Fr, 11. September 2015

Vom Winde verweht - Mad Max

Überall Sand. Windhosen und Stürme stören meine Suche nach Wasser. Ich verdurste schön langsam. Mein Benzin ist auch schon fast leer und mein Magen brummt wie ein Grizzlybär. Zum Glück habe ich ein paar Maden gefunden, die den Hunger bis zur nächsten Basis stillen werden. Willkommen im Wasteland!

Mad Max ist wieder in aller Munde. Während Tom Hardy im neuen Streifen den Protagonisten spielt und eine neue Trilogie zur Post-Apokalypse geplant ist, geht der Kampf im Wasteland auf den Spielekonsolen weiter.  Avalanche Studios, Macher von Just Cause, haben sich dem Franchise angenommen und ein erstaunliches Open-World Game abgeliefert.

Max wird auf seiner Suche nach Frieden von den War Boys überfallen, diese stehlen seinen geliebten V8 Interceptor, all seine Waffen und Ausrüstung und lassen ihn in der unendlichen Wüste verrotten. Doch Max lässt sich nicht unterkriegen und schwört den Dieben und deren Clans Vendetta.
Auf dem Weg dahin trifft er so einige interessante Charaktere. Unter anderem den buckeligen, etwas verworrenen Mechaniker Chumbucket, der ihm bei seinem Rachefeldzug unterstützen möchte. Dieser will sein Meisterwerk, nämlich das Auto Magnus Opus zusammenstellen und Max soll ihm dabei unterstützen.

It’s a mad world

Schnell ist klar. Mad Max ist kein Game, welches nach 6-8 Stunden zu 100% durchgespielt ist. Verantwortlich dafür ist unter anderem die große Open-World. Im Wasteland kann jede Düne erkundet werden, überall lauern Gefahren und man weiß, man ist ein kleiner Teil eines Großen. So gibt es immer wieder zufällige Events, wie zum Beispiel War Boys, die die Gegend unsicher machen oder die lebensbedrohlichen Sandstürme. Diese kündigen sich durch eine große braune Sandwolke am Horizont an und ab hier sollte man schnell Deckung suchen. Denn die Stürme wehen allerhand Schrott durch die Gegend, die nicht nur dem Auto sondern auch Maxs Lebenleiste ordentlich an den Kragen gehen. Teilweise dauern diese aber so lange, dass man sich einen Kaffee herunterlassen kann. Daher die Devise: Abwarten und Tee Kaffee trinken!
Die Open-World selbst kann frei erforscht werden, es gibt überall Rennen, feindliche Camps, die ausgeräuchert werden wollen und allerhand Gefahren insich birgen. Ebenfalls überall verstreut sind Plünder-Lager, die man ausräumen muss, um an die Wasteland-Währung zu kommen: Schrott.
Mit Schrott kann der bucklige Chumbucket so einiges anstellen. Dieser stellt nämlich den Magnus Opus zusammen, Max Transportmittel und natürlich darf auch dieser von Bremslichter bis Stoßstange gepimpt werden. Viele verschiedene Waffen werden im Laufe des Spiels freigeschaltet und können aufgelevelt werden, sodass Gegner mit dem Auto keine Gefahr mehr darstellen. Sei es eine Kabelwinde, die Reifen inklusive Achse per Knopfdruck ausreißt oder explodierende Speere, die Gegner in Flammen aufgehen lassen. Wer nicht nur auf mehr Power unter der Haube steht, der kann sich mit den “Erzengeln”, wie Chum sie liebevoll nennt, seinen Magnus Opus richtig umgestalten. Jeder Engel hat nämlich andere Besonderheiten, die das Gameplay verändern. Ist man eher der Nahkampf-Typ so kann die Karre mit Stacheln ausgestattet werden und mehr Schrott in die Frontstoßstange gepumpt, um Rammattacken zu verstärken. Sollte der Magnus dann trotzdem den Geist aufgeben, muss Max aussteigen, damit Chumbucket die Schäden reparieren kann. In dieser Zeit sind die Spieler auf sich alleine gestellt. Hier gilt: Entweder die Shotgun auspacken und auf die Tanks der feindlichen Autos zielen oder ausharren, bis Chum den Magnus wieder fahrtüchtig gemacht hat.

Mad Max 1

Beim Kampfsystem hat sich Warner Bros. wohl gedacht: “Never change your winning team”. Dieses kennt man nämlich schon aus der Batman Arkham-Serie und dem hochgelobten HdR: Shadows of Mordor. Einzig die Kamera fixiert sich bei Kämpfen nicht, was zur Folge hat, dass man angreifende Gegner teilweise nicht sieht und so die Kombo schnell aufgelöst ist. Wer den Dreh raus bekommt, der kann innerhalb eines Kampfes die Kamera so bewegen, dass alle Gegner in Sicht sind – ist aber schwerer als gedacht!

In Punkto Steuerung gibt es auch Verbesserungspotential. Neben der Kamera muss Max immer direkt vor Objekte gesteuert werden, um mit ihnen zu interagieren. Wenn man also neben einem Benzinkanister steht, kann es sein, dass Max diesen gar nicht wahrnimmt. Erst wenn er zu Füßen liegt, kann er aufgehoben werden. Das nimmt öfter die Flüssigkeit aus den Bewegungen, wenn Leitern nicht erklimmbar sind oder die Autotür verfehlt wird und man kurz darauf wieder den Game Over Schirm vor Augen hat.
Auch die Hauptstory wirkt nicht so spektakulär wir der Rest des Spiels. Max schwört Rache. Dieser Aspekt wird bei jeden noch so kleinen Quest in den Schatten gestellt und NPCs wirken wesentlich interessanter als Maxs Kreuzzug gegen das gesamte Wasteland. Weiters ist das Ressourcen-Handling zwar eine gute Idee, macht aber im Komplettpaket wenig Sinn. Das Wasser dient als Heilmittel, welches an fast jeder Ecke gefunden werden kann und sobald man den Magnus ein bisschen hochgelevelt hat wird der Benzinverbrauch minimiert, sodass man nur nach langen Strecken einmal tanken muss. Die Not, dass einem etwas ausgeht, rutscht in den Hintergrund. Schade!

Fazit

Bei Mad Max wirkt das Gesamtkonzept. Die Liebe zum Detail in Sachen Grafik kann sich ruhig sehen lassen, die Open-World birgt eine hohe Suchtgefahr, die mich über Stunden hinweg umher fahren ließ, und ich demzufolge die Hauptstory noch immer nicht beendet habe. Über die etwas schwammige Steuerung kann man bei der rasanten Action im Wasteland und dem überaus flüssigen Kampfsystem hinweg sehen.

— David Bitzan
Bewertung

Urteil + massig Quests + Fahrzeug-Customizing + tolle Grafik - schwammige Steuerung - langweilige Story
Alles in Allem Awesome