Mi, 2. Juni 2021
(Don’t Fear) The Reaper

(Don’t Fear) The Reaper

Mass Effect Legendary Edition

14 Jahre ist es her, dass Commander Shepard in einer der besten Spielereihen aller Zeiten aufgebrochen ist, um die Galaxie vor den Reapern zu retten. Vier Jahre ist es her, dass Entwickler BioWare den Ruf der Marke mit Mass Effect: Andromeda ordentlich verhunzt hat. Zeit also, zu alter neuer Stärke zurückzukehren und die ersten drei Teile in der Legendary Edition neu zu erleben. Zahlt sich die Wiederholung aus?

Nach Misserfolgen wie Anthem und dem bereits erwähnten Andromeda setzt Entwickler Bioware also auf eine „gmahde Wiesn“, wie es auf gut Österreichisch heißt. Beim Namen Mass Effect bekommen Videospielfans weltweit immer noch leuchtende Augen, was läge also näher, die Teile 1 bis 3 aufzupolieren und so zeitgemäß wie möglich nochmal zu veröffentlichen? Vor allem, wenn das Originalmaterial so gnadenlos gut ist.

Commander Shepard, die größte Heldin der Galaxis – oder wahlweise der größte Held.

Teil 1, 2 und 3 sind im Kern Third-Person-Shooter mit Rollenspielelementen (je nach Teil mal mehr, mal weniger). Teil 1 wirkt im Jahr 2021 zwar ein bisschen schlechter gealtert als die Nachfolger, aber im Prinzip passt hier alles, was passen soll: Knackige Kämpfe, eine riesige, glaubwürdige und zum Bersten gefüllte Science-Fiction-Welt sowie vor allem großartige Dialoge und eine toll geschriebene Geschichte sind auch 14 Jahre nach Start der Reihe ein Garant für hunderte Stunden Spielspaß. Die Frage ist also nur, ob ihr die Reihe besser mit den Originalen oder doch mit der Legendary Edition angeht. Wir wollen euch an dieser Stelle gar nicht lange auf die Folter spannen und sagen schon mal: Mission rundum geglückt, BioWare darf sich über einen großen Erfolg freuen. Was macht die Legendary Edition also anders als früher?

Kleine Shepard, großer Reaper.

Sie ist vor allem mal hübscher. So toll die Spiele auch im Kern immer noch sind, die Originaloptik wirkt doch schon mehr als angestaubt, gerade mit Blick auf den ersten Teil. BioWare hat allen Teilen ein Paket aus neuen Texturen, Beleuchtungseffekten, Shadern und vielem mehr spendiert. Das Ganze läuft dann je nach Plattform auch um einiges schneller und höher aufgelöst. Auf den Konsolen wählt ihr dabei zwischen zwei Modi, Performance oder Qualität – im Qualitätsmodus seid ihr dann auf der Xbox One X und der PS4 Pro etwa in 4K unterwegs, wenn auch nur mit 30 fps. Der Performancemodus schraubt die Auflösung herunter, aber dann gibt’s auf den Last Gen Konsolen bis zu 60 fps. Bei unserem Test hat die Xbox One X allerdings auch im Performancemodus die 60 Frames nicht dauerhaft halten können – dafür gibt’s auf den aktuellen Vertretern Series X und PS5 gleich mal bis zu 120 FPS in Full HD oder ebenfalls butterweiche 60 fps in 4K. Und PC-User sind sowieso von sämtlichen Beschränkungen ausgenommen, wenns die Hardware hergibt.

Und was heißt dieses technische Gequatsche jetzt? Mass Effect 1,2 und 3 sehen zwar immer noch nicht wie Spiele aus dem Jahr 2021 aus, aber sie kommen teilweise verflixt nahe ran. Gerade in stimmungsvollen Umgebungen wirken die Verbesserungen Wunder – das eigentliche Alter der Spiele merkt man dann bloß noch an den wirklich nicht mehr zeitgemäßen Animationen, gerade im Gesicht der Charaktere. Gut, dass BioWare dem Remaster auch einen Fotomodus spendiert hat, mit dem ihr Shepard und seine/ihre Mannschaft aus wirklich jedem Winkel abbilden könnt.

Der Fotomodus macht was her – Filter natürlich inbegriffen.

Abgesehen von der Optik ist es vor allem der erste Teil, der am meisten vom Remaster profitiert. Während das Gameplay von Teil 2 und 3 auch ohne große Verbesserungen gut besteht, hat BioWare den ersten Teil stellenweise von Grund auf erneuert. Die Kämpfe wirken knackiger, die Ladezeiten sind kürzer (Stichwort Aufzugfahrten!!!), das HUD mehr an die Nachfolger angelehnt. Auch die Planetenerkundungen mit dem Mako-Fahrzeug sind um einiges weniger nervenaufreibend als früher, gummiballartige Hüpfer über Berge gehören dank neuer Fahrphysik großteils der Vergangenheit an. Der Umfang stimmt ebenso, denn BioWare hat sämtliche DLCs für die drei Teile ins Paket gesteckt, immerhin um die 40 Stück. Einzige Ausnahme ist der Pinnacle-DLC für Teil 1, denn da war der Code unrettbar verloren. Für den Preis eines Spiels bekommt ihr also Inhalte, für die ihr früher im Komplettpaket mehrere hundert Euro bezahlt hättet (oder habt). Kein schlechtes Angebot für hunderte Stunden Spielspaß, die ihr für komplette Durchläufe reinstecken werdet.

Die Legendary Edition von Mass Effect ist also auf alle Fälle einen Kauf wert: Entweder ihr kennt die Spiele von früher und möchtet sie im zeitgemäßen Gewand nochmal erleben. Oder ihr seid mit den Spielen noch gar nicht in Berührung gekommen, dann habt ihr jetzt die Chance, eine der besten Spielereihen aller Zeiten in ihrer schönsten Form kennenzulernen.

— Martin Hammerl

9

Das Gute

Qualität der Spiele weiterhin ungebrochen gut

Riesiger Umfang mit drei Hauptspielen und über 40 DLCs

Sinnvolle Verbesserungen im 1. Teil

Optische und Performance-Verbesserungen sehr gelungen

Das Schlechte

Alter der Spiele manchmal nicht ganz zu leugnen

Shortcut Mass Effect Legendary Edition
Release 14. Mai 2021
Studio BioWare
Publisher Electronic Arts