Do, 31. Juli 2014

Bitch, don’t kill her Vibe

Iggy Azalea im Interview

Iggy Azalea ist einfach verdammt cool. Stichhaltige Beweise dafür gefällig? ihr richtiger Name lautet Amethyst Amelia Kelly, sie ist Rapperin und liebt es, ausgiebig zu fluchen. Und wenn man sich die letzten Wochen ein bisschen mit Musik beschäftigt hat, wird einem sicher aufgefallen sein, dass es an der Reimakrobatin aus Australien momentan kein Vorbeikommen gibt. Alleine in den USA besetzt die Gute mit ihrer Single ‚Fancy‘ und als Gast auf Ariana Grandes ‚Problem‘ seit Wochen die Chartspitzen. Dass ihr eben veröffentlichtes Debütalbum ‚The New Classic‘ ähnlich gut läuft – eh klar. Bevor sie die Tage gemeinsam mit Rita Ora ihre neue Single ‚Black Widow‘ veröffentlicht, war es an der Zeit, mit ihr ein bisschen über Schubladendenkerei, Modeblogs und natürlich ihr Album zu sprechen. Und zu fluchen!

Rapper sind ja in der Regel sehr coole Menschen – kannst du erklären wie es so ist, morgens aufzuwachen und Rapper zu sein?

Es ist natürlich noch viel cooler, als Mann und Frau sich vorstellen kann: Ich werfe erst einmal mit Geld um mich, dann lege ich wahnsinnig teuren Schmuck an und putze mit Champagner meine Zähne. Yeah! Leider ist es nicht ansatzweise so. Meine Morgen sind immer ziemlich stressig, weil ich gerne länger schlafe als mein Manager mir erlaubt, also habe ich schon meistens direkt beim Aufstehen den ersten Beef. Klassisch rappermäßig eben.

Das passt ja ganz gut zu deinem Ruf, dass du grundsätzlich sagst, was du denkst.

Ja, aber ich meine auch alles so, wie ich es sage. Wirklich! Mich nerven diese ganzen Leute, die dauernd irgendwelchen Bullshit von sich geben, Hauptsache, sie haben einmal kurz geschockt. Das ist nicht mein Ding. Klar ist mir bei manchen Sachen, die ich tue oder sage bewusst, dass sich da jetzt Leute ihr Maul zerreißen werden oder dass wieder irgendjemand sehr angepisst sein wird. Aber da denke ich mir dann einfach: ‚Fickt euch, ich habe euch echt nicht nötig.”
 

Aber ein bisschen provozieren wolltest du schon, als du damals als ersten Song ‚Pussy‘ veröffentlicht hast?

Ich würde jetzt gerne Ja sagen, weil das mehr Gangster klingen würde. Aber auch, wenn mir das sicher keiner glaubt – ich habe den Song damals als Single ausgewählt, weil er mir einfach am besten gefallen hat.
 

Also ist ‚keep it real” ziemlich wichtig für dich?

Auf jeden Fall. Aber es gibt eben auch Situationen, in denen man sich auch zusammenreißen muss, weil man sonst ziemlich schnell und böse auf die Fresse fliegt. Man kann eben nicht immer die Bitch sein, die man manchmal gerne wäre.

 Du bist eine weiße Rapperin aus Australien – das scheint für viele Menschen und Journalisten auch nach dem ganzen Erfolg der letzten Monate immer noch das Abgefahrenste auf der Welt zu sein. Wie sehr nervt es dich, immer darauf reduziert zu werden?

Was ist mit meinem Hintern? Und, dass ich mit T.I. zusammenarbeite und sicher schon was mit ihm hatte? Wenn schon, dann alle Klischees bitte! Klar, das nervt unfassbar. Ich kann nicht einmal sagen, was mich davon am meisten nervt. Was erwarten denn die Leute? Allgemein nervt es, dass es immer noch eine Sensation ist, dass es Mädchen gibt, die rappen. Als ich 2012 auf das Cover des großen XXL Magazines kam, habe ich mich einfach darüber gefreut und war geehrt, dass ich da überhaupt drauf bin. Alle anderen mussten dann gleich wieder das Außergewöhnliche daran suchen: ‚Oh, sie ist der erste weibliche und dann auch nicht aus den U.S.A. stammende Rapper auf dem Cover.‘ Das vermiest mir solche Sachen immer total. Und zu meinem Hintern – er ist eben ein Körperteil an mir. Ich habe auch Füße. Mit Zehen dran. Davon habe ich sogar zehn. Die sind aber allen mehr als egal – entweder fragt ihr nach meinem ganzen Körper, oder eben nach gar nichts.
 

