"Es ist uns eher darum gegangen, eine positive Peitsche zu schwingen."
FEDER im Interview
Was FEDER machen, wenn sie von einer Biene gestochen werden? Radikale Empathie zeigen. Und das passiert gleichzeitig auf nachdenklich-behutsame wie auch wuchtig-dreckige Weise. Die drei Grazer haben mit ihrem ersten Album eingehend über die Welt reflektiert und ihre Ansprüche an den Umgang damit – und sich selbst – mit ehrlicher emotionaler Heftigkeit vertont. Ganz der Selbstbezeichnung düster-Deutschpunk entsprechend. Das Ergebnis fährt musikalisch anständig rein und ist lyrisch tröstlicher, gar hoffnungsvoller, als sich viele vielleicht im ersten Moment denken mögen.
Im VOLUME-Gespräch sprechen Rensch und Vik über das Erbe des eigenen Aufwachsens, das Ausbrechen aus Mustern, das Weiterträumen und die Frage, ob wir in einer spaltenden Welt manchmal die Ruhe bewahren müssen. Wie bei einem Bienenstich halt.

Das Ding ist da: Radikale Empathie, Gratulation zum Release! Wie fühlt sich der Tag für euch an?
Vik: Für mich hat das extrem viel mit Loslassen zu tun. Solange eine Platte noch im Studio liegt, geistert gedanklich permanent herum: „Könnte man hier noch was verändern? Müssen wir da bei der Intonation noch nachschärfen?“ Das kann dich wahnsinnig machen. Aber ab dem Releasetag gehört das Album schlichtweg nicht mehr uns, sondern der Welt. Die Kontrolle ist weg und wir können endlich durchatmen.
Rensch: Wir haben uns extrem viel Zeit für die Pre-Production genommen und alles monatelang durchgehört, um den Songs Luft zu geben.
Vik: So konnten wir all die kleinen Details, die im Vorfeld Bauchweh bereitet hatten, in Ruhe ausbügeln. Wenn dieser Moment des Loslassens dann da ist, fällt es einem deutlich leichter.
Ihr habt mir erzählt von zwischen Tür und Angel entstandenen Riffs, spontanen Textfetzen beim Nachhausegehen: Das ganze Album wirkt sehr… unverkopft. Wie lief euer Entstehungsprozess ab?
Vik: Das Ganze hat sich eigentlich in zwei Blöcke geteilt. Ein halbes Dutzend Songs hat schon länger existiert und die andere Hälfte der Platte ist komplett in einer dreiwöchigen Session entstanden.
Rensch: Wir schreiben immer gemeinsam im Proberaum, also da schickt sich niemand von daheim Ideen hin und her. Dass ich viel Freestyle-Erfahrung hab, hilft mir beim Texten auch extrem, um in den Flow zu kommen. Wir machen dann immer mit dem Handy Demoaufnahmen mit dem Voice Recorder und beim Heimgehen habe ich so ein Ritual, wo ich nochmal durchhöre, was wir heute gemacht haben. Und oft habe ich dann im Gehen schon die ersten Textfetzen geschrieben.
Vik: Und auch instrumental eigentlich. Ich habe so das Gefühl, wir haben keine einzige Nummer, an die wir komplett verkopft herangegangen wären. In einer Dreierkonstellation hast du außerdem den Vorteil, dass es keine Grüppchenbildung gibt. Bei vier Leuten finden oft zwei die eine Hälfte gut und zwei die andere. Bei uns ist immer einer überstimmt haha, aber wir sind über die Jahre extrem gut darin geworden, Kompromisse zu finden.
Gleich am Anfang der Platte fällt das Wort „Utopie“. In einer Zeit voller Krisen und Apathie wirkt das fast wie ein radikaler Befreiungsschlag. Was bedeutet Utopie für euch?
Rensch: Das mit der „Welt, die es noch nicht gibt“, der großen Sehnsucht danach, ist ein bisschen eine Hommagezeile an „Berlin 2.0“ aus dem Song „Sirenen“, wo gesagt wird: „eine Welt, die es noch nicht gibt, will ich gewinnen“. Es nimmt ein bisschen Bezug darauf. Ich habe diesen Satz so hoffnungsvoll gefunden und wollte das Gefühl beim Textschreiben noch einmal einfangen. Mir war wichtig, dieses Gefühl mitzunehmen, weil es momentan einfach extrem viel Kritik gibt, die man an der Scheißheit der Welt haben kann. Was die Utopie angeht: Ich persönlich würde mir gar nicht anmaßen, das definieren zu wollen, weil es sehr komplex ist. Mir ist es beim Textschreiben zu diesem Song mit dem Instrumental darunter eher darum gegangen, eine positive Peitsche zu schwingen. Einfach so ein empowernder Song.
