Do, 8. September 2016

Psycho Pass: Mandatory Happiness

Nach 2 Staffeln und einem Film bekommt der Cyberpunk-Anime Psycho-Pass mit Mandatory Happiness nun auch ein eigenes Spiel verpasst, dass im ersten Viertel der Serie angesiedelt wurde. Es entstammt, wie auch die erste Staffel und der Film der gleichnamigen Serie, der Feder von Gen Urobuchi. Wer den Stil dieses Mannes kennt, wird wohl wenig überrascht von den teils grotesken Momenten und den immer moralisch fraglicher werdenderen Entscheidungen, die im späteren Spielverlauf vermehrt auftreten. Doch genau diese Momente machen den Charme der Serie aus und werden auch in dieser Umsetzung gut widergespiegelt.

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Psycho-What

Wer den Anime nicht kennt, wird Hals über Kopf in die Story geworfen und schnell von der Charaktervielfalt und der Terminologie überwältigt sein. Es gibt zwar ein kleines Glossar, in dem man etwas über die Charaktere und Dinge, wie zum Beispiel den Psycho-Pass nachlesen kann, dies ist aber eine wenig intuitive Methode, um in die Welt einzusteigen. Nach einem kurzen Prolog stehen zwei Charaktere zur Auswahl. Einerseits der von Emotionen angetriebene Enforcer Takuma Tsurugi, andererseits die kopflastige und kalt agierende Inspektorin Nadeshiko Kugatachi. Die Story wird durch die vom Spieler getroffenen Entscheidungen beeinflusst. Dabei reichen diese Entscheidungen, von welchen Charakter man zu einer Ermittlung mitnimmt oder wie man auf eine plötzlich auftretende Krise reagiert, bis hin zur häufigsten Entscheidung, ob man ein Psychopharmaka zu sich nimmt, um den Psycho-Pass zu stabilisieren oder versucht selbst mit der Situation klar zu kommen. Auf den Ausgang der 4 behandelten Fälle haben diese Entscheidungen nur wenig Einfluss, vielmehr verändern sie die Rolle des am Anfang gewählten Charakters in der Story. Wie viel man schlussendlich über dessen persönlichen Hintergrund erfährt und in weitere Folge auch was man über den Antagonisten in Erfahrung bringt.

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The Cost of Happiness

Einen frischen Wind, vor allem für Serienkenner, bringt der Antagonist Alpha. Denn im Gegensatz zu den im Anime porträtierten Gegenspielern ist sein Ziel simpel :  Die Menschen glücklich zu machen. Durch seine stark ausgeprägten Fähigkeiten als Hacker bekommt man einen tieferen Einblick in die technischen Eigenheiten des Systems in dieser Welt. Was Alpha besonders ausmacht ist es, dass er obwohl er tut was er tut, einfach nur wie ein unschuldiges Kind wirkt, dass die Welt zu einem glücklicheren Ort machen möchte. Hierbei entscheidet er oftmals einfach aus schierer Naivität heraus. Alleine schon dieses Handeln in Kombination mit dem im Hintergrund laufenden System zeigen die Grundthematik der Geschichte auf: Was heißt es glücklich zu sein und was ist der beste Weg Menschen glücklich zu machen?

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Makaberes Bilderbuch

Mit den japanischen Originalstimmen und einer relativ simpel gehaltenen Präsentation taucht man im Visual Novel Stil in dieses zusätzliche Kapitel der Psycho-Pass Serie ein. Die Charaktere und Animationen setzen keinen neuen Maßstab auf ihrem Gebiet, sind aber auf jeden Fall stimmig gehalten und auch die Schauplätze wurden gut in Szene gesetzt. Alles in Allem ist es nicht mehr und nicht weniger als man von einer typischen Visual Novel erwarten würde. Das einflechten einiger Cutszenes hätte eine nette Abwechslung geboten und dem Spiel sicherlich eine Aufwertung in Sachen Präsentation und Spielflow gebracht. So wirkt es doch so als hätten sie einige Möglichkeiten auf visueller Ebene vergeben wenn man bedenkt, dass dieses Spiel auf einer Playstation 4 läuft. Um doch ein bisschen Gameplay in das Ganze zu packen gibt es ein zusätzliches Minispiel. Im Grunde genommen ist es 2048 mit Chibi Charakteren wodurch sich Artworks und Sound Clips freischalten lassen.

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Fazit

Mit einer fesselnden Story, interessanten wenn auch schon bekannten Charakteren und einer soliden visuellen Umsetzung ist es ein gelungenes zusätzliches Kapitel der Welt von Psycho-Pass. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert sich zuerst einmal dem Anime zu widmen um einen nahtlosen Einstieg und vor allem ein besseres Spielerlebnis zu sichern. Wer jetzt in dieser Welt versinken möchte oder einfach nicht genug von dieser grotesken Gratwanderung gesehen hat, tiefsinnige, gesellschaftskritische und philosophische Fragestellungen mag und moralisch fragliche Entscheidungen treffen möchte, die wahrscheinlich auch nach den Credits noch in Gedanken hängen bleiben, der sollte sich auf jeden Fall dieser gelungenen Umsetzung widmen.

— Lukas Höwarth
Bewertung

Urteil + packende Story + interessante Charaktere + bleibt dem Stil seiner Vorlage treu + moralisch fragliche Entscheidungen - visuelle Präsentation etwas matt - holpriger Einstieg für Serienneulinge
Alles in Allem Good