Wie jeder, der irgendetwas neu startet, musstest du dir ja auch erst einmal Credibility erarbeiten – kommt dir das im ‚harten Rap-Business‘ schwieriger vor, als zum Beispiel beim Modeln (Anmerk. d. Red. Iggy ist neben ihrer Musikkarriere auch Model)?

Grundsätzlich glaube ich, dass man es immer schwer hat, wenn man sich mit ehrlicher Arbeit und Talent durchboxen muss. Es gibt Leute, denen Sachen zufliegen. Die haben dann Glück. Oder kennen die richtigen Leute. Für uns anderen heißt es aber eben, dass wir alles geben müssen, um dahin zu kommen, wo wir hinwollen. Ellenbogen ausfahren hilft natürlich auch immer. Das war natürlich nur ein Scherz, seid lieber fair und ehrlich, Kinder. Rumheulen, dass alles so schwierig ist, finde ich übrigens auch sinnlos, davon wird nichts besser, die Leute halten einen nur für schwach. Und wer will schon, dass die anderen so etwas über einen denken?
 

Was übrigens viele Leute über dich denken ist, dass du es in Sachen Klamotten und Style ziemlich raus hast.

Ja, auf jeden Fall, das ist mir alles super wichtig. Auch wenn ich oft fluche wie der letzte Assi – wenn es um Schminke und Klamotten geht, bin ich das Obermädchen.
 

Checkst du dann auch immer die ganzen Modeblogs und Zeitschriften, in denen du ja permanent gefeatured wirst?

Nein! Das hat mich auch noch nie interessiert, ich hasse diese ganzen Modeblogs. Ihr habt also jeden Tag andere Klamotten an, ganz toll – und ich geb‘ wirklich einen Scheiß auf euer Outfit-of-the-Day, denn es interessiert keinen, ob eure Macarons zu euren Schuhen passen.
Wenn man irgendwo Klamotten sieht, gefallen die einem eben oder sie gefallen einem nicht. Dafür muss man keine Blogs oder die Vogue auswendig lernen. Ein bisschen Selbstbewusstsein und was einem eben so gefällt.
 

Bevor wir das völlig vergessen – du hast dieses Jahr dein erstes Album ‚The New Classic‘ veröffentlicht. Für die, die schändlicherweise noch nicht reingehört haben: Was bekommt man da auf die Ohren?

Überraschenderweise gibt es darauf Rapsongs zu hören. 15 um genau zu sein. Mit Features von T.I., Charli XCX und Rita Ora. Die Songs sind natürlich alle überragend gut und es ist das beste Album, das eine weiße, australische Rapperin je gemacht hat. Wir haben es in L.A. zwischen Palmen und fetten Villen aufgenommen, es klingt also nach ordentlich Bling Bling. Also kauft es bitte alle, gerne auch mehrmals, damit ich genügend Kohle verdiene und nicht irgendwann einen Fashionblog starten muss.
 

Apropos L.A. – da lebst du ja jetzt seit einiger Zeit. Verwechseln Amerikaner wirklich so oft ‚Australia‘ und ‚Austria‘?

Ja, das passiert wirklich sehr, sehr oft. Ich verstehe nicht so ganz warum, aber es stimmt wirklich. Die Leute sind dann immer ganz enttäuscht, wenn ich sage, dass ich nicht aus Wien bin, sondern nur die weiße Rapperin aus einem kleinen Kaff in Australien.

Arme Iggy! Dann hoffen wir, dich bald wieder in good old Austria begrüßen zu dürfen!