Mi., 4. Nov. 2026
Die Legende kehrt zurück

Die Legende kehrt zurück

The Legend of Zelda: Ocarina of Time

Mit dem Remake eines der größten und wichtigsten Spiele aller Zeiten liefert Nintendo eine rundum gelungene und wunderbar zeitgemäße Version für das Jahr 2026 ab. Trotz aller Begeisterung stellen wir uns nach dem Durchspielen aber ganz leise auch die Frage, ob es nicht NOCH besser gegangen wäre.

Es ist schwierig, den Einfluss von Ocarina of Time auf die Geschichte der Videospiele zu überschätzen. Kaum ein Game hat einen dermaßen großen kulturellen Fußabdruck hinterlassen, auf ewigen Bestenlisten findet es sich auch heute noch auf den vorderen Plätzen. Das Nintendo 64-Original aus dem Jahr 1998 ist allerdings vor allem technisch inzwischen hoffnungslos veraltet. Auftritt Nintendo, die Ocarina of Time jetzt ins Jahr 2026 holen.

Fans werden viele Momente wiedererkennen.

Räumen wir sämtliche Zweifel gleich mal aus dem Weg: Ja, auch das Remake ist ein wunderbares Spiel geworden. Die Menschen bei Nintendo haben offenbar ganz genau gewusst, wie wichtig Ocarina of Time für die versammelte Gamerschaft ist, und die Entwicklung im Gegensatz zu anderen (ebenfalls tollen!) Remakes wie der OoT-3DS-Version aus dem Jahr 2011 oder Link’s Awakening aus 2019 nicht an Grezzo ausgelagert, sondern bei sich selbst belassen. Und das dürfte die goldrichtige Entscheidung gewesen sein.

Viel, aber nicht alles beim Alten

Für alle, die mit dem Remake das erste Mal in Berührung mit Ocarina of Time kommen: Die Story dreht sich um den jungen Link, der bei einem Volk fröhlicher Waldkinder aufwächst. Klarerweise bleibt nicht alles Sonnenschein, schon bald muss Link losziehen, um die Welt von Hyrule vor dem ultimativen Bösen zu retten. Das Besondere an Ocarina of Time ist dabei, dass ihr Link sowohl als Kind wie später auch als Erwachsenen steuert. Je nachdem, in welcher Zeit ihr euch bewegt, ändern sich Spielwelt und Items, die ihr einsetzen könnt. Während der junge Link zum Beispiel noch mit Schleuder und Kernen auf Gegner schießt, bekommt der erwachsene Link dafür Pfeil und Bogen in die Hand. Mit diesen und mehr Items ausgerüstet, zieht ihr durch das Land, um in insgesamt neun(einhalb) Dungeons und einer großen Oberwelt das Böse zur Strecke zu bringen.

Link zieht los in die weite Welt.

Daran hat sich auch im Remake null geändert. Die Story bleibt absolut gleich, wenn auch mit moderneren Möglichkeiten wie einer (nicht durchgehenden) Sprachausgabe erzählt. Charaktere wie Impa, Sheik oder auch Bösewicht Ganondorf bekommen so mehr Tiefe und werden mit mehr Leben erfüllt als ihre holzschnittartigen 1998-Versionen. „Mehr Leben“ ist auch eine gute Beschreibung für die Welt im Allgemeinen: Hyrule ist im Remake einfach wunder-, wunderschön geworden. Durchgehend flüssig, sowohl im Handheld wie auch im Docked-Modus, spielt ihr euch durch eine liebevoll gestaltete und modernisierte Welt. Veteranen werden sich trotzdem sofort blind zurechtfinden, auch wenn die eine oder andere Neuerung beim Aufbau der Welt wartet. Das Einzige, was uns auch bis zum Schluss nicht hundertprozentig überzeugt hat, ist die Gestaltung der Charaktere an sich. Prinzipiell funktioniert der Artstyle unserer Meinung nach wunderbar, aber die Spielfiguren selbst haben oft etwas Puppenhaftes an sich. Gerade der junge Link und die junge Zelda werden die Spielerschaft mit ihrem Design vermutlich spalten.

