Di, 5. August 2008

Im Namen des Schwamms,...

…der Jedi und des heiligen Internets

Ich klicke auf den Button mit der Beschriftung ‚Proceed with Ordination‘ und eine neue Seite öffnet sich. Sofort fällt mein Blick in die Bildmitte, wo das Wort ‚Reverend‘ über meinem Namen prangt. Nach zwei Minuten und insgesamt vier Mausklicks bin ich nun geweihter Reverend der ‚Universal Life Church‘ (ULC) –  holy shit. Ich darf jetzt unter anderem Trauungen durchführen, zumindest in den USA und einigen anderen Staaten; hierzulande ist aber zusätzlich eine standesamtliche Trauung notwendig.
Auf der Seite der ULC wird auch gleich alles angeboten, was ich dazu brauchen könnte. Für nur 49,99 Dollar gibt’s das ‚Basic wedding package‘; das ‚Gay, Lesbian & Straight Civil Union Package‘  kostet immerhin 89,99 Dollar, kommt dafür aber mit CD-Rom. Standard  Equipment, wie Salböl und Hostien, wird selbstverständlich auch angeboten. Aber damit nicht genug: Für nur 10,50 Dollar kann ich mir noch andere religiöse Titel verleihen lassen. Die Auswahl ist groß, reicht vom beeindruckenden ‚Cardinal‘, über ‚Arch Priest‘ und ‚Prophet‘ bis hin zum ‚Rock ’n‘ Roll Missionary‘. Nein, das ist zuviel der Ehre und der Verantwortung für jemanden, der erst vor fünf Minuten zum Reverend geweiht wurde.
Etwas nostalgisch schweift mein Blick über ein ‚Jedi Knight Certificate‘ für 8,99 Dollar. Aber schon der niedrige Preis zeigt, dass die großen Zeiten der Jedi vorbei sind. In keinem Land der Welt haben es die Star-Wars-Jünger zu einer
anerkannten Religionsgemeinschaft geschafft. Als frisch gebackener Reverend stehe ich da jetzt darüber. Das Internet bietet aber nicht nur Raum für ‚Blitzsegnungen‘ und ‚Heilsversprechungen aus dem Weltall‘, es bietet noch merklich skurrileren Religionsideen eine Plattform, oder wird gar selbst zum Gegenstand der Verehrung.
Geht es etwa nach den Anhängern der ‚Church of Google‘, ist die omnipräsente und nahezu allwissende Suchmaschine das nächste zu Gott, das die Menschheit bislang erfahren konnte. Die ‚Church of Google‘ überzeugt den potenziellen Gläubigen binnen kürzester Zeit: Eine  Religion die ‚Microsoft‘ zu ihrem Satan erkoren hat, kann zumindest nicht völlig falsch liegen.