Mo., 28. Sep. 2026
Kurdische Oma - EsRap
EsRap
Kurdische Oma
2026

Mit „Kurdische Oma“ präsentieren EsRAP ihre Version eines Sad Summer Songs – eine Meditation über Sehnsucht, Sommererinnerungen und die Unmöglichkeit, an Orte zurückzukehren, die in uns leben.

Manche werden sich jetzt fragen, ob es sinnvoll ist, einen Sad Summer Song Ende September zu veröffentlichen? Natürlich, denn die Erinnerung an den Sommer gewinnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, eine besondere melancholische Note. Sie wird kostbar, weil sie vergeht. Genau diese flüchtige Hitze schwingt in „Kurdische Oma“ mit – produziert von TESTA mit seiner charakteristischen Mischung aus Arabeske-Melodien und modernen Hip-Hop-Beats.

In ihrer Kindheit fuhren die Geschwister Enes und Esra Özmen jeden Sommer in die Türkei. Sie trugen sich voll von Erinnerungen: Ortaköy, das vielfältige, weltoffene Viertel im Istanbuler Stadtteil Beşiktaş, wo ihre Mutter herkam – Symbol einer modernen, kosmopolitischen Türkei.

Aber der Wiener Sommer hat auch seine archetypischen Orte für EsRAP: der 9er Park in Ottakring, wo sich die Straßenbahnen treffen und wo die Migrantenkinder auf der Straße spielten – dort, wo der Vater herkam, damals als Esra und Enes noch kein Wort Deutsch verstanden.

Der Titel verspricht es: „Kurdische Oma“ reiht sich ein in die vielen Songs EsRAPs über Identität. Die Oma war Nomadin, der Opa Gastarbeiter in Wien. Beide haben ihre Spuren in der Erinnerung und in der DNA der beiden Geschwister hinterlassen – ihre Augen, ihre Haare, ihre Geschichten.

Doch gleichzeitig ist da die schmerzhaft klare Erkenntnis: Man kann nicht zurück. Man kann höchstens fahren „im Auto in den Süden“, während man „ein Ausländer mit Vergnügen“ bleibt. Heimat in keiner Welt und in beiden gleichzeitig.

Doch EsRAP sehen ihre Doppelidentität nicht als Verlust, sondern als Überfluss. Wie Esra Özmen es formuliert:

„Wenn man zwei Identitäten hat, subtrahiert man das nicht – man addiert das.“

Das wird in den Lyrics greifbar: „Ich hab drei Kräfte, vier Plätze, fünf Feste, sechs Schätze, sieben Witze, acht Ideen parat.“ Nicht Widerspruch, sondern Vielfalt. Nicht Zerreißung, sondern Reichtum.

„Kurdische Oma“ singt von den Großmüttern, die Zöpfe flechten, von Jacken mit bunten Knöpfen, von Erinnerungen, die nicht verblassen sollen. Es singt von der Unmöglichkeit, sie bewahren zu können. Und es singt davon, dass genau diese Unmöglichkeit das Leben interessant macht – melancholisch, lebhaft, komplex, wahr.

EsRAPs neues Album wird 2027 erscheinen.

— Sebastian Juhn
Release 2026-09-28