Großartiges Gameplay, exzellente Steuerung

Das Gameplay an sich ist allerdings über jeden Zweifel erhaben. Wir haben selten ein Game in die Finger bekommen, das sich einfach so gut SPIELT wie das Ocarina of Time-Remake. Link bewegt sich butterweich durch Hyrule, was vor allem auffallen wird, wenn ihr noch das Originalspiel im Kopf habt. Die Steuerung ist wunderbar umgesetzt und fühlt sich einfach wahnsinnig knackig an, die Menüs funktionieren großartig und Nintendo hat im Vergleich zum Original genau die richtigen Ecken und Kanten abgeschliffen. Ansonsten halten sich die Entwickler mit Änderungen aber sehr zurück. Wenn sich Veteranen fragen, was im Remake jetzt anders ist als im Original, können wir diese Frage wirklich mit Kleinigkeiten beantworten.

Als Erwachsener hat dann auch das Master-Schwert die richtige Größe.

Es gibt jetzt einen dezidierten Sprungknopf, Link hüpft nicht mehr automatisch über Kanten. Anstatt durch die Gegend zu rollen, gibt es jetzt eine Sprintfunktion (die uns aber mehr wie ein Placebo vorgekommen ist, einen großen Geschwindigkeitsunterschied zum normalen Laufen hätten wir nicht festgestellt). Link kann jetzt auch als Erwachsener Masken tragen. Die Dungeons insgesamt wirken leicht gestrafft und moderner (looking at you, Wassertempel), so sind etwa sämtliche Zeitlimits für Rätsel aus dem Original im Remake verschwunden. Dank Mikrofon könnt ihr beim Spielen der Ocarina echte Instrumente verwenden, oder das gewünschte Lied auch einfach in den Controller summen. Mit den neuen „Spuren der Zeit“ gibt es im Remake so etwas wie ein Questlog, in dem ihr eure nächsten Schritte nachlesen könnt, und und und. Ihr merkt, die Änderungen bewegen sich im Detailbereich.

Aber…

Und da sind wir dann beim klitzekleinen „Warum“, das uns nach dem Abspann durch den Kopf gegangen ist. Nintendo hätte mit diesem Remake die Chance gehabt, die Geschichte aus Ocarina of Time neu zu erzählen und auch für Veteranen neue Herausforderungen einzubauen. Stattdessen halten sich die Entwickler sehr stur an das Gerüst aus dem Jahr 1998. Die minimalen Veränderungen funktionieren alle großartig und fügen sich wunderbar ins Gesamtbild ein, aber wenn ihr Ocarina of Time „von damals“ noch auswendig könnt, kann euch hier nichts überraschen. Bis zum Schluss haben wir etwa sehnlich darauf gehofft, dass auch die schwierigere und überarbeitete Master Quest-Version enthalten ist, aber auch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Diese Schattenhände kriegen jetzt eins auf die Finger.

So bleiben am Ende zwei Empfehlungen. Die erste geht an Menschen, die Ocarina of Time noch nie gespielt haben: Für die empfehlen wir dieses Remake uneingeschränkt, denn eines der wichtigsten und spaßigsten Spiele aller Zeiten im zeitgemäßen Gewand erleben zu können, daran kann nichts falsch sein. Vor allem auch, weil das Remake 60 statt der inzwischen für neue Titel üblichen 80 Euro kostet.

Veteranen, die das Original kennen, empfehlen wir das Remake zwar auch, aber nur, wenn ihr euch im Klaren seid, was euch erwartet: nämlich ein wunderschöner und im Prinzip moderner Nostalgietrip, der aber große Neuerungen vermissen lässt. Wenn euch das nicht stört, dann ab zurück nach Hyrule.

— Martin Hammerl

9

Das Gute

+ Im Kern immer noch eines der besten Spiele aller Zeiten

+ Wunderschöne Spielwelt

+ Zeitgemäße Neuerungen bei Steuerung und Bedienung, großartig umgesetzt

+ Technisch einwandfrei

+ Fairer Preis für ein Remake

Das Schlechte

- Neuerungen nur im Detailbereich

- Umfang für heutige Verhältnisse gering

Shortcut The Legend of Zelda: Ocarina of Time
Release 5. Nov. 2026
Studio Nintendo EPD
Publisher Nintendo
Alles in Allem Legendär gut