Mo, 19. Oktober 2015

Minecraft: Story Mode - Episode 1

Als im Jahr 2009 der Schwedische Programmierer Notch sein kleines Sandbox-Projekt startete, hätte er vermutlich nie mit dem unglaublichen Boom, den Minecraft (ursprünglich “Minecraft: The Order Of The Stone”) erleben sollte, gerechnet. Es dauerte keine zwei Jahre, bis das Spiel sich in der Beta Phase befand und bereits 1.000.000 Kopien verkauft hatte. Der Hype ließ nicht nach, Grundschulen boten Minecraft als eigenes Schulfach an, und schließlich wurden auch Ableger auf Konsolen veröffentlicht. Doch bis heute mangelte es dem Spiel an einem: Einer Story!

Es war einmal vor langer Zeit…

Fleißige Modder versuchten Quest-Systeme, Handlungsstränge und Ziele in das Spiel einzubauen und auch die Entwicklerfirma Mojang (von Notch gegründet) brachte mit dem Enderdragon und dem Wither Boss-Mobs in die Welt von Minecraft ein, um die Illusion einer Story zu erzeugen. Nachdem Microsoft die Rechte an Minecraft gekauft hatte, wurde Telltale beauftragt einen eigenen storybasierten Ableger zu entwickeln. Viele von uns haben sich gefragt, wie man sich das vorstellen darf und ob das Konzept überhaupt funktionieren kann.

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Ich selbst bin den Titel mit gemischten Gefühlen angegangen, da ich prinzipiell mal kein Telltale Fan bin, doch es dauerte nicht lange, bis mich das Spiel in seinen Bann gezogen hatte. Musikalisch und optisch wurde das Minecraft-Feeling makellos eingefangen, wodurch es kaum auffällt, dass die Spielmechaniken nicht eine einzige Gemeinsamkeit mit dem Original haben. In diesem Fall stört das nicht mal, da es genug andere Details gibt, welche die Aufmerksamkeit des Spielers auf sich ziehen. Von Open World ist weit und breit nichts zu sehen, aber dafür gibt es die treibende Kraft einer Handlung. Das stundenlange Bloppen vom Blöcke platzieren hört man nicht mehr, aber dennoch ist mit netten, durch Quick-Time-Events gesteuerten Zeitraffer-Bausequenzen für Unterhaltung gesorgt. Das ausgeklügelte Crafting-System ist nicht in der vertrauten Form vertreten, doch dafür imponiert Minecraft: Story Mode mit einem entspannten und einfachen Märchen.

Der Stein trügt

Was aussieht wie ein actionarmes Point and Click Adventure für kleine Kinder, birgt eine interessante Message, denn bei Minecraft: Story Mode erlebt man, wie die scheinbar klaren Grenzen zwischen Gut und Böse langsam aber sicher verschwimmen. In der ersten Episode werden unsere vier Helden – allesamt Verlierer im Leben – vorgestellt. Ihr Ziel ist es, beim Bauwettbewerb der EnderCon zu gewinnen, um den legendären Gabriel, einen der vier Helden des Order Of The Stone zu treffen. Auf ihrem Abenteuer haben die Protagonisten mit rivalisierenden Gangs, Zombies, Spinnen, Skeletten und zu guter letzt sogar mit einem mysteriösen Alchemisten zu ringen. Doch ohne zu spoilern kann man verraten, dass nicht jeder der ist, der er zu sein scheint. So kann man, wenn man so möchte, das Abenteuer mit einem philosophischen Beigeschmack genießen oder sich einfach nur von der leicht verdaulichen Handlung berieseln lassen.

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Entscheidungen, Entscheidungen…

Der Handlungsverlauf wird vor allem durch in Dialogen getroffenen Entscheidungen beeinflusst und selbst in der ersten Episode spürt man ihre Konsequenzen. Soll dies ein kleiner Vorgeschmack sein auf das was noch kommen mag, oder eher eine Warnung und ein Appell an den Spieler seine Entscheidungen zu überdenken? Wir werden es wohl oder übel in den kommenden Episoden erfahren.
Was aber negativ aufgefallen ist, sind die sehr flach und künstlich wirkendenden Gespräche zwischen Helden und Rivalen. Dramen wo keine sein müssten und kindische Zickereien kommen in den zwei Stunden, die diese Episode dauert, viel zu oft vor und wirken sich auslaugend auf das Spielergemüt aus.

Das allseits beliebte Crafting auf der Werkbank wurde in veränderter Form in das Spiel eingebaut. An manchen Stellen der Handlung muss man mit den aus dem ursprünglichen Sandbox-Game bekannten Rezepten Gegenstände erstellen, die zum Lösen von Rätseln notwendig sind. Eine kleine Rezeptsammlung hilft Einsteigern und eingerosteten Minecraft-Veteranen auf die Sprünge. Zwar wurde man in der ersten Episode jedes Mal, sofern notwendig, vom Spiel zu den Werkbänken geleitet, aber an die nächsten Episoden habe ich in diesem Aspekt eine etwas intuitivere und selbstständigere Erwartung.

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Fazit:

Minecraft: Story Mode lässt Urgesteine des Fandoms vor Freude aufblühen und bietet gleichzeitig Neuzugängen ein freundliches Willkommen. Das Spiel kann sowohl von Jung, als auch von Alt genossen werden, und bietet vor allem in Gruppen beim Fällen von Entscheidungen viel Spaß und Nährboden für lustigen Unsinn. Bis auf manche gezwungen wirkende Dialoge ist das Zuhören auch sehr unterhaltsam und erlaubt es, mit seinen Spielkameraden zwischendurch immer wieder zu entspannen und einfach nur zuzusehen. Minecrafts Kernelement, das Crafting, wurde zwar geschickt eingebaut, aber es reicht in diesem Ableger der Serie bei weitem nicht aus, um jene zu befriedigen, die sich hauptsächlich kreativ austoben möchten. Die Individualität in Minecraft: Story Mode zeigt sich nicht an wahnwitzigen Konstruktionen, sondern am ganz persönlichen Ausgang der Geschichte.

 

— Aryan Havrest
Bewertung

Urteil + Einsteigerfreundlich (falls man Minecraft nicht gespielt haben sollte) + Wiedererkennungswert dank Artstyle und Musik + Einfache, entspannende Story + Stimmige, liebevoll erstellte Welt + Crafting nett implementiert - Etwas flache Charaktere - Unnötiges Drama zwischen manchen Charakteren - Kreativität hat keinen Platz
Alles in Allem Awesome