Di, 24. Oktober 2017

Die Krux mit dem Palmöl

Vor uns die Sintflut #66

Dass Palmöl schlecht für Umwelt und Menschen ist, ist nichts Neues. Trotzdem verfolgt es uns beim Einkauf immer noch so sehr, wie der Punschrausch im Advent. Weil uns gerade in dieser Jahreszeit Nikoläuse, Schirme und Kugeln aus Billigschokolade mit Palmöl nachgeworfen werden, sollte jetzt endlich Schluss damit sein!

Palmöl ist eines der billigsten und zugleich ertragreichsten Öle. Kein Wunder also, dass es Großkonzerne überall verwenden, wo Fette oder Emulgatoren zum Einsatz kommen. Laut Greenpeace führt ein durchschnittlicher, heimischer Supermarkt in etwa 800 Lebensmittel, in denen sich Palmöl befindet – Reinigungsmittel und Co. noch gar nicht mit eingerechnet! Und das ist die „Krux“ mit dem Palmöl:

VERSTECKSPIEL

Palmöl versteckt sich nicht nur in unserem heiß geliebten Nutella, sondern in den meisten Fertiglebensmitteln (z. B. Packerlsuppen oder Tiefkühlspeisen), in Waschmitteln, Seifen, Kosmetika und sogar im Milchersatzpulver für Säuglinge. Dabei tarnt es sich in der Inhaltsstoffliste oft recht gut – hinter „pflanzliches Öl/Fett“ steckt zum Beispiel oft zumindest ein Palmöl-Gemisch. Und wer umweltbewusst „bio“ tankt, dem sei gesagt: 45% des jährlich geernteten Palmöls wird für Biosprit verwendet!

DER REGENWALD SCHRUMPFT

Damit die Firmen zu ihren billigen Ölpalmen kommen, muss Platz geschafft werden. Und weil sie am besten dort gedeihen, wo sich auch Regenwälder wohlfühlen, werden diese gerodet. Roden bedeutet dabei nicht nur, dass die Bäume abgeholzt werden – meistens werden sie abgebrannt, weil das schneller geht.

DOPPELTE KATASTROPHE

Die Regenwälder, die unsere Erdatmosphäre eigentlich abkühlen (Stichwort: Erderwärmung), werden dem Erdboden gleichgemacht – und gleichzeitig werden beim Abbrennen der Wälder auch noch Schadstoffe (wie Kohlendioxid) freigesetzt, die unsere Erde noch mehr erwärmen. Das Abbrennen setzt der Katastrophe also noch einmal sprichwörtlich den Hut auf!

KEIN LEBEN IN PLANTAGEN

Wo Ölpalmen großflächig wachsen, ist kein Platz mehr für anderes Leben. Die Abrodung der Regenwälder macht nicht nur aus Naturvölkern Flüchtlinge, sie zerstört auch den Lebensraum vieler Tierarten. Auch sie müssen flüchten – vor Bulldozern und Wilderern. Zu den größten Opfern zählen Orang-Utans. Oft sind sie regelrecht von Ölpalmplantagen eingeschlossen und müssen von ihren Artgenossen isoliert weiterleben.

GRENZWERTIG

Die Palmölproblematik bezieht sich nicht nur auf die Umwelt, wir tun auch unserem Körper damit nichts Gutes. Beim Raffinieren von Palmöl entstehen bedenkliche Schadstoffe, bei denen man derzeit davon ausgeht, dass sie krebserregend sind.

ÄRMEL AUFKREMPELN

Umso geringer die Nachfrage nach palmölhaltigen Produkten ist, desto weniger werden davon produziert! Etwas gegen den Palmölboom zu machen, ist also gar nicht so schwer. Weil oft nicht genau beschrieben ist, ob Palmöl enthalten ist, kannst du mit der App „Codecheck“ Produkte in wenigen Sekunden „durchleuchten“. Einfach Barcode scannen und abchecken. Im Netz gibt es außerdem zahlreiche Listen mit Produkten ohne Palmöl. Und: Nicht jedes Palmöl ist der Weltuntergang. Es gibt auch Ölpalmen, für die kein Regenwald weichen musste (die Bezeichnung nachhaltiger/ biologischer Anbau weist darauf hin) – und Plantagen, die sich an Kriterien von Umwelt- Siegeln halten (z.B. RSPO-Certified, „aus Orang-Utan-freundlichem Anbau“).
Gerade jetzt rund um Weihnachten ist das Thema aktueller denn je: Wir essen viel Schokolade oder Kekse, in denen Palmöl verarbeitet wurde, bekommen sie von der Familie geschenkt oder verschenken sie sogar selber an Kinder. Im Alltag essen wir nicht nur diese schadstoffbelasteten Lebensmittel, wir schmieren uns Palmöl dank kontaminierter Produkte sogar direkt auf die Haut. Es ist und bleibt ein schmutziges Geschäft. Dass Menschen und Tiere ausgebeutet werden und der Welt weniger kühle Luft zum „Atmen“ bleibt, klingt für uns zwar sehr weit weg – aber Palmöl zerstört das Klima der ganzen Welt, also auch unseres.
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