Ich glaube, die Utopie ist, dass wir die Utopie gemeinsam definieren müssen, als Kollektiv. Ein Punkt dabei könnte sein, dass man mal herauskommt aus dem reinen Oppositionieren von der ganzen neofaschistischen Scheiße. Es ist natürlich wichtig, dass man das eindämmt und sich da positioniert. Aber irgendwo darf man auf der Strecke nicht lassen, dass man selbst visioniert, einen Impuls gibt und das ist halt irgendwie subsumiert im Wort Utopie. Ich will es aber bewusst nicht weiter definieren, weil ich glaube, das muss ein Kollektiv machen.
Das Zusammenhaltsding ist sehr tröstlich. Man hat immer so ein gemeinsames Ziel, auch wenn es nicht komplett klar ist, weil wer weiß schon genau, wie es wirklich sein könnte, wenn alles gut ist, oder?
Vik: Ich glaube, da steckt auch der Gedanke drin, dass wahrscheinlich die meisten Menschen schon ein Bewusstsein dafür haben, dass die Welt eigentlich ein besserer Ort sein könnte. Wie dieser bessere Ort ausschaut, ist für ganz viele Menschen sehr individuell. Aber was alle gemeinsam haben, ist dieses Klarsein: Es könnte schon ein anderer sein. Mein Papa hat früher oft zu mir gesagt: „Das ist ja utopisch!“ Das war so dieses Belächeln: „Du träumst ja noch von einer heilen Welt.“
Rensch: Genau, dieses Belächeln nach dem Motto: „Du Träumer, du hast ja noch keine Ahnung, du weißt ja noch nicht, wie es läuft.“ Es ist fast zynisch, dass das Wort so verwendet wird. Wo eigentlich widergespiegelt wird: Es muss immer scheiße bleiben, weil mir geht’s scheiße und das ist jetzt auch scheiße.
Vik: Trotzdem steckt da ja das Bewusstsein drin: Es könnte schon anders sein, wenn halt das oder das oder das passieren würde. Das hat das Thema für mich eingefangen: Dass wir schon noch weiter da hin träumen.
Der Albumtitel „Radikale Empathie“, ist das euer Ansatz?
Vik: Ich habe mir da irgendwie so den Gedankengang gehabt: Das ist ja tatsächlich so, wenn die Biene sticht und ihr Stachel reißt ab, dann stirbt sie. Wenn du aber absolut ruhig bleibst, die Schmerzen aushältst und dich nicht bewegst, kann sie sich selbst befreien und weiterleben. Und ich habe irgendwann mal so fast zum Spaß gesagt: „Naja, du brauchst schon eine radikale Empathie, dass du dich stillhältst, wenn dir eigentlich gerade viel wehtan wird, in dem Wissen, dass halt die Biene dann weiterleben kann.“
Und wenn man es weiterdenkt: Die Bienen sind halt essenziell für uns. In dem Sinn, dass wenn Bienen aussterben, sterben Menschen aus. Aus dem Gedanken heraus haben wir da immer weiter drüber nachgedacht und das hat sich dann eigentlich bis zu dem Titel und dem Cover erstreckt. Dass man auch wieder bei der Welt oder bei den Zuständen, die vorherrschen im Moment, in vielerlei Hinsicht schon radikale Empathie braucht.
Im Song beschreibt ihr die Begegnung mit einem alten Freund aus Jugendtagen, der völlig in die profaschistische Ecke abgerutscht ist?
Rensch: Yep, das war ein schockierender Moment. Im Song geht’s eben um ein zufälliges Treffen mit einem alten Freund, das um die acht Minuten gedauert hat. Es hat mich schockiert, weil er – früher selbst in einer Punkband – auf einmal profaschistische Sachen gesagt hat. Er hat massiv Scheiße geredet, das muss man nicht schönreden. Aber ich finde die Frage spannend, wie faschistische Strömungen die Wunden von Menschen instrumentalisieren und die dabei entstehende reflexartige Angst als Werkzeug genutzt wird.
