Do, 8. Februar 2018

Der Dreck der Welt

Vor uns die Sintflut #67

Während unsereins die Bananen lieber ohne Plastikverpackung kauft, mit dem Leinensackerl zum Supermarkt geht und Projekte bestaunt, bei denen Menschen innerhalb eines Jahres Müll produzieren, der in ein Gurkenglas passt, versinken andere Menschen – nicht nur sprichwörtlich – im Müll. First World Problems vs. Third World Problems:

ILLEGALE MÜLLENTSORGUNG

Weil die Müllentsorgung mit 100 bis 200 € Kosten pro Tonne in westlichen EU-Ländern teuer ist, wird der Mist oft in LKWs verpackt und ins Ausland verfrachtet. Und zwar illegal. In Ungarn, Tschechien oder Polen kommen die Ladungen mit angeblich sauberem Plastik dann an – tatsächlich verstecken sich zwischen den Tonnen an Müll oft aber auch hochgiftige Stoffe!

GANZ OFFIZIELL

Gar nicht illegal, sondern vertraglich geregelt, ist die Müllschieberei von Italien nach Österreich oder Deutschland. Weil die größte Deponie Roms (und gleichzeitig Europas) vor einigen Jahren geschlossen wurde, und Anrainer es nicht zulassen, dass eine neue Müllverbrennungsanlage gebaut wird, macht sich der römische Mist einmal wöchentlich im Zug auf den Weg nach Niederösterreich. Dass aus der erzeugten Fernwärme Strom für 170.000 Haushalte entsteht, ist zwar schön, aber in Gedanken an den geschipperten Mist trotzdem pervers. Hail, Caesar!

„KREATIVES“ RECYCLING

Das Geschäft mit dem Müll hat auch für Afrika mafiaartige Ausmaße angenommen. Weil unbrauchbarer Müll eigentlich nicht verfrachtet werden darf, werden unsere kaputten Smartphones, Laptops oder anderer Elektroschrott als Second Hand Ware gekennzeichnet und nach Afrika verschoben. Dort landen sie vor den Slums auf riesigen Elektroschrott-Mülldeponien, auf denen Kinder und Jugendliche nach verwertbaren Rohstoffen suchen. Um an Kupfer, Gold und Co. zu kommen, schmelzen sie Plastik und atmen dabei nicht nur die hochgiftigen Dämpfe ein, auch Zuflüsse zum Meer werden verunreinigt. Und das alles, damit am Ende des Tages die kreativ „recycelten“ Edelmetalle wieder in den Industriestaaten landen.

Foto ©Charmaine A Harvey/Shutterstock.com

GEBRAUCHTWÄGEN NACH AFRIKA

Die laminierten Autoankaufzetterl kennen wir, auch die großen Werbeplakate von scheinbar professionellen Firmen, die dir noch Geld für deinen alten Wagen geben wollen. Tatsächlich versteckt sich dahinter oft eine Maschinerie, die schrottplatzreife Autos aus Europa nach Afrika bringt. Man geht davon aus, dass etwa 100.000 Autos jährlich illegal von Österreich nach Nigeria, Ghana oder in den Tschad exportiert werden. Dabei würden die Wägen bei uns überhaupt keine Zulassung mehr bekommen.

SCHLANGENINVASION

Bangkok geht in seinem Mistproblem unter. Kein Wunder, wenn ein Großteil des Hausmülls 70 Kilometer vor der Hauptstadt Thailands einfach vergraben wird. Recycling uninteressant: Nur etwa 10% des Mülls wird in Thailand getrennt. Die Rechnung dafür wird auf dem Silbertablett serviert: Bangkoks Kanäle gleichen braunen Kloaken voller Plastikverpackungen und die Stadt wurde von einer Schlangeninvasion heimgesucht. Man geht davon aus, dass die Müllberge daran schuld sind, dass 2017 30% mehr (teilweise auch giftige) Schlangen aus der Stadt entfernt werden mussten.

ÜBRIGENS

Herr oder Frau Österreicher produziert durchschnittlich 1,59 Kilogramm Mist pro Tag. Und: Wir recyceln 56% unseres Mülls und sind damit die Zweitbesten im EU-Durchschnitt. Weiter so!