Fr, 1. September 2017

Warum ist da Mist im Meer?

Vor uns die Sintflut #65

Umweltschutz bedeutet für viele: Keine Plastiksackerl verwenden. Mist trennen. Öffis statt Auto. Das liegt alles schön auf der Hand und klingt einfach! Und mit dem Mist im Meer, mit dem haben wir natürlich gar nichts zu tun. Die ein, zwei Wochen, die wir im Urlaub am Strand verbringen, können nicht ausschlaggebend sein – und von daheim aus ist das Meer doch eh so fern. Oder?

Die Wahrheit ist hart: So einfach ist die Gleichung nicht. Ja, auch Mist, den wir in Österreich produzieren, kann ins Meer gelangen. Weil wir Zahnpasta, in der sich Mikroplastik befindet, ins Abwasser spülen. Weil wir Kleidung aus Kunstfasern kaufen. Oder, weil wir Zigarettenfolien unbedacht auf den Boden schmeißen. Sechs Facts, warum unser Dreck im Meer einfach Mist ist:

HARD FACTS

Zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Müll landen jährlich in den Meeren unserer Welt. Das ist so viel, dass man gar nicht erst versuchen muss, irgendeinen Vergleich zu ziehen. Unter der Masse an Mist findet man Zigarettenstummel, Metalldosen aber vor allem Kunststoff: Handys, Plastikflaschen, Einwegrasierer, Feuerzeuge und Mikroplastik aus Zahnpasta, Peelings oder Duschgel.

DRASTISCH

Plastiksackerl sehen Quallen verdammt ähnlich, bunte Kunststoffreste erinnern an kleine Fische. Unsere Meeresbewohner verwechseln den Mist mit ihrer Nahrung und fressen ihn. Vögel verenden qualvoll mit gefüllten Mägen voller Kunststoffreste. Viele im Meer lebende Tiere lagern Plastik in ihren Körper an – und durch die Nahrungskette gelangt es dann auch in unsere gebackene Scholle, in die Tintenfischringerl und die Fish and Chips. Habe ich schon erwähnt, dass sich in Kunststoffen giftige und krebserregende Chemikalien befinden können!? Na, Mahlzeit!

GRAUSLIG

Im Nordpazifik schwimmt ein Mistteppich, der so groß ist, dass er bereits einen Namen hat: der Great Pacific Garbage Patch. Dabei ist er nicht der einzige Müllstrudel in unseren Meeren. An vielen Stränden, wie dem als „Plastic Beach“ bekannt gewordenen auf Hawaii, findet man mehr Plastik als Sand.

HÄSSLICHE ZAHLEN

Kunststoff braucht verdammt lange, um sich zu zersetzen. 350 Jahre lang werden Plastikflaschen, Handyhüllen und Co. durch UV-Licht und die stetigen Wellen im Meer immer kleiner – es zersetzt sich, löst sich aber nicht komplett auf!

SCHWARZE SCHAFE

China, Indonesien, Vietnam und die Philippinen zählen laut Wissenschaftlern zu den Haupttätern unseres Mistproblems im Meer.

UND WIR!?

Dass „die Anderen“ so viel Mist im Meer produzieren, bedeutet nicht, dass wir fein raus sind. Auch unser Mist kann in die Ozeane gelangen! Die Donau schwemmt etwa vier Tonnen Plastikmist ins Schwarze Meer – und zwar täglich! Eine unbedacht liegengelassene Plastikfolie wird so schnell mit einer kleinen Windböe weitergetragen – direkt in die Donau oder einen ihrer Zuflüsse, und ist damit am „besten“ Wege direkt ins Meer.

SO, UND WAS KÖNNEN WIR DAGEGEN TUN?

  • Hygieneartikel und Kosmetika ohne Mikroplastik verwenden
  • Kleidung aus Naturfasern wie Leinen, Baumwolle, Seide kaufen (synthetische Textilien wie Polyester, Acryl, Fleece und Co. waschen durch die Waschmaschine Mikroplastik in die Gewässer)
  • Zigaretten im Abfallbehälter entsorgen und nicht im Fluss
  • Müll generell vermeiden (Gegenstände reparieren lassen, Second Hand einkaufen und Mehrwegflaschen verwenden)
  • Produkte ohne unnötige Plastikverpackung kaufen (z.B. Obst und Gemüse am Markt, eigene Stoffsackerl mitbringen)
  • Herumliegenden Mist wegwerfen (manchmal muss man einfach für andere mitdenken, bevor der Dreck in einen Fluss geweht wird)
  • Wenn schon Kunststoff, dann recyceltes Plastik

Es ist gar nicht so schwer, einige dieser Dinge im Alltag zu beachten – sie sind ein kleiner Aufwand für dich, aber bedeuten sehr viel für unsere Umwelt und ihre Lebewesen.
Foto © Chris Jordan (via U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters)