Di, 23. September 2014

Der übliche Hacker Club

VOLUME FILMPREVIEW: WHOAMI

‚Kein System ist sicher.‘ So lautet das Kredo einer Gruppe von Hackern. Dass es sich dabei nicht um leere Worte handelt, stellen die 4 Jungs schnell unter Beweis – sie wollen schließlich ganz oben in der Szene mitspielen. Ein Ehrgeiz der sie in das Visier einer Spezialermittlerin geraten lässt. Und plötzlich ist nichts so wie es scheint.

Deutschlands momentaner Überflieger Elyas M´Barek (‚Fack Ju Goethe‘) gibt den für ihn maßgeschneiderten, coolen Draufgänger Max, der mit seinen 2 Hacker Kollegen Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot Jr.) schon so einiges an Schabernack angestellt hat. Doch ihr Spiel erreicht ein neues Level als sie auf den Klischee Außenseiter Benjamin (Tom Schilling) treffen, der es im Cyberspace so richtig drauf hat. Als Hacker Kollektiv CLAY (Clowns Laughing At You) starten sie nun voll durch und steigern sich von Aktion zu Aktion.
Doch das reicht noch immer nicht um Anerkennung von Ober-Hacker Mr. X zu bekommen und dabei wünscht sich das Max doch so sehr. Also muss ein noch größeres Ding her und der Bundes Nachrichten Dienst (dt. Pendant zu CIA & co.) dran glauben. Der Gig gelingt zwar, rückt die Gruppe aber nun auch in den Fokus der Spezialermittlerin für Cyber Kriminalität Hanne Lindberg (Trine Dyrholm). Bei dieser sitzt Benjamin nun zum Verhör und erzählt der Ermittlerin und damit uns Zusehern, wie es eigentlich dazu kommen konnte und warum seine Freunde alle tot sind.

Der Film wandelt in dieser Art stark auf den Spuren von ‚Die üblichen Verdächtigen‘, ohne dabei die Genialität annähernd zu erreichen und lässt es auch nicht aus, die Zuschauer am Ende mit Wendung auf Wendung und einem harten Schuss Fight Club zu ‚verblüffen‘. Überraschend? – Ja. Gut? – Geschmackssache. Kritisch betrachtet, schwächelt die Geschichte stellenweise deutlich, verliert sich inhaltlich in einer Vielzahl von nicht stimmig zusammenpassenden Elementen und lässt jegliche Eigenidentiät vermissen. WHOAMI? Eine Frage, die der Film für sich selber nicht recht zu beantworten weiß.
Über die Produktion lässt sich aber auf jeden Fall nicht meckern – diese braucht sich auch vor Hollywood nicht zu verstecken. Gegenüber den Hacker-Filmen von Übersee hat WHOAMI auf jeden Fall eine gesunde Dosis Realismus und Glaubwürdigkeit voraus, denn hier bewegt man sich nicht in 3D durch herumfliegende Codezeilen, sondern sucht in Mülleimern nach Schwachstellen bei Personen um diese gezielt zu hacken – Social Engineering genannt. Dazu wird wenig Blödsinn gequatscht und die Hack-Einlagen sind annähernd realistisch genug um sich in einer realen Schlagzeile wiederfinden zu können.
Eine angenehme Abwechslung und an und für sich ein unterhaltsam spannender Film mit guten Darstellern der aber zu sehr versucht, große Vorbilder zu übertreffen.


Regie: Baran bo Odar
Darsteller: Elias M`Barek, Tom Schilling, Wotan Wilke Möhging, Antoine Monot Jr. Trine Dyrholm, Hannah Herzsprung
Produktion: Deutschland 2014
Kinostart: 25.9.2014

Bewertung: ***