So, 1. Juni 2014

Wolfenstein: The New Order

Blazkowicz und die Nicht-Nazis

 Es beginnt bombastisch im Jahr 1946, mit dem letzten verzweifelten Angriff der Alliierten auf den Stützpunkt des kranken Genies des Regimes, General Wilhelm Strasse, genannt Totenkopf da er einem Totenkopf ähnelt. Er ist für den Sieg des Regimes verantwortlich, da seine Erfindungen, darunter Roboterhunde und turmhohe Kolosse, übermächtig sind. Das Spiel nimmt sich großteils nicht wirklich ernst, was in einer Reihe die Übersoldaten und Mecha-Hitler hervorbrachte, nicht weiter überrraschen sollte.

Der Protagonist B.J. Blazkowicz, bekannt aus den vorigen Teilen, wird nach den ersten Levels schwer verwundet und fällt für 14 Jahre ins Koma, um in dem Moment wieder zu vollem Bewusstsein zu gelangen, in dem die Schergen des Regimes, die mittlerweile die Welt beherrschen, alle Bewohner des Pflegeheims in dem er sich befindet, töten wollen. Wieder erstarkt macht er es sich nun zur Aufgabe das Regime zu stürzen, mit einem Sturmgewehr in jeder Hand und seinem treuen Messer das als Stealth-Waffe ein One-Hit-Kill für die meisten Gegner ist.

Die Waffen fühlen sich in beiden Zeitperioden gut an, haben ordentlich Wucht und schießen sich, wie man es von verrückten Alternativ-Timeline-Waffen erwartet. Anfangs sind diese hauptsächlich zweckmäßig und Genre-Standard: Pistole, Maschinenpistole, Schrotflinte, Sturmgewehr etc. Später werden aber passend zu den ausgefallenen Gegnern wie Robotern und Mutant-Roboter-Geschöpfen, auch Waffen wie eine Laserkanone verfügbar. Ausreichend Munition für Schießwütige ist vorhanden, man sollte aber damit rechnen hin und wieder zu den Dual-Schrotflinten wechseln zu müssen.

Die Gegner agieren teilweise intelligent, benutzen Deckung und werfen Granaten, lassen sich allerdings doch leicht abräumen und sind bis auf wenige Ausnahmen nur in größerer Menge gefährlich. Kleinere Trupps kann man leicht mit gedrückter Feuer- sowie Nach-Vorne-Taste erledigen und sich dabei wie die Ein-Mann-Armee fühlen, die man verkörpert. Gerade in solchen Momenten macht das Spiel wirklich Spaß.

Hilfreich ist dabei das System der Lebenspunkte. Blazkowicz hat ganz klassisch eine Aufteilung in Leben und Rüstung, letztere wird dabei zuerst aufgebraucht. Die außerordentlich großzügig verteilten Items zum Aufstocken funktionieren dabei unterschiedlich – während Rüstung einen Maximalwert erreicht, gibt es das bei Lebenspunkten nicht. Erreicht man allerdings über 100, ein Wert der sich im Lauf der Kampagne steigern lässt, so ticken sie langsam wieder auf diesen Wert herunter. Als kleines Extra hat man eine geringe Regeneration auf die nächsten 10 Punkte, sollte man unter 100 fallen und nicht gerade unter Beschuss stehen.Es gibt auch ein erstaunlich passables Stealth-System: Rechts oben wird für jeden Offizier in der Nähe eine kleine Grafik eingeblendet, die unter anderem die Entfernung zu ihm angibt. Schaltet man alle Offiziere unentdeckt aus, kann kein Alarm geschlagen werden und man muss gegen eine geringere Anzahl von Soldaten kämpfen. Scheitert man beim Schleichen, hilft wieder nur mehr reine Waffengewalt.

Die Geschichte von Wolfenstein dümpelt neben den Schießeinlagen vor sich hin und weiß eigentlich nie genau was sie aussagen will. Auf der einen Seite ist alles so übertrieben, dass es schwer ist auch nur irgendetwas ernst zu nehmen. Dem gegenüber stehen aber viele Momente, die dem Spiel anscheinend eine gewisse Tiefe geben sollen, allerdings höchstgradig fehl am Platz wirken.

Grafisch verwendet das Spiel die neue id Tech 5 Engine und hat extrem hohe Anforderungen auf dem PC. Dafür sieht es nicht so gut aus wie man erwarten würde. Viele Texturen wirken flach und lieblos, was bei einer Festplattenbelegung von um die 50 GB um so verwirrender ist. Am Sound gibt es eigentlich nichts auszusetzen – alles klingt so wie man es erwarten würde, auch wenn die Sprecher manchmal ein wenig dick auftragen.

Noch ein Wort zur Zensur: wir haben die deutsche Version des Spiels getestet, die stark geschnitten erscheint. Die Gegner sind Teil des “Regimes”, Deutsche und haben das Wolfenstein-Logo auf ihren Flaggen. Natürlich sind sie Proxies für die Nazis, von denen allerdings alle Erwähnungen aus dem Spiel gestrichen worden sind. Die Sprache ist nur auf Deutsch verfügbar.

Fazit

Insgesamt ein gutes Spiel und ein mutiger Versuch von Bethesda einmal etwas anderes auf den Markt zu bringen. Die Geschichte mindert leider den Spaß an vielen Stellen und wer in Spielen komplexe Charaktere sucht, die mehr tun als schießen, sollte sich den Kauf noch einmal überlegen. Für Veteranen der Serie aber auf alle Fälle ein Spaßgarant, nicht nur wegen dem Retro-Level in Pixelgrafik. Shooter-Fans im Allgemeinen sollten bedenken, dass es sich mehr wie Unreal Tournament als Call of Duty spielt. Multiplayer gibt es keinen.

— Christian Novotny
Urteil + Coole Waffen + Levelvielfalt + Bosskämpfe - Teils befremdliche Story - Kurz
Alles in Allem Gut