Liebe automatische Schiebetür,

 

wir haben nun schon seit geraumer Zeit gröbere Probleme miteinander. Wenn ich mich recht entsinne, müssten es mittlerweile fast Jahrzehnte sein. Ich wollte diese Probleme jetzt ein für alle Mal lösen und dich deshalb fragen: Was ist mit dir?

 

Warum verweigerst du mir sekundenlang den Einlass zum Billa? Und weshalb lässt du mich vollbepackt mit schweren Einkaufstaschen drinnen darauf warten, den Supermarkt wieder zu verlassen?

 

Nur zu gut erinnere ich mich, schon einmal als Kind in vollster Naivität hinter meinem Vater durch eine Schiebetür gegangen zu sein und von selbiger in der Mitte eingezwickt worden zu sein. Ein traumatisches Ereignis, das ich bis heute nicht verarbeiten konnte. 

 

Zusätzlich drängt sich mir auch langsam die zerknirschende Frage auf, was andere Menschen vor Schiebetüren anders machen, um gleich durchgelassen zu werden. Zunächst wollte ich mit einem entgeisterten Blick Richtung Sensor die gewünschte Wirkung erreichen. Mittlerweile gehe ich schon einen Schritt weiter und versuche zum Teil mit Bewegungen, die sonst nur noch Karate Kid im Repertoire hat, dem Sensor über der Türe meine Anwesenheit mitzuteilen. Oft bleibt auch das erfolglos…

 

Am schönsten finde ich aber die Momente, wenn weder der Sensor innen, noch der Sensor außen reagiert, und schon von beiden Seiten Leute entnervt auf das Öffnen der Schiebetür warten. Geht diese dann endlich auf, treffen zwei gestresste Menschen in Herzblatt-Manier aufeinander. Insider mutmaßen, dass haufenweise Beziehungen so entstanden sind.

 

Liebe automatische Schiebetür, bitte hab' Erbarmen mit mir. Ich bin doch nur eine von Selbstzweifeln zerfressene, nicht sensoraktivierende junge Frau, die einfach hin und wieder gleich in ein Geschäft hineingelassen werden will.

 

Bussi

 

PS: Bitte sag auch deinen Kollegen von den automatischen Drehtüren Bescheid. Die bleiben nämlich viel zu oft stehen, wenn ich grad mittendrin bin.

 

© Eiki

 

 

 

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