Sa, 27. Juli 2013

So klingt der Sommer

New Hot Music Shit (31te Ausgabe)

Jeder Sommer hat seinen eigenen Soundtrack. Ob mit den Freunden am Badesee, unter Tausenden auf dem Open-Air-Festival oder in trauter Zweisamkeit beim Sonnenuntergang am Meer – oft gibt es genau einen Song, der dieses besondere Gefühl zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, perfekt untermalt. Selbst Jahre später weckt dieser wieder die Erinnerungen an längst vergangene Sonnentage. Hier ein paar Newcomer, die das Zeug und die Tracks dazu haben in den Sommer-Hymnen-Olymp aufzusteigen…

Kisses

Lover’s Paradise

Jesse Kivel und Zinzi Edmundson aus Silverlake/Los Angeles, haben nicht nur ziemlich witzige Namen, sie sind auch ein attraktives Liebespaar und machen als Band Kisses gemeinsam Musik. Was dabei herauskommt ist astrein waviger Dream Pop, der sich unverblümt mit 1980er-Synthie-Pop-Anleihen schmückt wie eine in die Jahre gekommene Schönheitskönigin mit ihrer ausgeblichenen Schärpe. Trotz des konsequenten Retro-Sounds der Produktion sind Songs wie At The Pool oder  Air Conditioning zeitgemäße coole Lovesongs, die beschwingt und trotzdem immer auch leicht melancholisch um die Häuserecke biegen, so wie die Ahnung vom Ende des Sommers, die über jedem flirrenden Hitzenachmittag hängt.

Für Fans von: Jens Lekman,  Phoenix, Chromatics
Link: http://kisses.bandcamp.com
aktuelles Album: Kids In L.A. (Cascine Records)

Golden Suits

A simple man

Fred Nicolaus a.k.a. Golden Suits ist kein unbeschriebenes Blatt. Gemeinsam mit Daniel Rossen sorgte er mit der Band Department Of Eagles für Kritiker-Wonnen. Mit ihrem Album In Ear Park (2008) schafften sie es in die Top Ten der Jahrescharts der New York Times. Rossen formierte später gemeinsam mit Chris Taylor Grizzly Bear, alle drei sind bis heute eng freundschaftlich und musikalisch verbandelt. Golden Suits serviert erwachsene Songs in klassischer Pop-Tradition mit hörbaren Vorbildern wie John Lennon, Randy Newman oder Paul Simon. Goldene Gitarren-Arrangements, die mit wohltemperierten Streichern schmusen, darüber seine sanfte Stimme, die der Angebeteten entgegen säuselt: „Didn’t I warn you…“. Der Soundtrack für den Beginn dessen, was nach dem Sommerflirt kommt, das Versprechen eines langen kuscheligen Winters.

Für Fans von: Bon Iver, Sufjan Stevens, The Tallest Man On Earth
Link: www.facebook.com/pages/Golden-Suits
aktuelles Album: Golden Suits (VÖ:16.08.2013/ Yep Roc/Cargo)

MS MR

Kühle Prise

Manchmal ist diese Schwüle ja kaum mehr auszuhalten, vor allem wenn du im Büro oder auf der Uni sitzt und arbeiten respektive lernen sollst. In solchen Momenten kommt die Musik von MS MR ins Spiel. Glasklarer Elektropop, der den Kopf frei macht wie ein halber Liter eiskalter Eistee mit frischer Limette. Die in New York lebende Britin Lizzy und der aus Idaho stammende Max hatten bereits vor Veröffentlichung ihres Debütalbums hochrangig prominente Fans wie Jay-Z, Designer Tom Ford oder die Macher von Game-Of-Thrones auf ihrer Seite, die einen der Songs als Untermalung für den Release-Trailer der neuesten Staffel benutzten. Dramatische Hooks und Lizzy’s engelsgleiche Stimme die von der Düsternis ihrer Seele singt („Welcome to the inner workings of my mind / So dark and foul I can’t disguise“) sorgen für wohlige Gänsehaut. Äußerst hitverdächtig!