Es geht also um das Verstehen der Mechanik dahinter?
Rensch: Genau. Radikale Empathie heißt für mich in dem Belang absolut nicht zu sagen: „Deine Meinung ist okay.“ Das ist kompletter Bullshit, Faschismus hat nichts Gutes. Aber die Perspektive ist spannend: Wo kommt das her, dass sich das bei jemandem, der früher diametral anders gedacht hat, auf einmal so verfangen kann? Ich habe da die idealistische Theorie: Wenn wir unsere seelischen Wunden kennenlernen und aufarbeiten, werden wir vielleicht ein Stück weit immun dagegen, dass diese Wunden politisch instrumentalisiert werden können und folgend Reflexe provozieren, die die Leute dann ausagieren.
Ein Freund findet es ganz gut, Menschen, die jetzt FPÖ wählen, nicht direkt zu sagen: „Du bist rechtsextrem“, sondern: „Du unterstützt Rechtsextreme.“ Weil die meisten Leute, und da sind wir wieder bei der Basis, dass die Angst und die Kränkung instrumentalisiert wird, sehen sich selbst ja nicht als Rechtsextreme, aber sie unterstützen Rechtsextreme. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Ich habe zu ihm gesagt: Danke für die feine Klinge, weil das echt ein anderer Blickwinkel ist. Der Outcome bleibt derselbe, nämlich dass es scheiße ist, diese Denke überhaupt zu unterstützen. Aber ich glaube, es macht einen Unterschied in der Ansprache. Ich rede da jetzt natürlich nicht von irgendwelchen Hardlinern, die wirklich rechtsextrem oder Faschisten sind. Das will ich klar differenzieren.
Ein Freund findet es ganz gut, Menschen, die jetzt FPÖ wählen, nicht direkt zu sagen: „Du bist rechtsextrem“, sondern: „Du unterstützt Rechtsextreme.“ Weil die meisten Leute, und da sind wir wieder bei der Basis, dass die Angst und die Kränkung instrumentalisiert wird, sehen sich selbst ja nicht als Rechtsextreme, aber sie unterstützen Rechtsextreme. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Rensch: Aber wenn man direkt die Nazikeule auspackt, provoziert das nur den Reflex in der anderen Person, die halt nachher ganz kindlich-trotzig reagiert. Dann geht es überhaupt nicht mehr um das eigentliche Thema, sondern die Leute fühlen sich gekränkt und meinen, die rechtsextreme Partei wie ein Familienmitglied verteidigen zu müssen, an welchem man keine Kritik üben darf wie an einer autoritären Vaterfigur. Die Leute werden dann in ihre seelische Wunde und folgend eine persönliche emotionale Ebene gezogen und sind rational nicht mehr erreichbar.
Was würdet ihr euren 20-jährigen Ichs heute sagen?
Rensch: Verkopf nicht alles so, es ist schon okay, du machst das.
Vik: Boah, schwierig. Ich würde wahrscheinlich sagen: Geh einfach kompromissloser mehr dorthin, wo du eigentlich hin willst. Bei mir war das damals so Anfang 20, nach Matura und Zivildienst. Ich war an einem Scheideweg. Ich war damals schon so ein bisschen in der Musik verhaftet, auch was Tontechnik anbelangt. Das hat mir taugt und ich hatte da schon etwas Erfahrung, also hab ich mir überlegt: Soll ich in die Richtung weitergehen, auch beruflich? Ich habe das eigentlich immer als Hobby betrieben. Und habe mir dann gedacht: Ich mache lieber was Sichereres, ich gehe in den Sozialbereich. Der Grund, wieso ich nicht mehr im Sozialbereich bin, sind massive Kürzungen in dem Bereich und dadurch habe ich meinen Job wiederholt aus finanziellen Gründen verloren. Momentan habe ich nicht mehr das Gefühl habe dass es unter den jetzigen Umständen möglich ist dieses System gut zu tragen und darin zu arbeiten. Seit 2023 bin ich auch selbstständig mit dem Tonstudio. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich meinem 20-jährigen Ich sagen: Geh gleich in die Richtung, wo du jetzt über 15 Jahre Umweg anscheinend eh wieder landest.
