Di, 16. Februar 2016

Einfach mal über’s Album reden

Prinz Pi im Interview

Mit „Im Westen nix Neues“ erscheint am 28.01.2016 das neue Album von Friedrich Kautz, den ihr besser als Prinz Pi (wahlweise: Porno) kennt. Es muss als Künstler manchmal nerven so eine neue Platte zu bewerben – und das meinen wir ganz ernst. Man (in diesem Falle Friedrich) sitzt (schlimmstenfalls tagelang) in einem tristen Raum (im wie so oft viel zu grauen Berlin) und beantwortet (vermeintlich versierten) Musikjournalisten (die immerselben) Fragen. Und dann wollen die auch noch ständig über alles außer das Album reden. VOLUME sparte sich an dieser Stelle lieber all die längst gemachten Kreiszahl-Wortwitze – und gab sich nach subtiler Kritik Mühe, mit Prinz Pi zur Abwechslung mal wirklich über seine neue Musik zu sprechen.

Du sprichst in Interviews oft über andere deutsche Hip Hop-Künstler, ist mein Eindr… 

…die Leute fragen mich viel darüber! Das ist so ein selbstreferentieller Kosmos. Wenn du einen Interview-Titel liest, heißt es immer, „Künstler 1 spricht über Künstler 2, 3 und 4 und hat etwas gegen Künstler 5“. Das ist die Beschreibung zu dem Interview, statt dass es um die Musik und das Album geht, worum es meiner Meinung nach eigentlich gehen sollte. 

Dann sprechen wir doch über das Album! Du hast die Songs für das Album in zwei Wochen geschrieben? Wie machst du das? Hast du vorher monatelang nichts geschrieben? 

(lacht) Doch. Es gibt eine Geschichte vom chinesischen Kaiser: Er bestellt bei einem Künstler ein Bild von einem Hahn. Immer wenn er bei dem Künstler vorbeischaut, sitzt der mit einem Stock im Sandkasten und malt vor sich hin. Der Kaiser fragt, wie weit das Bild sei, und der Maler sagt immer, „ich arbeite daran.“ Der Kaiser kommt ein Jahr später wieder und fragt: „Was ist? Ich habe dir schon viel Gold bezahlt.“ Der Maler sagt: „Ich bin noch dabei.“ Der Kaiser kommt, wieder ein Jahr später, und fragt: „Ey, was ist denn jetzt mit meinem fucking Bild, man?“ Der Maler sagt, „gib mir mal das Blatt und den Pinsel“, malt dem Kaiser in einer Minute einen krassen Hahn und sagt: „Hier hast du deinen   Scheiß-Hahn!“ Der Kaiser fragt: „Was hast du denn die letzten zwei Jahre gemacht?“ Der Maler: „Den Hahn malen geübt.“ Das ist das, was ich gemacht habe. 

Um – bleiben wir im übertragenen Sinne – den Hahn letztendlich aufzumalen, bist du nach Schweden gefahren. In der skandinavischen Natur findet man wohl eher Dunkelheit und Schwere. Zieht sich deine Musik mehr aus düsteren Gedanken? 

Wahrscheinlich, ja. Wenn man einen guten Tag, eine gute Zeit hat, lebt man sie und ist froh darüber. Das verbrennt in dem Moment, in dem man es erlebt. Aber wenn schlimme Dinge passieren, trägt man sie lange mit sich herum, sie gären in einem. In meinem Fall versuche ich sie in meiner Musik zu verarbeiten.

Also wird auf dem Album gewissermaßen deine persönliche Geschichte erzählt? Trotzdem haben wir mit „Im Westen nix Neues“ kein Konzeptalbum vorliegen, richtig?  

Es ist ein Panoramabild, wie bei Hieronymus Bosch. Wenn er die Hölle abbildet, dann sind es ganz viele kleine Bilder, die auf einer Leinwand zusammenkommen. Ein Puzzle, ein Suchbild. Ich sehe mein Album als so etwas. Es besteht aus vielen kleinen Bildern, vielen Facetten eines Bildes. Vielleicht sogar dasselbe Motiv aus einer anderen Perspektive betrachtet. Es ist ein Kosmos, der zusammengehört, aber keine Geschichte, die von Anfang bis Ende erzählt wird.  

Für dieses Panoramabild hast du dir wieder Biztram als Produzenten an deine Seite geholt. Wie hat sich die Zusammenarbeit  zwischen euch nach so vielen Jahren verändert? 

Biztram arbeitet mittlerweile ganz anders. Er hat ein viel krasseres Studio und macht sehr professionelle, hochkarätige Pop-Produktionen. Deshalb ist er auch ein viel versierterer Produzent – nicht mehr ganz so versponnen. Auf dem Album klingt manches teilweise, als ob es gesamplet wäre. Teilweise auch, als ob es aus dem Computer käme – harte, rapmäßige Drums. Aber tatsächlich ist fast alles aufgenommen, aber auf eine schrottige, kratzige Art und Weise. So haben wir uns diesen Hip Hop-Flavour erhalten, den wir beide so mögen und mit dem wir aufgewachsen sind.  

Also habt ihr bewusst nicht alles glatt produziert?  

Es ist schon bis ins letztes Detail ausgefrickelt, aber es klingt absichtlich nicht total glatt. Das wollten wir nicht. 

Warum nicht? 

Wenn ein Beat oder ein Stück Musik eine Wohnung ist… Dann fühle ich mich in der leicht unaufgeräumten WG mit herumliegenden Teppichen und tausend an der Wand hängenden Bildern und Erinnerungen wohler, als im ganz clean eingerichteten Designer-Loft, wo wenige Stücke stehen. Das ist mir zu glatt. Das Album ist eine wohl überlegte Rumpelkammer, in der alles mögliche an Schätzen steht. Das ist eben das, was wir beide mögen. 

Also kann man bei jedem Hören neue Einzelheiten entdecken? 

Ja ja, genau. Auf jeden Fall, neue Facetten. 

Das passt doch ganz gut, zu der Form von Ehrlichkeit und Persönlichkeit, die in deiner Musik hervortritt?  

Es zeigt eben, dass in der Wohnung oder der Musik gelebt wird. Meistens ist es ja so, dass Künstler nach der Aufnahme ihrer Vocals das Beste aus zehn Takes zusammenschneiden. Oft korrigiert man dabei das Timing so, dass man genau auf dem Takt sitzt. Das macht fast jeder Rapper. „Im Westen nix Neues“ dagegen ist ein Album, auf dem nichts geschnitten ist. Wenn ich das live einrappen würde, es würde genau so klingen.  

Na, dann freuen wir uns schon jetzt auf dein Konzert am 26.03.2016 in der Arena Wien!