Mo., 12. Okt. 2026

"Die Leute haben gesagt, 'Ihr seid das fettere Deichkind.'"

FETTE FETE im Interview

Sie waren Voract von The Streets, quer durch Österreich schon auf Festivals vertreten und irgendwie sind sie immer noch ein Geheimtipp: FETTE FETE. Das Kollektiv macht In-die-Fresse-Indie und vereint im Studio und auf der Bühne unterschiedlichste Skillsets. Vor allem bei ihren Live-Shows werden Stimmen, Sounds, Bewegungen und Lichter zu einer gigantischen Fete mit allen Facetten, die eine arge Partynacht zu bieten hat. Und damit meinen wir wirklich allen Facetten. Nun geht es mit ihrer neuen Single „MANIC PIXIE DREAM GIRL“ in Richtung zweites Album, inklusive Oktober-Releaseshows in Graz und Wien. Mit VOLUME haben sie darüber geredet. Und ein bisschen Party gab es auch.

(c) Simon Kuro

Ihr seid kurz davor, nach “Leicht Daneben” euer zweites Album rauszubringen. Was erwartet uns bei “Endlich Drauf”?

Frido: Es bleibt gleich fett… nur halt anders. Diesmal vielleicht mit noch ein bisschen mehr Gesellschaftskritik als beim ersten Album. Wir haben uns zudem in verschiedenen Stilistiken, Rhythmen und Feelings ausprobiert, spannende Features gemacht und unsere Crew ist glücklicherweise auch weiter gewachsen.

Michi: Am ersten Album sind wir abgehoben, jetzt sind wir gelandet und haben dabei sogar Freund*innen gefunden. Die Fete fühlt sich komplett an, mit all dem, was wir an unterschiedlichen Skills mitbringen. Und auch inhaltlich sind es im Vergleich zum ersten Album irdischere Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Abgespaced bleibt der Sound natürlich trotzdem. 

Was gibt eurem Style trotz Entwicklung immer Wiedererkennungswert?

Roli: Wir bleiben weiterhin unbestreitbar In-die-Fresse und die Beats werden höchstens fetter. Diesen Anspruch werden wir verlässlich erfüllen.

(c) Kristina Leitner

Neue Single: Im neuen Song „MANIC PIXIE DREAM GIRL“ geht’s um das klassische Hollywood-Klischee. Wieso genau das Trope?

Stephie: Mich hats schon immer gestört, wenn Frauen so dargestellt werden: Da gibt’s dann eine sehr coole, exzentrische, verträumte, kreative weibliche Figur, die im Film scheinbar nur vor sich hin existiert, um einem melancholischen Hauptdarsteller den Lebenssinn zu retten. Und das, obwohl sie selbst Ziele, Träume und Probleme hat, vielleicht struggelt sie auch mit Neurodivergenz. Ihr Charakter wird in besagten Filmen, und auch in Real Life, eher fetischisiert als wahr- und ernstgenommen. Oft gibt es dann auch kein “Happy End” für das Manic Pixie Dream Girl. Darüber wollte ich mal einen Song machen.

(c) FETTE FETE

Ihr spielt am 16.10. in Wien und am 17.10. in Graz. Was habt ihr euch für die Shows Besonderes überlegt?

Fabi: Erstens haben mit Spucka und Al Pone echt talentierte Voracts, die uns da supporten und unsere Show hat sich natürlich auch weiterentwickelt. 

Michi: Die Show entsteht bei uns ja immer gemeinsam mit dem Publikum. Wir waren selbst erstaunt, wie sehr die Leute da schon abgegangen sind. Und natürlich haben wir auch unsere tolle Lichtlerin dabei.

Stephie: Je nachdem, in welcher Größe und Formation wir spielen, machen wir uns schon immer sehr viele Gedanken, wie unsere Konzerte fürs Publikum möglichst unterhaltsam werden.

Frido: Wir haben uns sogar eine Choreo überlegt!

Was waren so Rückmeldungen, die ihr bisher vom Publikum bekommen habt? 

Frido: “Euer Schlagzeuger ist verrückt.” Und dass wir ziemlich Stimmung machen.

Michi: Die Leute haben auch schon gesagt, „Ihr seid das fettere Deichkind.“, was uns sehr ehrt.

Stephie: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Satz einer lieben Person: “Ihr ladet die Leute dazu ein, weird zu sein.”

