Mi, 16. November 2016

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut

Volume Filmpreview: Jeder stirbt für sich allein

Der Nachkriegsroman „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada, der auf wahren Begebenheiten beruht, erfährt hier seine fünfte Verfilmung. Leider eine Vernachlässigbare.

Nachdem ihr Sohn im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, beschließt das Ehepaar Quangel (Gleeson und Thompson) durch die Verteilung anonymer Postkarten, die gegen das Naziregime agitieren, Widerstand zu leisten. Der ehrgeizige Kriminalpolizist Escherich (Daniel Brühl) versucht wiederum, diese Aufwiegler dingfest zu machen. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, dessen Ausgang von Anfang an klar ist. Das könnte zwar spannend sein, aber der Film ist leider so träge, dass man – vermutlich gegen die Absicht der Produzenten – hofft, dass Daniel Brühl endlich seinen Job erledigt.

Da der Film Deutschland quasi in einem Haus abbildet – nämlich in jenem, in dem die Quangels leben – könnte der Zuschauer auf den Gedanken kommen, dass es eh kaum Nazis in Deutschland gegeben hat. In dem Haus leben zwar allerlei Mitläufer, sich versteckende Juden und Quislinge, aber keine Überzeugungstäter, was historisch gesehen falsch ist.
Dass der Nazistaat es in erster Linie auf widerständige Deutsche und nicht auf Juden abgesehen hätte, ist als Geschichtsklitterung nur unzureichend umschrieben. Schade um die teilweise guten schauspielerischen Leistungen, aber das ist eher übles und falsch verstandenes Schulfernsehen …


Regie: Vincent Perez
Mit: Brendan Gleeson, Emma Thompson, Daniel Brühl, Jürgen Tarrach, Uwe Preuss
Kinostart: 17.11.2016
Bewertung: 2/5