Fr, 5. Februar 2016

Die Geister der Vergangenheit

VOLUME Filmpreview: Grüße aus Fukushima

Nach der Trennung von ihrem Verlobten fällt Marie in eine tiefes Loch. Um sich von ihrem Schmerz abzulenken, reißt sie allein nach Japan, um dort für die Hilfsorganisation Clowns4Help den letzten verbliebenen Bewohnern der zerstörten Stadt Fukushima ein wenig Freude in den Alltag zu bringen.

Dass sie als Clown einfach nicht geeignet ist, gesteht sie sich zum Glück sehr bald selbst ein. Anstatt jedoch direkt wieder nach Deutschland zurückzukehren, findet sie sich plötzlich selbst Seite an Seite mit der alten, störrischen Satomi innerhalb der strahlungsbelasteten Sperrzone wieder. Als letzte Geisha in Fukushima kann die alte Frau gar nicht anders, als unter den Trümmern ihres alten Heims nach Überbleibseln ihres alten Lebens zu suchen und es Stück für Stück wieder aufzubauen.

Als ungeschickte, verwöhnte Deutsche, die weitab der japanischen Kultur aufgewachsen ist, findet sich Marie nur sehr schwer mit den Sitten und Bräuchen der japanischen Gesellschaft zurecht, freundet sich jedoch nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Satomi an. Zusammen schaffen sie es, das Haus zumindest provisorisch wieder herzurichten. „Grüße aus Fukushima“ bringt einem ahnungslosen Zuschauer das Leid und die Ausmaße der Fukushima-Katastrophe näher, ohne dabei zu sehr ins verstörende Detail zu gehen. Großartige, aber zugleich erschütternde Schwarz-Weiß-Aufnahmen, gut inszenierte Musik und zwei große Schauspielerinnen sorgten mehr als nur einmal für eine rasende Gänsehaut am ganzen Körper. Wer Zeit und Muße für einen wunderschönen, langsamen Film mit Augen öffnendem Tiefgang hat, dem sei dieser Film unbedingt ans Herz gelegt!


Regie: Doris Dörrie
Mit: Rosalie Thomass, Kaori Momoi, Aya Irizuki
Kinostart
: 01.04.2016
Bewertung: 5/5