Fr, 30. Januar 2015

Das gewisse Etwas

Sizarr im Interview

Die Einen haben es, die Anderen nicht: Fabian Altstötter, Philipp Hülsenbeck und Marc Übel nennen ihre Bandformation Sizarr und spielen einen ganz besonderen Sound mit dem gewissen Etwas. Nach einem abgefeierten Debüt namens „Psycho Boy Happy“ folgt nun das neue Studioalbum ‚Nurture‘. VOLUME hat mit den drei deutschen Musiktalenten über ihre Weiterentwicklung, Sprachprobleme und unverbindliche Kaufempfehlungen diskutiert.

Gibt es irgendwelche Peinlichkeiten, wenn‘s ums private Musikhören geht?

Philipp: Ich bin ein großer Fan von Supertramp. Für viele Menschen ist das wahrscheinlich ein No-Go. Aber ich feier das! (lacht)
Marc: Ich höre ziemlich viel Entspannungsmusik – mit Vogelgezwitscher.
Philipp: Musik für die Geburtsvorbereitung!

Wart ihr bei der zweiten Albumveröffentlichung schon ein bisschen gelassener als beim Debüt?

Fabian: Ich glaube, wir sind alle relativ tiefenentspannt. Das ganze Rundherum – also Promotion, Marketing und so weiter – kennen wir schon von unserem Debüt. Wir wussten also, was auf uns zukommt. Wir kapieren jetzt auch besser, wie die Wahrheit von fiesen Reportern oft verdreht werden kann. (lacht)
Philipp: Aufregung schwingt natürlich trotzdem mit, es geht einfach wieder los und so.
Fabian: Aber es ist mehr Freude als Aufregung!

Grundsatzfrage: Hat es eine deutsche Band schwerer, international durchzustarten?

Fabian: Auf gewisse Weise schon, aber ich denke nicht, dass man das verallgemeinern kann. Der deutsche Markt ist seltsam, es ist einfach keine Selbstverständlichkeit, außerhalb von Deutschland seine Musik zu veröffentlichen – im Gegensatz zu Skandinavien beispielsweise.
Philipp: Deutsche Acts können im deutschsprachigen Raum sehr gut überleben. Ich erinnere mich, dass wir irgendwann mal vor so einem kleinen Commitee von Menschen gespielt haben, die alle irgendwie im Musikgeschäft sitzen – die erste Frage war gleich: ‚Wollt ihr denn auf Deutsch singen?‘. Das sagt schon sehr viel über die Denkweise aus, die wahrscheinlich in den meisten Köpfen vorherrscht.

Trotzdem hab ihr euch bewusst für die englische Sprache entschieden.

Fabian: Ich hatte damals nicht viele gute deutsche Beispiele, an denen ich mich orientieren hätte können. Vor allem auch die Art der Musik, die wir gemacht haben, hat dem Englischen einfach mehr zugesagt. Deshalb hätte Deutsch wahrscheinlich sehr seltsam geklungen. Die englische Alltagssprache ist einfacher und klingt besser. Deutsch klingt seltsam und eignet sich mehr für hochtrabende und gewichtige Sachen – Poesie und so.

Nervt euch es schon ein bisschen, dass ihr immer wieder auf euren Heimatort Landau angesprochen werdet?

Philipp: Nein! Aber letztens hat irgendjemand unter unseren Post auf Facebook geschrieben, dass es Ihn nervt, dass wir ständig auf Landau angesprochen werden (lacht).
Fabian: Am Anfang war es schon komisch, wir wollten einfach weg von dort – wir haben beim Debüt noch in Landau gewohnt. Da wollten wir für uns Distanz gewinnen und als eine allgemeingültige Band wahrgenommen werden. Egal, wir sind halt einfach Sizarr aus Landau. (lacht)

Wo wohnt ihr aktuell?

Philipp: Wir waren drei Jahre lang in Mannheim bzw. in Heidelberg. Jetzt lebt Marc in Frankfurt, Fabian in Berlin und ich selbst in Hamburg.

Also haben sich eure Wege getrennt?

