Mi, 29. Oktober 2014

Wenn vom Katana Blut trieft

Game Rezension: Shadow Warrior

Mit dem Remake von Shadow Warrior versetzt man uns zurück in die 90er Jahre. Bewaffnet mit Katana und einem üppigen Waffenarsenal schnetzeln wir uns in Retromanier regelrecht durch Gegnermassen. Das dabei nicht alle Gliedmaßen bleiben, wo sie eigentlich sein sollten sei schon mal verraten. Warum aber bei manchen Dialogen nicht nur das Gamerherz lacht und was das Spiel sonst noch so bietet lest ihr in unserem Test.

Eigentlich wollte Lo Wang bloß ein Schwert für die Sammlung seines Arbeitgebers besorgen. Doch als der Kaufvertag schief geht, muss der altgediente Schwertmeister erneut zu seinem Katana greifen. Mit selbigem metzelt man sich nicht nur durch die feindlichen Bodyguards sondern stellt sich auch Gegnern entgegen, die nicht von dieser Welt sind.
Kampfkunst mit dem Katana
Kaum haben wir das Katana gezückt schon befinden wir uns in der ersten von noch vielen Kampfeinlagen. Die Steuerung geht dabei erstaunlich flüssig von Hand und man findet sich schnell zurecht. Wie üblich steuert man den Protagonisten mit dem linken Stick durch die Spielewelt und kann diese dabei gleichzeitig mit dem rechten Stick genauer erkunden. Aufgrund der anfangs zahlreichen Gegner bleibt uns für letzteres jedoch wenig Zeit. Wir schwingen unser Katana mit der Schultertaste R2 oder starten einen aufgeladenen Schwung mit L2. Schnell ist klar, warum das Spiel gerechtfertigt als PEGI 18 eingestuft ist, denn wir schlagen unseren Gegnern dabei nicht nur den Kopf ab sondern auch noch die ein oder anderen Gliedmaßen. Das Resultat: Blutfontänen in „Quentin Tarantino“-Manier. Gegen die weiter entfernten Feinde helfen uns unsere Shuriken, die wir ihnen per Knopfdruck entgegen schleudern können. Hierbei sind wir in punkto Stückzahl nicht beschränkt und so können gleich mehrere Wurfgeschosse hintereinander verschossen werden. Diese haben bei richtigem Treffen eines Feindes einen ähnlichen Effekt wie das Katana und die Körperteile fliegen nur so durch den Raum. Haben wir alle Gegner erledigt hechten wir in Richtung unserer nächsten Bestimmung, verringert jedoch unsere Energieleiste. Sollte uns das unklar sein, so können wir mit dem Steuerkreuz oben jederzeit unser Missionsziel bzw. unseren Geldstand abfragen. Im späteren Spielverlauf erhalten wir neben dem Katana auch Schusswaffen, wie einen Revolver oder eine MP, welche jedoch viel Munition benötigen. Diese kann entweder in der Spielewelt gefunden oder erworben werden. Um eine Übersicht über das aktuelle Waffenarsenal zu bekommen wählt man mit L1 das Inventar und kann dann mit dem rechten Stick die gewünschte Waffe auswählen. Haben wir eine Schusswaffe ausgewählt so kann man mit drücken des rechten Sticks in den Zielmodus wechseln. Per Tastendruck kann eine Nahkampfattacke mit dem Katana anstatt des Shuriken wäre ja jetzt auch nicht sinnvoll) gestartet werden. Böse Zungen behaupten allerdings, dass ein echter Ninja nur sein Katana braucht.
Dojo und Dämonen
Durch das Erledigen von Feinde oder Finden von Blutaltaren fördert das unser Karma. Haben wir genug Karmapunkte erhalten, so kann diese gegen eine neue Fähigkeit oder eine Verbesserung bereits erworbener Talente eintauschen. Es gilt je kreativer und abwechslungsreicher die Feinde ins Jenseits befördert werden umso mehr Bonuspunkte erhält man am Ende des Gefechts.
Wem die Ninja und Schwertkünste von Lo Wang noch zu wenig sind, für den gibt es eine erfreuliche Nachricht. Bereits nach kurzer Spielzeit erhalten wir Unterstützung durch einen dämonischen Begleiter, der uns neben witzigen und unterhaltsamen Dialogen zusätzlich seine übernatürlichen Fähigkeiten als Unterstützung anbietet. Neben Selbstheilung oder Schild gibt es umfangreiche Möglichkeiten seiner dämonischen Seite freien Lauf zu lassen. Finden wir auf unserer Reise einen der seltenen KI Kristalle, so können wir diese, ähnlich dem Karma, für neue Fähigkeiten oder Verbesserungen der alten eintauschen.
Verfügt man über reichlich Gold und möchte dieses nicht für Munition eintauschen, so kann man es auch dazu verwenden, die gefundene Ausrüstung zu verbessern. So kann das Katana oder die Schusswaffen durch bessere Komponenten ausgetauscht werden. Ob uns für diese Interaktion irgendwelche dämonischen Händler unterstützen, konnten wir jedoch nicht herausfinden.
Außen Pfui, Innen Hui
Für Ablehner von Zwischensequenzen oder all jene, die nach einer Runde Shadow Warrior noch nicht genug haben, gibt es ebenfalls frohe Kunde. Die Cutscenes können nämlich jederzeit abgebrochen werden. Dem Spielespaß steht somit Nichts im Weg.
Außer vielleicht die Spielewelt an sich. Bereits zu Beginn begegnen wir NPCs, die leblos in der Gegend stehen. Das Level Design ist mager und oftmals benötigen wir mehrere Minuten um von einem Gefecht ins nächste zu kommen. Ein Upgrade der Sprintfähigkeit um schneller weite Strecken zurückzulegen ist somit definitiv von Vorteil. Grafisch ist Shadow Warrior besser als seine Vorgänger aber es ist kein „State of Art“ Spiel. Auch merken wir kaum Unterschiede zwischen der PC Version, die bereits September 2013 erschienen ist zur Konsolenversion.

