Peter: Meine Auswahl fällt auf R.E.M. Wir durften die Herrschaften schon backstage treffen, wo sich Michael Stipe und Co als Fans unserer Musik entpuppt haben. Das passt also gut zusammen…

Flo: Beastie Boys. Selbst, wenn die Hymne nur noch zwei Drittel der Band schreiben können – Ruhe in Frieden, Adam Yauch!

Gerüchten zufolge gehört Bayern in Wahrheit zu Österreich. Wie sehen das die Sportfreunde Stiller?

Rüde: Ein plausibles Gerücht, denn topografisch ähneln sich unser schönes Bayern und euer bezauberndes Österreich sehr – auch vom Menschenschlag her.

Peter: Wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich so gerne und so oft in der Alpenrepublik bin. Den Anschluss möchte ich trotzdem nicht, schon alleine aus fußballerischer Sicht. (lacht)

Dann halt nicht! In Hinblick auf das Nova Rock 2013: Wie viel Rammstein steckt in Sportfreunde Stiller?

Flo: Vielleicht geht unser neues Lied ‚Es muss etwas Wunderbares sein‘ in Rammsteinrichtung, weil ich es singe und es tiefer klingt. Wir kokettieren bei dem Song mit einem narzisstischen Charakter, haben aber sonst keinen Drang, uns mit den Berliner Kollegen zu vergleichen bzw. zu messen.

Peter: Beim Nova Rock sind wir auf alle Fälle wieder im Publikum – hoffentlich müssen wir uns dieses Mal weniger erschrecken, wenn das Feuerwerk hoch geht! (lacht)

Jawohl, auf ein lautes Wiedersehen und Wiederhören in Nickelsdorf!