Mi, 18. November 2020
Guter Schnetzelspaß, aber nicht der ganz große Hit

Guter Schnetzelspaß, aber nicht der ganz große Hit

Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung

Hyrule Warriors aus dem Jahr 2014 für die Wii U wagte es erstmals, die Massenschlachten der Musō-Spiele mit dem The Legend of Zelda-Universum zu verbinden. Ein ambitioniertes Projekt, das in vielen Punkten aber Mittelmaß blieb. Die Fortsetzung Zeit der Verheerung hat nun den Vorteil, auf dem besten Zelda-Spiel der letzten 20 Jahre als Grundlage aufzubauen. Reicht das, um auch Musō-Skeptiker mit ins Boot zu holen?

(Kleine Anmerkung im Vorhinein: Wir gehen jetzt mal davon aus, dass ihr Breath of the Wild gespielt habt oder zumindest wisst, worum es geht. Falls dem nicht so ist und ihr das noch nachholen wollt, hört bitte an dieser Stelle zu lesen auf, denn es folgen heftige Spoiler.)

Eigentlich sollte es von vornherein zum Scheitern verurteilt sein, einem Spiel wie Breath of the Wild ein Warriors-Kostüm anzuziehen. Kurz zur Erklärung: Die Musō-Spiele der Dynasty Warriors-Reihe leben davon, in massiven Schlachten auf abgesteckten Arealen gleich hunderte Gegner auf einmal umzuhauen, gewürzt, je nach Ableger, mit einer kleineren oder größeren Prise Taktik. Breath of the Wild lebte hingegen von seiner ruhigen Atmosphäre, seiner Möglichkeit, es kreativ zu spielen, und seiner großen, offenen Welt. Genau das, was Musō-Spiele also nicht haben. Zeit der Verheerung umgeht das aber ziemlich geschickt und verlegt die Handlung einfach in den großen Krieg gegen die Verheerung Ganon, der 100 Jahre vor der Handlung von Breath of the Wild stattgefunden hat und bekannterweise katastrophal in die Hose gegangen ist. Und da ist ja wohl etwas mehr Action gerechtfertigt.

Link bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Die Geschichte von Zeit der Verheerung dreht sich um Link, Zelda und die Champions der verschiedenen Völker Hyrules, die mit ihren mechanischen Kriegstitanen versuchen, bei der Ankunft der Verheerung Ganon für den Krieg bereit zu sein. Hier dürfte ein Traum für alle in Erfüllung gehen, die sich mehr Hintergrundgeschichte für Breath of the Wild gewünscht haben, denn dieser Krieg wurde zwar immer wieder erwähnt, aber bis auf kurze Ausschnitte kaum gezeigt. Vor und nach den Schlachten in Zeit der Verheerung hingegen gibt es massig Zwischensequenzen und Dialoge, die die Vorgänge rund um diesen Krieg genauer beleuchten. Blondschopf Link bleibt dabei zwar wie immer gesprächig wie ein Tischbein, aber dafür macht der Rest der Mannschaft das mit sympathischen und nachvollziehbaren Auftritten wieder wett. Abgesehen davon schaffen es die Schlachten an sich sehr gut, die Stimmung in Hyrule kurz vor der Ankunft von Ganon einzufangen, es liegt immer eine Mischung aus Verzweiflung und Kampfeswillen in der Luft.

Dass uns die Story an sich letzten Endes dennoch massiv enttäuscht hat, liegt an Gründen, die wir ohne Spoiler nicht besprechen können. Hier sei nur so viel gesagt, dass wir uns von Nintendo und Entwickler Omega Force um einiges mehr Mut gewünscht hätten. Außerdem möchten wir auch erwähnen, dass sich Zeit der Verheerung eindeutig fast ausschließlich an Menschen richtet, die Breath of the Wild gespielt haben. Nichtkenner kommen zwar auch gut durch, da das Gameplay nichts mit diesem Spiel zu tun hat, aber storymäßig werdet ihr ohne Vorkenntnisse kaum verstehen, warum wer jetzt was tut.

Weit besser hat uns das Gameplay an sich gefallen. Mit einem immer größer werdenden Team von Charakteren aus dem Breath of the Wild-Universum schnetzelt ihr euch durch den Kriegsschauplatz Hyrule, dass es nur so eine Freude ist. In den verschiedenen Missionen werdet ihr dabei viele bekannte Orte besuchen, die von Hunderten von Moblins, Bokblins, Leunes und so weiter bevölkert werden. Die Grundsteuerung bleibt dabei für alle spielbaren Charaktere wie Link, Zelda, Impa usw. gleich – es gibt leichte und schwere Attacken, die ihr in verschiedenen Kombinationen ausführt. Da aber jeder Charakter eine andere Art zu kämpfen hat, fallen die Attacken dann doch sehr unterschiedlich aus. Link kann zum Beispiel gleich aus mehreren Waffen auswählen und haut dann wahlweise mit Schwert, Speer oder Keule drauf. Goronenrecke Daruk dagegen greift auf Steinprügel und Magmaattacken zurück. So lernt ihr für jeden die Vor- und Nachteile kennen, während ihr Erfahrungspunkte sammelt und im Level aufsteigt. Zur Unterstützung habt ihr außerdem verschiedene Elementarangriffe sowie den Shiekah-Stein, mit dem ihr die aus Breath of the Wild bekannten Module wie Magnetismus, Stasis oder die guten alten Bomben einsetzen könnt. Durch das geschickte Zusammenspiel von Attacken und die Notwendigkeit, mit den erwähnten Items Schwachstellen der größeren Gegner auszunutzen, entsteht ein unglaublicher Sog, der euch viele Stunden unterhalten wird. Abgesehen davon ist es einfach ein Riesenspaß, Gegner haufenweise umzuhauen, für die ihr in Breath of the Wild noch mühsame Einzelarbeit leisten musstet. Fast schon ein bisschen Rache nehmen für diverse „Game Over“.