Obwohl die Spielewelt eher leblos ist und die Gegner sich stumpfsinnig verhalten umso gestaltungsreicher verteilen sich die Körperteile im Raum. Die am bodenliegenden Leichen können bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt werden. Blutfontänen inbegriffen. Umgebung kann zwar zum Teil zerstört werden, es zersplittern Glaskästen oder Skulpturen während des Feuergefechts, jedoch resultiert daraus kein Vor- oder Nachteil für uns. Auch bei den Dialogen nimmt sich das Spiel selbst nicht so ernst und unzählige Videospiel Cameo-Auftritte in Wort und Bild erheitern uns vor dem Bildschirm.
Aber immerhin bekommt man für sein Geld viel geboten, denn mit Prolog kommt das Spiel insgesamt auf 18 Kapitel. Je nach Spielart und Geschick des Spielers dauert eines zwischen 45-60 Minuten. Allerdings kann gerade diese lange Spielzeit bei einigen Gamern sicherlich für Unmut sorgen ersehnt man sich nach ständig wiederholenden Gemetzeln endlich nach dem finalen Endkampf. Ein großer Pluspunkt: Die Ladezeiten innerhalb von Kapitel oder beim Wechseln dauern nur wenige Sekunden. Der Spielspaß wird also nicht durch nervige Ladebildschirme unterbrochen. Auch ein Speichern ist jederzeit möglich.
Fazit
Shadow Warrior hält was es verspricht – auch wenn das nicht gerade viel ist. Als moderner Egoshooter würden wir dieses Spiel keinesfalls weiterempfehlen. Sucht man jedoch nach einem modernisierten Retroshooter, bei dem die Körperteile regelrecht nur so durch die Gegend fliegenden, nahezu endloses Monstergemetzel und eine etwas seichte aber witzige Story so ist man bei Shadow Warrior definitiv richtig. Spieltechnisch macht es für uns keinen Unterschied, ob man auf PC oder Konsole die Wege des Ninjas verfolgt. Preislich ist die PC Version zu empfehlen, da diese bereits länger am Markt ist. Wer sich allerdings als „Trophyhunter“ behaupten möchte, wird um die Konsolenversion nicht herumkommen.


ENTWICKLER: Flying Wild Hog
PUBLISHER: Devolver Digital
GENRE: Ego-Shooter
PLATTFORM: PS4, Xbox One, PC (seit 23. Sept. 2013)