Für Fans von: The XX, Zola Jesus, Florence And The Machine
Link: www.msmrsounds.com
aktuelles Album: Secondhand Rapture (Smi Col/ Sony Music)

Locked Groove

Geniale Gratwanderung

Auch wenn eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, hat der belgische Wunderknabe Tim Van de Meutter alias Locked Groove mit seiner EP „Heritage“ den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen. Die erfrischende Mischung aus kompromisslosen Technoschlägen gepaart mit zarten Housestreicheleinheiten verwandelt jeden belanglosen Sonnentanz in eine heiße Musikoffenbarung. Hart aber herzlich gelingt dem Mittzwanziger aus Antwerpen eine geniale Gratwanderung zwischen Beats für die Beine und Sound für die Seele. Bei Hotflush Recordings hat Locked Groove ein karriereförderndes Zuhause gefunden, mit Paul Rose, besser bekannt als Scuba oder SCB, konnte er einen einflussreichen Mäzen für sich gewinnen. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis der hippe Jüngling ganz oben in der Techno Champions League mitmischt und einen kompletten Langspieler vom Stapel lässt – spätestens im Sommer 2014!

Für Fans von: Scuba, Machine Drum
Link: www.facebook.com/lockedgroove  
aktuelles Album: Heritage EP

Waxahatchee

Schnee-Meditation

Das Tollste an Musikerbiografien sind die wohlklingenden kleinen Legenden, etwa wenn es um die Entstehung einer Platte geht. Katie Crutchfield nennt sich Waxahatchee, so heisst ein kleiner Tümpel unweit ihres Elternhauses in der unwirtlichen Provinz von Alabama. Dort entstanden in eingeschneiter Abgeschiedenheit einer kalten Winterwoche die Songs vom Debut American Weekend, das ihr erste Aufmerksamkeit einbrachte. Gerade erschien der Nachfolger Cerulean Salt und wenn die gerade mal Anfang 20jährige Katie mit ihrer einprägsamen Stimme vom Leben und seinen Hochs und Tiefs singt, klingt das, als wäre sie geboren worden um genau das zu tun. Seit sie ein Teenager war, tourte sie mit Girl Punk Bands durch die Staaten und verfügt über eine Reife, die für ihr Alter ungewöhnlich ist. So als hätte der raue Wind der Highways ihre Stimmbänder abgewetzt, aber nur ein kleines bisschen. Ein Roadtrip über die staubige Straße des Erwachsenwerdens.

Für Fans von: Joanna Newsom, Tegan and Sara, Kimya Dawson
Link: www.facebook.com/waxahatchee  
aktuelles Album: Cerulean Salt (Wichita/Pias/Rough Trade)

Local Natives

Hello Melancholia!

Local Natives sind vier fesche Burschen, die auch mal wieder aus Silverlake / L.A., der kalifornischen Brutstätte für hervorragendes Indie-Gewächs stammen. Sie beherrschen die magische Kunst des glockenreinen mehrstimmigen Gesangs, die Buben- und Mädchenherzen auf der ganzen Welt zum Schmelzen bringt und sich vor allem vor Festival-Sonnenuntergängen besonders gut macht. Aaron Dessner von The National produzierte ihr aktuelles Album, das hymnisch und tiefsinnig im Pathos badet ohne in den Kitsch abzudriften. Schmusemusik für alle Verliebten und Heulmusik für die, die erst kürzlich verlassen wurden. Kennt ihr das komische Gefühl, wenn einen Trauriges hoffnungsvoll stimmt? Genau so klingen Local Natives. Als hätten die Fleet Foxes ein paar Löffel Animal Collective genascht. Lecker!

Für Fans von: Fleet Foxes, Grizzly Bear, The National
Link: www.thelocalnatives.com     
aktuelles Album: Hummingbird (Frenchkiss / Infectious)