Philipp: Ja, aber trotzdem sind wir ständig gemeinsam unterwegs und hängen aufeinander rum. (lacht)

Wie habt ihr die mediale Berichterstattung über euch bisher erlebt – war da auch mal Schwachsinn dabei?

Fabian: Nein, bis jetzt war das alles sehr nett und gut. Ich glaube, der Wahnsinn beginnt erst jetzt! (lacht)
Philipp: Ich finde auch, dass die Fragen im Vergleich zum ersten Album angenehmer sind.
Fabian: Die Medienleute haben mittlerweile mehr Anhaltspunkte, was das Fragenspektrum und die Recherche betreffen. Beim ersten Album waren manche Berichterstattungen etwas konfus – da wurden wir oft in ganz komische Richtungen bzw. Ecken gestellt. Oft sind wir im Raum gesessen und haben uns gedacht: ‚Hast du überhaupt gehört, was wir machen?’…

Ihr setzt jetzt bewusst auf Synthesizer und Co – wie ist das Musikerlebnis für euch, analog zu spielen?

Fabian: Wir wollten weniger elektronisch im Vergleich zum ersten Album klingen, auch wenn wir immer noch einen Haufen Synthesizer einbauen. Auch auf der Bühne konzentrieren wir uns auf ein klassisches Setup – also Gitarre, Schlagzeug und Bass. Das sind einfach die Instrumente, mit denen wir am meisten vertraut sind. Während dem Albumentstehungsprozess hat man auch einfach gemerkt, dass die Songs, die auf Gitarre entstanden sind, viel unproblematischer waren für uns.

Wieso sollen die Leute ‚Nurture‘ feiern und kaufen?

Fabian: Weil es besser ist als ‚Psycho Boy Happy‘, wir dazu lernen konnten, fettere Songs geschrieben haben und es sich einfach runder anfühlt als unser Debüt.
Philipp: Eigenlob stinkt, aber es ist grundlegend ein sehr schönes Album. Unabhängig davon, ob Mann oder Frau die Anfänge von Sizzar kennen oder nicht…

Euer neues Album klingt nicht mehr ganz so schwer und ernst…

Philipp: Das war weniger eine bewusste Entscheidung.
Fabian: Ich glaube aber, dass es uns währenddessen bewusst geworden ist. Wir hatten auch mehr Freiheit oder zumindest mehr Mut, poppiger zu sein. Die Songs sind leichter, weniger theatralisch.

Wo ist das zweite Album angesiedelt, was die Texte betrifft?

Fabian: Es ist immer noch sehr auf mich bezogen. Aus der Phase bin ich noch nicht so raus, bzw. hatte ich gegen Ende des Albums einen kleinen Wandel und bin es jetzt vielleicht.

2012 wart ihr euch noch nicht so einig, ob nach dem Abi jetzt auch studieren auf dem Plan steht – wie schaut das jetzt aus, drei Jahre später? Gäbe es da auch einen Plan B – abseits der Musik?

Philipp: Fabian wird Tätowierer und Marc und ich werden Abgebrannte. (lacht)
Fabian: Meine Freundin ist Tätowiererin und ich habe mir jetzt auch so eine Maschine gekauft.
Philipp: Es gibt keinen Plan B. Wir können ja auch einfach Musik machen.

Habt ihr das Wiener Nachtleben schon mal unsicher gemacht?

Marc: Ich war im Flex! Mit 16 oder so – da hat Joyce Muniz aufgelegt. Der Freund meiner Schwester ist Wiener.
Philipp: Wien bei Nacht ist geil! Ich war einmal in so ’ner Bar, da konnte man Tischtennis am Klo zocken.

‚Zweitbester‘ mit ihrem Dish Tennis?

Philipp: Ja genau, das war’s!
Marc: Wobei, wir mögen das Kuchenleben und die Kaffeehäuser hier lieber. (lacht)

Steht Feiern nach euren Shows überhaupt am Pflichtprogramm?

Fabian: Wir haben das nie zelebriert, aber damit fangen wir jetzt an – mittlerweile sind wir auch alt genug dafür. (lacht)

Herzlichen Glückwunsch! Wir stoßen dann bei eurer Show am 22. April in der Arena Wien an!