Im Song „Rost“ geht es um Grind und Hustle-Culture. Was sagt ihr zu Lifestyles wie „Rise and Grind“?
Rensch: Aufstehen und gleich früh schöpfen, losgrinden! F*ck den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“, den man sich ausgedacht hat, weil vier ei-Reime drin sind und weil er deswegen mehr knallt. Jeder Mensch sollte 25 Stunden bei vollem Lohnausgleich arbeiten. Mehr nicht. Glaub nicht, du musst immer funktionieren, sondern schau ein bisschen auf dich.
Wir müssen noch so viel und so lange arbeiten. Wer sagt, wir dürfen nur fünf Wochen im Jahr frei sein? Ich mag meinen Job sehr gern, so ist es nicht. Ich arbeite auch Teilzeit, und niemand sollte sich rechtfertigen müssen das zu tun. Egal ob Betreuungspflicht oder nicht, da lass ich mir nichts erzählen.
Wenn junge Leute aus der Gen Z oder Alpha in so einer Untätigkeit oder Apathie feststecken und das Gefühl haben, sie kommen da nicht raus: Was würdet ihr ihnen raten?
Vik: Man hört ja oft: „Wenn du ein Problem hast, hol dir Hilfe bei erfahrenen, Leuten.“ Meist älteren Leuten. Ich weiß gar nicht, ob das immer der beste Weg ist. Bei der Generation, die jetzt nachkommt, wird es schlicht nicht mehr möglich sein, arbeiten zu gehen und dass eine Person allein eine Familie ernähren kann. Das geht im System nicht mehr. Oder arbeiten zu gehen und sich ein Haus zu kaufen – ohne Erbe hast du keine Chance. Ist so.
Was bringt es jetzt also, wenn ein junger Mensch zu jemandem geht, in dessen Generation das halt einfach möglich war, und fragt: „Wie soll ich da rauskommen?“ Und die Antwort ist: „Du musst dich halt mehr anstrengen, wir haben es ja auch geschafft.“ Das bringt einfach nichts. Das ist keine Böswilligkeit, da prallen zwei unterschiedliche Lebensrealitäten aufeinander. Meine Empfehlung ist: Schaut in der eigenen Generation. Schaut, wo es Communities gibt und Leute, denen es auch so geht, um sich auszutauschen: „Ich bin nicht allein mit dem Problem.“ Und wo es kreative Lösungen gibt, die sich irgendwer überlegt hat. Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es natürlich professionelle Beratungsstellen für psychische oder finanzielle Themen.
Meine Empfehlung ist: Schaut in der eigenen Generation. Schaut, wo es Communities gibt und Leute, denen es auch so geht, um sich auszutauschen: „Ich bin nicht allein mit dem Problem.“
Rensch: Ich möchte das reißerisch ergänzen: Wenn sie sich bei älteren Personen Rat holen, welche das Leistungsprinzip im Zentrum ihres Lebens stehen haben, reproduziert sich da nachher wieder nur der angesprochene „Ernst des Lebens“. Und dann heißt es wieder, die Welt muss so ticken, wie sich das die Leute vor 50 Jahren ausgedacht haben, also mit dem Kapitalismus im Zentrum. Das Beste ist, einfach solidarische Strukturen aufzubauen, wo wir alle Platz haben, weil die Welt gehört uns. Weiter frech sein und sich dem System nicht mehr so anbiedern, wie man das früher als Mitte-30-Jährige*r vielleicht noch gemacht hat, weil es hieß: „Der Ernst des Lebens kommt, du musst im Spiel mitspielen.“ Scheiß auf das, die Welt kann anders sein!
Vik: Ich habe irgendwo mal gelesen: „Alle haben gesagt, es geht nicht, bis ein Mensch gekommen ist, der das nicht gewusst hat, und es einfach gemacht hat.“ Das ist für mich das Prinzip. Egal wo wirklich coole Sachen entstehen: Wie viele Leute haben der Person vorher gesagt: „Das geht nicht, so macht man das nicht!“ Sie sind dorthin gekommen, weil sie drauf geschissen haben und die Neugierde bewahrt haben. Lass dir einfach nicht einreden, dass es nicht geht, nur weil alle anderen es nicht geschafft haben.
