Fr, 10. Oktober 2014

Hautfarbe Blau

The Enigma im Interview

Ist das noch Körperkunst oder schon Wahnsinn? Paul Lawrence alias The Enigma (Das Rätsel) liebt es extrem: Er ist am ganzen Körper mit Puzzleteilen voll tätowiert, hat Augenimplantate, Hörner auf der Stirn und angespitzte Zähne. Im November ist er Stargast bei der Wildstyle & Tattoo Messe in Linz, St. Pölten und Graz. VOLUME durfte den Körperkünstler fragen, wie weit er gehen würde und erfahren, dass es für den Amerikaner weder Grenzen noch Limits gibt. Auch kulinarisch. Würmer und Grasshüpfer essen? Kein Problem! Schnitzel? Pfui!

Dein früherer Name war ‚Paul Lawrence‘ – seit wann bist du The Enigma?

Das war im Jänner 1993, als ich mein letztes Tattoo gestochen bekam und sozusagen komplett war.

Kann man von Körperkunst besessen oder süchtig werden?

Keine Ahnung, ich jedenfalls bin es nicht.

Gibt es etwas an deinem Körper, das du für immer unverändert lassen willst?

Meine Show ist deswegen so einzigartig, weil es eine einzige Regel gibt – meine eigene Ideologie: Alles an meinem Körper kann durch Körperkunst verändert werden. Also nein, es gibt nichts, dass ich nicht zumindest versuchen würde.

Auch wenn es wehtut?

Ich muss zugeben, dass es nicht gerade angenehm ist, wenn jemand deine Augäpfel tätowiert.

Was siehst du, wenn du in den Spiegel blickst? Erinnerst du dich noch an dein altes Ich?

Ich denke nie daran, wie ich früher ausgesehen habe! Wenn ich in den Spiegel schaue, putze ich für gewöhnlich meine Zähne.

‚Was für ein Freak!“ – wie reagierst du, wenn dich Leute so unverschämt ansprechen?

Ich werde nie so genannt. Die Leute, die mich treffen, sind so überwältigt, dass sie meist kein Wort herausbekommen.

Als was verkleidest du dich zu Halloween?

Muss ich das überhaupt? Ich bin an Halloween immer komplett ausgebucht. Sagen wir so – über das passende Kostüm habe ich mir noch nie Sorgen gemacht.

Was fällt dir ein, wenn du an die Farbe ‚Blau‘ denkst?

‚Blau‘ ist die bessere, schönere Hautfarbe.

Was war dein erstes Tattoo und wann hast du es dir stechen lassen?

Mein allererstes Motiv war ein Strichmännchen, das ich in der High School während des Unterrichts auf ein Blatt Papier gekritzelt habe und mir dann auf den Arm tätowieren ließ.

Du hast unter anderem in einer Dokumentation namens ‚Freaky Circus Guy‘ mitgespielt – fühlt man sich in solchen Situationen nicht manchmal ‚unmenschlich‘?

Ich habe mich wohl eher verkauft gefühlt, denn das ist immer der Sinn hinter solchen Shows. Für mich war das nichts weiter als ein Job. In diesem Fall fand ich das Resultat richtig mies.

Für viel Aufmerksamkeit hat auch das Billy Talent Video zu ‚Fallen Leaves‘ gesorgt, in dem du einen Gastauftritt hattest – was hörst du privat für Musik?

‚Fallen Leaves‘ war eine weitaus bessere Produktion als ‚Freaky Circus Guy‘, der Regisseur dahinter heißt Dean Karr. Vielleicht bin ich ja generell sehr audiovisuell veranlagt, denn meine Lieblingsmusik stammt fast immer aus meinen Lieblingsfilmen.

Mehr als 200 Künstler haben an deinem Körperprojekt ‚mitgestochen‘ – wer war der Beste?

Wenn man genau nachzählt, waren es sogar 250 Künstler – jeder wollte Teil des ‚Enigmas‘ werden und sich verewigen. Ich kann schwer sagen, wer am talentiertesten, kreativsten oder mutigsten war, weil es ja ein großes Gesamtmotiv – das Puzzle – gab. Jeder hat einen blauen ‚Klecks‘ in Briefmarkengröße hinzugefügt.

Würdest du deinen Kindern ein Tattoo erlauben, wenn sie alt genug sind?

Wenn jemand alt genug ist, sollte er das auch für sich entscheiden dürfen. Leichtsinnig sollte man in jungen Jahren aber auf keinen Fall sein, weil sich das Tattoo im Laufe der Zeit verzerrt und man sich fragen muss, ob man das auch noch im Alter so haben will. Kein Problem für mich, mir ist wichtiger, dass ich im Alter fit bin und keine Krankheiten habe.

In einer deiner Shows, dem Jim Rose Circus, wirst du als der Mann angekündigt ‚der alles isst‘ – sogar Würmer und Grashüpfer. Was würdest du nie im Leben probieren?

Ich hasse Auberginen! Grashüpfer esse ich am allerliebsten in Schokosoße.

Wie schaut es mit Schnitzel aus?

Danke, nein! In den U.S.A. weiß man nie, woher das Fleisch kommt, das man in der Pfanne brät – deswegen esse ich nur Meerestiere!

Dann solltest du es bei deinen Gastspielen in Österreich noch einmal mit einem köstlichen Schnitzel versuchen – bis bald bei der Wildstyle & Tattoo Messe!