So, 15. Juni 2014

Lügen, bis der Arzt kommt

VOLUME Filmpreview: Die große Versuchung

Früher war alles besser. Männer waren auf die von ihnen verrichtete Arbeit stolz und kleine Städte waren Festungen gegen den Multikulturalismus. Das will uns zumindest Don McKellar und sein Film „Die große Versuchung“ verdeutlichen. In dieser Komödie versucht der Bürgermeister (Brendan Gleeson) des kleinen Städtchens Tickle Head den Jungen Arzt Dr. Lewis (Taylor Kitsch) zum Bleiben zu bewegen.

Der von Brandon Gleeson dargestellte Murray French hat als neuer Bürgermeister der Stadt Tickle Heads viel mit dieser vor. In Form einer Fabrik eines großen Ölkonzerns sollen neue und dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit diese jedoch eröffnet werden kann, muss ein Arzt in die Stadt geholt werden. Diesen findet Murray in Form des jungen Doktor Lewis (Kitsch).

Die Bewohner Tickle Heads versuchen Lewis zum Bleiben zu bewegen, teilweise durch die Umgestaltung Tickle Heads, teilweise auch durch die einzelnen Bewohner. So werden dem Arzt durch ein angezapftes Telefon die Wünsche von den Augen abgelesen. Da Doktor Lewis ein passionierter Cricket-Spieler ist, wird bei seiner Ankunft das letzte Spiel der Saison gespielt, inklusive selbstgemachter Trikots aus Bettwäsche.

Obwohl der Film mit dem wirtschaftlichen Verfall von ländlichen Regionen einen eher ernsteren Hintergrund hat, ist er weit entfernt von einem sozialkritischen Film und lebt von den Eigenarten und Marotten der einzelnen Figuren. Bei „Die große Versuchung“ wird eine Geschichte über das Suchen und Finden des persönlichen Glücks erzählt, der man trotz bekannter Dramaturgie gerne ein weiteres Mal zuhört.

Warum wir jedoch bereits nach 10 Jahren ein kanadisches Remake einer frankokanadischen Produktion brauchen welche schon eine ähnliche Premise aufweist wie „Doc Hollywood“ ist mir noch nicht klar geworden. Der Film jedoch war unterhaltender als ich erwartet hatte.

Regie: Don McKellar
Drehbuch: Michael Dowse, Ken Scott
Kamera: Douglas Koch
Schnitt: Dominique Fortin
Musik: Maxime Barzel, Paul-Étienne Côté, Francois-Pierre Lue
Schauspieler: Brendan Gleeson, Taylor Kitsch, Liane Balaben, Gordon Pinsent, Anna Hopkins, Rhonda Rodgers