Im Song „kein klares Wasser“ geht es um Emotionen und den eigenen Umgang damit. Ein bekannter Spruch lautet ja: „Wenn man Gefühle unterdrückt, gehen sie im Keller trainieren.“ Wie habt ihr, als männlich sozialisierte Wesen, einen Zugang zu euren Emotionen gefunden?
Rensch: Andockend an dem Spruch mit dem Keller sind unterdrückte Gefühle bildlich formuliert vielleicht ein bisschen wie ein Pickel. Man versucht die Gefühle weiter zu verdrängen und der Pickel platzt nach innen. Dann geht die Entzündung durch die alten Höhlenkanäle nach innen. Der Schmerz muss größer werden, damit das Gefühl gesehen wird. Vorher hat man ja weggeschaut.. Bisschen grausig, aber greifbar. Wie ich den Zugang gefunden habe? Es ist nicht anders gegangen. Also: jahrelange Therapie.
Vik: Ich will gar nicht sagen, dass ich schon in jeder Hinsicht einen super guten Umgang gefunden habe. Ich war auch lange in Therapie, aber ich habe zumindest ein Bewusstsein dafür entwickelt, was meine Themen sind. Ich tue mir ironischerweise total schwer, Zugang zu meinen Gefühlen zu kriegen, vor allem wenn es um Angst oder Wut geht. Ich höre von meiner Umwelt oft: „Du bist immer so ruhig und gefasst.“ In ultrastressigen Situationen funktioniere ich, aber innerlich schaut es ganz anders aus. Es gab Situationen, da wollte ich einfach explodieren, aber es ging nicht.
Rensch: Schon das Bewusstsein zu haben, dass das eigentlich nicht normal ist und man daran arbeiten sollte, hilft weiter. Das Gefühl einfach mal aushalten und fühlen, ohne dass direkt ein Coping-Mechanismus greift, wie sich ansaufen zu gehen oder Scheiß mit den Hawaran zu machen.
Wenn man näher zum Gefühl und zum Grund kommt, löst es sich vielleicht ein Stück weit auf. Dann ist zwar nicht alles super nice, aber vielleicht ein Stück weit leichter, weil man die Dynamiken nicht ständig reinszenieren und ausleben muss.

Musikalisch haut das Album anständig rein. Wie habt ihr diesen Sound im Studio umgesetzt?
Vik: Mir im Speziellen, aus meiner Zusatzrolle heraus, da ich das Album auch aufgenommen habe, war extrem wichtig: Ich möchte die Musik so einfangen, wie sie von der Band kommt. Also faktisch so unverfälscht wie möglich. Ich bin absolut kein Freund davon, Gesang zu bearbeiten oder ein Schlagzeug zu zerschneiden und die Schläge perfekt auf ein Raster zu setzen. Es soll ehrlich bleiben. Wir haben auch alles komplett gemeinsam eingespielt, weil wir komplett ohne Klick-Track spielen. Es gibt keine feste Time, sondern wir spielen gemeinsam und das ist das Abbild davon. Das resultiert dann darin, dass Nummern am Ende vielleicht fast ein Drittel schneller sind als am Anfang – was man aber beim Durchhören nicht mitkriegt, weil die Energie einfach natürlich kommt. Bis auf ein, zwei kleine Gitarren-Lines ist alles auf der Platte exakt so, wie wir es spielen. Alle Effekte, die man hört, mache ich beim Aufnehmen genau so, wie ich live mit meinem Kastl dastehe. Es ist ein 1:1-Abbild von dem, was live passiert.
Ich bin absolut kein Freund davon, Gesang zu bearbeiten oder ein Schlagzeug zu zerschneiden und die Schläge perfekt auf ein Raster zu setzen. Es soll ehrlich bleiben. Wir haben auch alles komplett gemeinsam eingespielt, weil wir komplett ohne Klick-Track spielen.
Zum Abschluss und apropos live: Wann und wo kann man euch demnächst live erleben?
Rensch: Wir planen aktuell unser Release-Wochenende: am 11. September im Music House in Graz, am 12. September im Cafe Carina in Wien. Danach geht es direkt weiter nach Deutschland und in die Schweiz, unter anderem mit Shows in Donaueschingen und St. Gallen. Es wird in diesem Jahr definitiv noch einiges an Terminen geben, die findet man dann auf Instagram.
Ab September gibt es Radikale Empathie übrigens auch auf Vinyl, via @grazilrecords. Wir freuen uns!