Mi, 2. April 2014

The Elder Scrolls Online - Review

DAS ABENTEUER BEGINNT

Dass die berühmte The Elder Scrolls-Reihe einen MMORPG-Ableger bekommen wird, hätte sich anfangs wohl niemand gedacht. Aber als Bethesda Softworks im Mai 2012 bekanntgab, dass sie die Entwicklung eines Online-Spiels begonnen hätten, wurde Gemurmel zum Aufschrei.

Zwei Jahre später, am 1. April 2014, öffnete The Elder Scrolls Online (kurz ESO) seine Pforten für tausende Vorbesteller für den 3-Tages Early Access. Dank monatelangen Stresstests in der Closed Beta lief der Early Launch reibungslos ab und selbiges wird auch für den Launch am 4. April erwartet.

Wie die vorausgegangenen Spiele der The Elder Scrolls-Reihe, spielt ESO auf dem fiktiven Kontinent Tamriel. Der Zeitpunkt der Handlung liegt etwa 1000 Jahre vor den Ereignissen des zuletzt erschienenen Skyrim und circa 800 Jahre vor den Spielen Morrowind und Oblivion.

Die Qual der Wahl

Wie gewohnt wird man von einer umfangreichen Charaktererstellung begrüßt und darf sich zwischen zehn verschiedenen Rassen entscheiden: Hochelfen (Altmer), Waldelfen (Bosmer), Khajiit, Bretonen, Rodwardonen, Orks, Nords, Dunkelelfen (Dunmer), Argonier und Kaiserliche. Die Kaiserlichen sind vorerst nur für Käufer der Collectors Edition (Imperial Edition) spielbar. Zusätzlich muss eine von vier Klassen gewählt werden: Drachenritter, Templer, Nachtklinge oder Zauberer.

Der Drachenritter beherrscht die Macht des Feuers um eine große Menge an Schaden auszuteilen. Er ist sehr mächtig im Nahkampf, und hat zusätzlich einen Fertigkeitsbaum, der ihn zu einem richtigen Tank macht. Drachenritter können jede Waffe benutzen, also braucht man sich nicht wundern wenn diese mit Bögen oder Stäben an einem vorbeilaufen.

Der Zauberer ist der Fernkämpfer, der gern in den hinteren Reihen der Gruppe steht und von dort seine große Menge an Schaden austeilt. Verschiedene Fertigkeitsbäume erlauben ihm unterschiedliche Arten von Zaubern zu beherrschen, zum Beispiel die Macht der Blitze oder das Herbeibeschwören von Daedra aus dem Paralleluniversum Oblivion, sowie die Kontrolle von Gegnermassen.

Der Templer ist die wohl vielseitigste Klasse des Spiels. Jeder Fertigkeitsbaum erlaubt dem Templer eine völlig andere Art zu Spielen. So kann er ein starker Beschützer sein, der den Schaden für seine Gruppe einsteckt, oder er kann Magie beherrschen um Gegnermassen zu kontrollieren oder er kann sogar als Heiler fungieren. Es wird also nicht ungewöhnlich sein, mehrere Templer in einer Gruppe zu sehen, jeder mit einer anderen Rolle. Demzufolge ist auch die Diversität der Waffen- und Rüstungswahl sehr groß und kann an die Rolle des Templers angepasst werden.

Die Nachtklinge ist die Haupt-DPS Klasse des Spiels. Sie erlaubt Spielern eine gewaltige Menge an Schaden auszuteilen und trotzdem Verborgenheit im Schatten zu wahren. Die Fertigkeitswahl verschafft einem keine große Vielfalt, nur in der Art, wie der Schaden ausgeteilt wird. Egal, welchen Fertigkeitsbaum man fokussiert, man wird mit der Nachtklinge immer großes Schadenspotential haben, egal ob im Nahkampf mit Dolchen und Schwertern oder im Fernkampf mit Bogen.

Skyrim auf ein MMO zusammengepresst

Das Spiel startet mit einer typischen linearen Fluchtszene, die alle Kampf- und Bewegungsabläufe abhandelt, wie man es von einem Tutorial gewohnt ist. Als Gefangener in dem Paralleluniversum Oblivion versucht man von seinem Peiniger, Daedra-Prinz Molag Bal, zu entkommen. Dieser hat unsere Seele gestohlen und plant ganz Tamriel unter seine Herrschaft zu bringen. Die Hektik der Flucht wird jedoch schnell mal ignoriert, da überall plünderbare Objekte zu finden sind, mit denen man sich gern die Taschen vollstopft und man innerhalb der ersten 15 Minuten schon mal sein Inventar vollbekommen kann.