„Ihr ladet die Leute dazu ein, weird zu sein.“

Was ist ein erinnerungswürdiger Moment, der euch auf oder hinter der Bühne passiert ist?

Frido: Beim Grünland-Festival haben wir überlegt, ob wir die Leute zu einer Polonaise einladen sollen, uns dann aber dagegen entschieden. Und dann, beim Konzert, haben sie von selbst eine gestartet. Geendet hat das ganze Konzert damit, dass die Festivalcrew seifenblasenumgeben und polonaisetanzend mit uns auf der Bühne abgegangen ist.

Michi: Und mit dem Bassisten von The Streets eine rauchen. 

(c) Kristina Leitner

Frido, du hast in Mannheim an der POP Akademie studiert. Wie bringst du das dort Gelernte in FETTE FETE ein?

Frido: FETTE FETE war sogar Teil meines Abschlussprojekts an der Uni: Weil ich das Ganze halt selbst echt cool finde und mich da soundtechnisch austoben kann. Ich setze gern Ideen um, schaue, was man mit Sounds und Stimmen machen kann. Beispielsweise bediene ich mich auch situationsbedingt an Geräuschen, die während des Produzierens entstehen. Einmal hat neben uns der Bandhund geknurrt und das konnten wir perfekt für einen Song verwenden.

Michi: Gefühlt ist Frido eh ein halber Psychologe. Da gehört schon viel Empathie dazu, Leute dazu zu bringen, beim Recorden das Beste aus sich rauszuholen. Das schafft er mit viel Feingefühl. Und er ist auch ultra kreativ. Man wollte out of the Box denken? Dann fragt Frido sowas wie: “Was, es hat eine Box gegeben??”

„Da gehört schon viel Empathie dazu, Leute dazu zu bringen, beim Recorden das Beste aus sich rauszuholen.“

Michi, du hast FETTE FETE mit Frido gegründet. Du hast ganz viele eurer Grafiken und Musikvideos selbst konzipiert, gedreht und geschnitten, teilweise sogar selbst gezeichnet. Wie kam es dazu?

Michi: Ich war über 10 Jahre selbstständig in dem Bereich und hab jahrelang für andere Musikvideos produziert. Jetzt wollte ich mal alle Visionen umsetzen, die mir so vorgeschwebt sind. Persönlich war ich immer schon großer Fan von Frame-by-Frame-Animation und hab gemerkt, wenn ich möchte, dass Sachen so werden, wie ich es mir vorstelle, mag ich es selbst machen. Außerdem machts extrem viel Spaß und du kannst einen anderen Part von einem selbst einfließen lassen. Eine andere Form von Kreativität.

Roli: Du bist eigentlich ausgebildeter Jazz-Drummer, warst bei Granada dabei und spielst noch in anderen Projekten. Wie unterscheidet sich FETTE FETE von dem, was du sonst machst?

Roli: Hier mitzumachen fühlt sich für mich an wie ein Computerspiel, ist also eine komplett andere Challenge als bei meinen sonstigen Projekten wie Pipeline Punch oder Produktionen im Burgtheater. Im Grunde ist meine Aufgabe bei FETTE FETE, dass ich extrem gut mit dem Computer zusammenspielen muss. Die anderen machen eh verlässlich ihr Ding.

Fabi, du bist selbst Musiker, wie bist du zu FETTE FETE gestoßen?

Fabi: Ich kenn und schätze Frido ja seit dem Studium und als FETTE FETE losging, war ich direkt gehyped. Frido hat dann gesagt, ich solle mich mal mit Michi treffen, dann hab ich ihn und Stephie kennen gelernt und menschlich wie musikalisch hat es gleich voll harmoniert – und jetzt freu ich mich, dabeisein zu dürfen.

Wenn ihr Fete macht, wie feiert ihr heute?

 

Fabi: Wenn ich wirklich mal fortgeh, tanz ich am liebsten die ganze Nacht durch.

Michi und Stephie: Mit absurd langen Zock-Sessions.

Zum Schluss: Wenn FETTE FETE die ultimative Abschlussfete für die Menschheit ausrichten müsste, welche Dinge müssten unbedingt dabei sein?

Frido: Der Roli.

Michi: Fette Bässe. Dicke Moves. Bisschen Bling. Und viel Liebe.