Mi, 14. Oktober 2015

Alleine unter Nazis

VOLUME Filmpreview: Der Staat gegen Fritz Bauer

Fritz Bauer, geboren 1903, wurde 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft als Amtsrichter entlassen und kam kurzzeitig in KZ-Haft. Er ging ins Exil nach Skandinavien, kehrte 1949 nach Deutschland zurück und arbeitete bis zu seinem Tod 1968 als Generalstaatsanwalt.

Der Titel des Films weist bereits darauf hin: Seine Tätigkeit wird von offizieller Seite mehr als nur behindert. Vor allem, dass er als Jude, Sozialdemokrat und vermeintlich auch noch Homosexueller es wagt, die ganze Nazi-Geschichte des Landes nicht nur nicht ruhen zu lassen, sondern versucht, gleich Adolf Eichmann vor ein deutsches Gericht zu stellen, werden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen, wo es nur geht.

Der Film zeichnet ein bedrückend akkurates Bild der BRD der Adenauer-Zeit, der damaligen Biederkeit und des Krypto-Nazi Spießertums. Fritz Bauer ist einer der Wenigen, die sich nicht Mundtot machen lassen, er sucht die Öffentlichkeit, weil er denkt, dass Deutschland nur so die Chance hat, sich zum Besseren zu ändern. Die ausgezeichneten Schauspieler und das Unversöhnliche des Films bringen ein außergewöhnliches Kinoerlebnis.


Regie: Lars Kraume
Mit: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg
Kinostart: 08.10.2015
Bewertung: 4/5