Mo, 3. Juli 2017

Hemmungsloses Festival mit Nachhaltigkeit

Vor uns die Sintflut #64

Ich finde, man muss nicht auf alles verzichten. Ich brauche ein Auto fürs Arbeiten, bestelle manchmal online und werde schwach bei Omas Schweinsbraten. Deshalb bin ich kein schlechter Mensch und darf trotzdem auf Nachhaltigkeit setzen – selbst wenn im „Influencer“-Universum Nachhaltigkeit schonungsloses Verzichten bedeutet. Ich möchte nämlich auch meinen Teil zur Rettung der Welt beitragen.

Für mich soll Nachhaltigkeit vor allem eines sein: im Alltag machbar! Ich will nicht wegen „Zero Waste“ auf Klopapier verzichten oder mein Gewand mit Efeublättern waschen. Für mich zählen auch die kleinsten Aktionen: kein eingeschweißtes Gemüse kaufen, Produkte mit Palmöl boykottieren oder zum Einkaufen eigene Stoffsackerl mitnehmen, anstatt Plastiktaschen zu verwenden. Aber ich gehe eben auch gerne auf Festivals. Doch wie soll das funktionieren? Feierexzesse und unsere Erde unbeschädigt lassen?

ZUHAUSE STARTEN

Umweltschonend zum Festival bedeutet, bereits bei der Abfahrt mitzudenken. Schalte elektrische Geräte ganz aus – auch den Stand-by-Modus – und stecke alle unnötigen Ladegeräte ab!

BITTE MITDENKEN

Brauchst du wirklich so viele Paletten Bier? Und so viel Brot? Was nicht getrunken wird, musst du unnötig mitschleppen – oder lässt du wahrscheinlich am Campinggelände liegen. Lebensmittelverschwendung ist Mist und muss echt nicht sein! Bringe deine eigene Regenkleidung, dann musst du nicht wieder mit Gaffa und Mistsäcken improvisieren und dann komplett durchnässt den Müll wegschmeißen.

GEMEINSAM FAHREN

Manche Festivals lassen sich nur mühsam mit Öffis erreichen. Suche dafür im Facebookevent nach Leuten, mit denen du eine Fahrgemeinschaft bilden kannst. Bringt mehr Spaß – und vielleicht sogar neue Freunde!

EINWEG HEISST DRECK

Statt Wegwerfteller und –besteck tut’s auch normales Besteck und Edelstahl- oder Plastikteller, die man schnell abwischen kann. Brot, Kabernossi und Co. können bei der Supermarkttheke fast unverpackt gekauft werden und in Frischhalteboxen aufbewahrt werden.

MIST GEHÖRT IN DEN MISTKÜBEL

Das gilt auch für Zigarettenstummel, die mehrere Jahre brauchen, um zu verrotten! Reg‘ dich nicht über den Müllpfand auf, sondern schmeiß‘ deinen Dreck ins Sackerl. Speziell Flüsse wie die Traisen sind keine Abfallbehälter: Was dort landet, kann mitverantwortlich für die Verschmutzung der Meere sein!

BITTE SPENDEN

Ausgetrunkene Pfandbecher kannst du auf vielen Festivals an Viva con Agua spenden, der Erlös geht an soziale Projekte. Ein Großteil der Festivalabfälle besteht aus zurückgelassenen Zelten und Schlafsäcken, weil es vielen zu anstrengend ist, alles wieder zusammenzupacken. Denk‘ an die, die es nicht so gut haben wie du, nimm die Dinge mit und spende sie – oder reserviere dir einen Platz beim „Green Camping“.

SOLARENERGIE

Ich finde es supercool, mit Sonne meine eigene Energie zu erzeugen – die brauche ich am Festival für mein Smartphone. Gibt’s als Powerbank und sogar als Umhängetasche. Wer Energie für Taschenlampen oder Kühlboxen braucht, schnappt sich Akkus statt Batterien – da freut sich auf lange Sicht auch das Geldbörserl.

KÖRPERPFLEGE OHNE UMWELTSCHÄDEN

Hygiene gehört zum Festival wie das Bier, und nein, man ist nicht uncool, wenn man sich wäscht. Dafür besorgst du dir abbaubares Duschgel (auch für Haare und dreckige Teller), sowie Zahnputztabs, festes Deo (darauf schwöre ich!), und eine Bambus- oder SWAKZahnbürste. Für Letztere brauchst du nicht einmal Wasser oder Zahnpasta.
Umweltschutz ist gar nicht mal so mühsam. Hemmungsloses Feiern: Ja! Aber bitte ohne unsere Erde noch mehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Denn auch Kleinvieh macht Mist – vor allem wenn es in großen Herden unterwegs ist. Wenn sich jeder etwas bei der Nase nimmt, können wir gemeinsam viel erreichen. Wenn es sein muss, zerstöre lieber dich, als unsere Umwelt 😉 In diesem Sinne: Viel Spaß und Prost!