Der Einführung in die Story verzeiht man gerne seine Linearität und hofft danach auf das typische Open-World-Gefühl, dass man mit den Singleplayer-Titeln der Reihe verbindet. Doch das kommt so nie auf. Der Welt fehlt die Größe und Freiheit, die man mit der Serie verbindet. Mit Skyrim im Hinterkopf ESO zu spielen ist, als wolle man auf einem Tennisplatz ein Fußballturnier abhalten. Selbst das Plündern und Leveln wird durch die Vielzahl der Spieler erschwert. Wenn nur wenige Monster in der Umgebung zu finden sind, muss man es erst mal schaffen ein lebendiges zu erwischen, bevor es von jemand anderem niedergestreckt wird. ESO, so scheint es, ist das beste Beispiel, wieso man Skyrim keinen Multiplayermodus gegönnt hat.

Wer sich allerdings gerne in eine Geschichte hineinversetzen mag und diese durchleben möchte, kommt hier auf seine Kosten. Nicht nur die Haupt-Storyline sondern auch umfangreiche Nebenquests besitzen immer einen roten Faden und die Interaktion mit vollvertonten NPCs sowie die musikalische, situationsbezogene Begleitung sorgen für die richtige Atmosphäre.

Diese kann auch ganz alleine genossen werden, denn die Möglichkeit Gruppen zu bilden verpflichtet nicht zu dessen Zwang, denn bis auf manchen High-End Content ist das Spiel alleine bewältigbar.

Wenig Inventionen und gewagte Ignoranz

ESO scheint auf den ersten Blick keine neuen Impulse für den Genre zu setzen sondern sich eher altbewährten Standards zu bedienen. Das Ergebnis ist demzufolge nicht weltbewegend, aber durchaus unterhaltsam. Was allerdings raussticht ist das Kampfsystem, denn anders als bei anderen MMORPGs wo man stumpf eine Folge an Fertigkeiten durchklickt, muss man in ESO selbst agieren und eine kluge Kombination aus seinen 6 aktiven Skills finden. Gemischt mit dem Ausdauer-Balken, der einem Sprinten und Hechtsprünge erlaubt, bringt ESO eine besonders spannende Art von PVE und PVP hervor.

Leider fehlt es hier noch an der detailreichen Umsetzung, denn lahme bis fehlende Trefferanimationen geben einem oft das Gefühl gegen Luft zu kämpfen. Die Reaktion der Gegner ist immer gleich, egal ob sie von einem Zweihänder gespalten, von Blitzen getroffen oder von Flammenatem versengt werden.

Trotz der Anlehnung an andere Größen des Genres erlaubt sich ESO einige MMO-Standards zu ignorieren: Das Anflüstern von Mitspielern und die Gruppeneinladung sind sehr unkomfortabel gestaltet, es gibt keine Minimap, die Aktionsleiste ist ausgeblendet und DPS Zahlen werden nicht angezeigt. Vor allem das ständige Öffnen des Menüs, nur um zu wissen, wo man sich befindet oder wo man hin muss, kann einem schnell auf die Nerven gehen, wenn man gerade am Questen ist.

Handwerke und Fertigkeiten

In ESO dürfen alle Charaktere alle Berufe ausüben – zumindest theoretisch, denn wer einen Beruf ernsthaft anpacken und meistern möchte, muss neben der benötigten Ausbildungszeit auch wertvolle Skillpunkte investieren. Jeder Beruf liefert passive Fähigkeiten, die euren handwerklichen Fertigkeiten zu Gute kommen. Die Verbesserungen schalten sich über die erspielten Ränge frei. Neue Ränge erklimmt man über die Ausübung des Handwerks, das heißt über den Herstellungsprozess.

Selbiges gilt für das Verbessern von Klassenund Waffenfertigkeiten. Je öfter man eine Waffe oder einen Zauber im Kampf verwendet, desto schneller erhöht sich der Rang der zugehörigen Fertigkeit. Manchmal findet man auch ein gutes Buch, etwa in der Ecke einer Taverne, das einem sagt, einen Dolch nicht an der Klinge anzugreifen, sondern am Griff. Durch solch neu erlangtes Wissen steigert sich dann zum Beispiel unser Dolch-Rang.

Kein Release ohne High-End Content

Was allerdings eindeutig gesagt werden kann, ist, dass ESO einem hunderte Stunden an Unterhaltung bieten kann. Sei es durch Abschließen von Quests, Leveln von Berufen oder Gildenreputation, Schatzsuche, Sammeln von Skyshards oder einfach nur das Genießen von atemberaubender Grafik und fantastischer Atmosphäre.

Auch für ausreichend LateGame Content soll gesorgt sein, denn Anfängerfehler wie etwa beim SWToR Release sollen vermieden werden. Level 50 PVP-Schlachtfelder, Adventure Zones, Dungeons und Master Dungeons sind von seitens Zenimax Studios angepriesen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die ersten Spieler Level 50 sind und uns die ersten Einblicke in den LateGame Content ermöglichen.

 

 

— Stefan Kuntner
Alles in Allem Awesome