Do, 5. November 2015

Persona 4: Dancing All Night

 

Es begann im Jahr 2008, als Persona 4 für die Playstation 2 erschien und sich als populäre Bereicherung der Serie etablierte. Dass diese Cash-Cow bis zum bitteren Ende gemolken und die Milch bettelnd und gierig konsumiert wird, zeigten uns die vielen Spin-Offs wie Persona 4 Arena, Persona 4 Arena Ultimax, Persona 4 The Golden, Persona Q und das brandneue Persona 4: Dancing All Night.

Fremdgehen

…ist in unserer Gesellschaft ja etwas schändliches, doch als ATLUS sich ab Persona 4 Arena von den RPGs abwandte und Zeit mit der Entwicklung von Fighting Games verbrachte, wurde dies gar nicht so übel aufgefasst. Jetzt wechselt die Serie ein weiteres Mal Genre und präsentiert uns ein Rhythmus Spiel. Spätestens seit Persona 3 ist die Serie für einen etwas anderen, zeitgerechten, funky Soundtrack bekannt und dass der Soundtrack gut angekommt beweisen die zahlreichen Konzerte, die in Japan abgehalten wurden. Ein Rhythmus-Spiel ist wirtschaftlich der logisch nächste Schachzug. Ziel ist es verschiedene Typen an Noten, welche sich von der Bildschirmmitte aus zum Rand bewegen im Takt zu erwischen, indem die jeweilige Taste auf der Playstation Vita gedrückt wird. Das Prinzip ist einfach und macht Spaß.

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Persona 4: Dancing All Night hat mit 28 Titeln dennoch eine verhältnismäßig kleine Playlist. Außerdem handelt es sich zu einem großen Teil um Remixes, die auf Grund eigenartiger Polyrhythmiken und Harmonien zwischen Gesangsspur und Synthies manchmal mehr schlecht als recht ausgefallen sind. Nichtsdestotrotz sind einige der Tracks überragend genug, um Mittelmäßigkeiten und Missgeschicke wieder wett zu machen. Nicht selten kommt es vor, dass man während dem Spielen anfängt mitzusummen und mitzutanzen (so weit es natürlich geht).

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DLC-Wahnsinn

Das Spiel heißt nicht umsonst Dancing All Night: Jeder Song hat einen Hauptcharakter, dessen Tanz perfekt auf die Nummer abgestimmt ist. Zudem kann man sich einen Supportive Charakter aussuchen und an bestimmten Stellen im Song zu zweit abshaken. Die Choreografien sind liebevoll und mit viel Detail ausgearbeitet und umgesetzt worden, denn jeder Charakter hat einen ganz eigenen Tanzstil. Zum Beispiel lernt man Kanji als Hip-Hop-Tänzer und Yukiko als graziöse Street-Ballerina kennen. Naheliegend ist die erstaunlich große Auswahl an Kostümen und Accessoires, die man freispielen kann. Eine große Schattenseite ist jedoch die gewaltige Flut an kostenpflichtigen DLCs: Wer Fanservice möchte und sich auf die aus dem RPG bekannten Bikinis freut, muss – sofern sie nicht in der ersten Woche nach Release des Spieles im Playstation Store als Gratis-Download heruntergeladen werden – einen Obolus im Euro-Bereich entrichten. Ähnlich verhält es sich mit weiteren Kostümen, neuen Songs und sogar Charakteren wie Adachi und Marie, die im Grundspiel nicht enthalten sind.

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Eyegasm

Optisch sieht Persona 4: Dancing All Night unglaublich bunt und ansprechend aus und stellt steril und futuristisch-fad aussehende Genre-Schwestern wie Hatsune Mikus Project Diva in den Schatten. Doch die visuellen Neuerungen, die Leben in das Spiel einhauchen, zeigen ab der Schwierigkeitsstufe „Hard“ ihre Schattenseiten. Während Normal unglaublich leicht ist, entpuppt sich Hard wider Erwarten als kaum meisterbare Herausforderung. Dies liegt jedoch nicht an der Geschwindigkeit oder Rhythmik der auftauchenden Noten, sondern an der Flut an herumfliegenden Objekten auf dem Bildschirm. Die Übersicht geht verloren, man bemerkt die eine oder andere Note nicht und die Combo ist für die Katz. Auch ist das Jubeln und Ermutigen der Partner im Hintergrund oft sehr irritierend und stellt sich als rhythmisch verwirrend heraus, doch die Funktion lässt sich glücklicherweise in den Optionen abdrehen.

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Narrative der Superlative

Das kennt man zumindest aus Persona 4. Doch ob ein Rhythmus-Spiel in eine so stark storygetriebene Serie hineinpasst, ist eine Frage, die vielen Fans Angst gemacht hat. Die Antwort lautet: Ja, es funktioniert überraschend gut. Der Storymodus ist zwar an manchen Stellen langatmig und sehr textlastig, aber wirklich selten gezwungen und passt sehr gut in das Universum. Rise Kujikawa, das ehemalige Idol möchte nämlich ihr Comeback machen und plant auf einem Festival mit der neuen, populären Idol-Gruppe „Kanamin’s Kitchen“ aufzutreten. Auf ihren Wunsch teilen ihre Freunde Yu, Yosuke, Chie, Yukiko, Teddy, Naoto und Kanji mit ihr die Bühne. Doch während den Proben wird ein ominöses Gerücht angesprochen: Wer die Internetseite des Festivals um Mitternacht aufruft soll ein Idol sehen, welches vor Jahren Suizid begangen hat und in ein Koma fallen. So nimmt das Schicksal seinen Lauf und unsere Helden versuchen mit ihren sicken Dancing-Skills das Mysterium zu lösen. Und ja, so lächerlich das gerade klingen mag, im Spiel und angesichts einiger Informationen, die ich euch vorenthalte, um nicht als spoilender Ungustel gelten, macht das alles Sinn.

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Fazit

Ein erfrischendes Rhythmus-Spiel mit Story, sehr schönen Tanzeinlagen, netten Tracks und tollen Kostümen: Was gibt es am neuen Persona Spiel nicht zu mögen?
Es ist einfach genug, um Anfänger des Genre nicht zu überfordern und schwer genug, um Veteranen zu unterhalten. Leider reicht es nicht, um zu einer Herausforderung zu werden, denn die höheren Schwierigkeitsgrade stellen nicht das Rhythmusgefühl auf die Probe, sondern lenken durch eine flashige Farbenflut vom Groove ab. Eine weitere kleine Enttäuschung ist die magere Anzahl an Songs im Grundspiel. Doch Persona 4: Dancing All Night ist trotzdem die perfekte Art für Fans die Zeit bis zum Erscheinen von Persona 5 totzuschlagen.

— Aryan Havrest
Bewertung

Urteil + Tanz-Choreografien von "cool" bis "schön" + Gute Tracks + Bunt und ästhetisch - Wenige Songs - Ab "Hard" unübersichtlich - Exkzessives DLC-Milking
Alles in Allem Awesome