Mi, 18. Juli 2018
Ingos Plattenecke #70

Ingos Plattenecke #70

Der Donots-Frontmann rezensiert

Es ist ein gutes Punkjahr bis dato … und die neuen Platten von Muncie Girls, Adolescents und Streets Dogs machen es noch ein Stück besser, befindet unser geschätzter Gastredakteur Ingo von den Donots.

Muncie Girls
Fixed Ideals

Nach dem bockstarken Debüt „From Caplan To Belsize“ melden sich die Muncie Girls aus England nun endlich mit ihrem zweiten Langspieler zurück. Bewaffnet mit dem verschwurbelten Powerpop von Superchunk, dem sehnsüchtigen Seufzen von Samiam und Lande Hekts hinreißender Stimme, die deiner besten Freundin gehören könnte, haut das Trio wunderbare, sehr persönliche Mini-Knaller auf Albumlänge raus. Irgendwie Indie in der Vertonung, irgendwie Punk in der Ansage. Und insgesamt einfach wunderschön in Szene gesetzt – nicht zuletzt aufgrund all der grandiosen Akzente, die Luke Ellis an den Drums setzt.

Shortcut: Pop is not a 4 letter word!
Highlight:
„Isn’t Life Funny“
Connection: Superchunk
Bewertung: 4/5

Adolescents
Cropduster

Die Trauer sitzt tief. Sehr tief. Steve Sotos plötzlicher Tod im Schlaf reißt ein gigantisches, klaffendes Loch in die Herzwand der Punkwelt. Der Obersympath und Bassist der Adolescents war nicht nur ein Touraholic, sondern ein absolutes Talent und Wegweiser für jeden gestandenen 3-Akkord-Arbeiter. Lindert der posthume Release von „Cropduster“ nun den Schmerz ein wenig oder macht er nur noch betroffener? Und wie soll es bitte weitergehen ohne Soto? Fakt ist: „Cropduster“ zeigt die Adolescents ein letztes (?) Mal in absoluter Hochform. Energie meets Melodie meets Ironie. Gute Reise, Steve Soto!

Shortcut: Mächtiges Vermächtnis
Highlight:
„Just Because“
Connection: Angry Samoans, TSOL, Agent Orange
Bewertung: 4/5

Street Dogs
Stand For Something Or Die For Nothing

Wahnsinn, da muss man acht Jahre warten, bis die Bostoner um Ex-Dropkick Murphy Mike McColgan ein neues Album von der Kette lassen! Gut Ding will anscheinend Weile haben, denn diese Scheibe ist nicht einfach nur ganz okayer Streetpunk. Die Street Dogs haben ihre Hausaufgaben wirklich auf der Straße gemacht und verschicken nach konstantem Touren die schönsten Ansichtskarten aus Folk, Punk und Rock’n’Roll an die Working Class. Das klingt gleichermaßen prollig wie hymnisch, gebellt wie gesungen und vor allem authentisch und gelebt. Ein gutes Punkjahr bis dato, echt mal!

Shortcut: Arbeiterklasse mit Klasse
Highlight: „Stand For Something Or Die For Nothing“
Connection: Dropkick Murphys, Bouncing Souls, Cock Sparrer
Bewertung: 4/5