Wächter gehören zu den härtesten Gegnern im Spiel.

Im Vergleich zum Vorgänger Hyrule Warriors haben die Entwickler das Taktik-Element zurückgeschraubt. Es gibt zwar noch Festungen und Außenposten, die ihr einnehmen könnt, diese spielen aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Außerdem ist für unseren Geschmack der Schwierigkeitsgrad eine Spur zu niedrig ausgefallen, bevor das Spiel im letzten Drittel in diesem Punkt noch einmal ziemlich anzieht. Das Gute daran ist aber, dass ihr nie sinnlos grinden müsst, mit Dutzenden von Haupt- und Nebenmissionen sind eure Charaktere eigentlich immer für die nächste Schlacht gerüstet. Sehr gut hat uns auch das neue Ressourcenmanagement gefallen. Ihr sammelt in jeder Schlacht haufenweise Rohstoffe, mit denen ihr dann auf einer riesigen Karte von Hyrule bestimmte Aufträge erfüllt. Diese bewirken dann etwa, dass ein Charakter Zusatzherzen verliehen bekommt oder dass ihr ein neues Kochrezept lernt, mit dem ihr eure Helden für den Kampf stärken könnt. Sehr simpel, aber dennoch unendlich motivierender als das Gefitzel in Untermenüs wie in Hyrule Warriors. Die Langzeitmotivation bleibt so auch noch Storyende erhalten.

Eines allerdings haben viele Musō-Spiele gemeinsam, und Zeit der Verheerung ist da leider keine Ausnahme – technisch lässt das Spiel massiv zu wünschen übrig. Hyrule ist optisch recht ordentlich gestaltet, und vor allem die Verwendung des Looks und der Soundeffekte von Breath of the Wild hat uns sehr gut gefallen. Wir haben es allerdings durch keine einzige Schlacht geschafft, ohne dass wir uns über gröbere Ruckler ärgern mussten. Die Switch geht in Sachen Framerate bei den Massenschlachten oft in die Knie, egal ob im Handheld oder im Docked-Modus. Im Docked-Modus scheint das Ganze sogar noch schlimmer zu sein, da das Spiel auf dem Fernseher die Auflösung erhöht und die Switch dadurch noch mehr zu tun hat. Durch das insgesamt leicht matschige Bild geht außerdem oft genug die Übersicht flöten, was auch an der teilweise katastrophalen Kameraführung liegt. Wenn ihr größere Gegner anvisiert, zoomt die Ansicht nicht raus, sondern geht viel zu nahe ran – wenn sich die Monster oder ihr dann etwas schneller bewegen oder der Kampf vielleicht sogar in einem engeren Raum stattfindet, seht ihr sekundenlang einfach gar nichts außer ein Wirrwarr aus Gliedmaßen und Kampfeffekten. Da ist es dann fast nur eine Nebensache, dass Vegetation oder sogar Gegnergruppen oft erst aufpoppen, wenn ihr einen halben Meter davorsteht.

Im Zweispieler-Modus leidet die Übersicht schon mal

Unglücklicherweise leidet auch der Zweispielermodus darunter. Den finden wir an sich toll gelungen, weil ihr mit einem Knopfdruck einen Mitspieler dazuschaltet und die Schlachten einfach im Splitscreen durchschnetzeln könnt. Allerdings braucht das natürlich noch mal mehr Leistung – Zeit der Verheerung versucht das dadurch zu lösen, die Auflösung und die Sichtweite weiter runterzuschrauben, um das Spiel flüssig zu halten. Eine gewisse Leidensfähigkeit gehört also dazu, wenn ihr Zeit der Verheerung zu zweit spielen wollt. Wir können nur hoffen, dass Entwickler Omega Force in Sachen Technik bald nachpatcht, auch wenn sich eine Tatsache bei dieser Art von Spielen leider nicht verbergen lässt: Die Switch ist einfach ein bisschen schwach auf der Brust und schon leicht in die Jahre gekommen. Wunder erwarten wir also nicht.

Insgesamt ist Zeit der Verheerung also eine klare Steigerung zu seinem Vorgänger Hyrule Warriors, die wir aber nicht uneingeschränkt empfehlen können. Ihr seid Breath of the Wild-Fans, die Bokblins schon immer mal in Zehnergruppen verklopfen wollten und technische Mängel machen euch nichts aus? Zugreifen! Der Rest spielt vielleicht erst mal Probe, denn lobenswerterweise gibt es eine Demoversion, von der ihr den Spielstand dann in die Vollversion übertragen könnt, und die sehr gut zusammenfasst, was euch im Hauptspiel erwartet – sowohl positiv wie auch negativ.

— Martin Hammerl

7.5

Das Gute

Tolles Kampfsystem

Überzeugende Atmosphäre

Großer Umfang, Langzeitmotivation passt auch

Endlich mehr Hintergrundfutter für Breath of the Wild-Fans

Das Schlechte

Große technische Probleme

Story bleibt leider 08/15

Shortcut Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung
Release 20. Nov 2020
Studio Omega Force
Publisher Nintendo
Alles in Allem Good