Di, 11. Juni 2013

Wenn die Waffen größer als die Spielfiguren sind

Game Rezension: Monster Hunter 3 Ultimate

Es ist wieder Zeit auf die Jagd zu gehen. Monster Hunter 3 Ultimate ist die Neuauflage des 2010 für Nintendo Wii erschienen Action-Rollenspiel Epos. Neben aufpolierter Grafik und zahlreichen Zusatzinhalten hat Capcom auch am Gameplay geschraubt.

Nach wie vor dreht sich in Monster Hunter 3 Ultimate alles um die Jagd nach teilweise bildschirmfüllenden Kreaturen und die aufregenden Kämpfe gegen diese. Mit einem selbst erstellten Jäger stürzt man sich ins Abenteuer. Man wird von einem kleinen Fischerdorf zu Hilfe gerufen welches von der riesigen Seebestie Iagiacrus und dem durch das Monster verursachte Erdbeben geplagt wird. Doch bevor man es mit dem Meeresungeheuer aufnehmen kann, müssen erst viele Herausforderungen bewältigt und jede Menge Kämpfe bestritten werden.
In einzelnen Quests erfüllt man verschiedene Aufgaben wie z.B. Pilze sammeln, Rohstoffe abbauen, Gegenstände sicher transportieren und natürlich Monster besiegen. Letzteres macht erwartungsgemäß den überwiegenden Teil des Spiels aus. Durch die Erfüllung der Quests erwirbt man nicht nur die Gunst der Dorfbewohner sondern auch Geld, Rohstoffe und Gegenstände. Die erhaltenen Items bringen weiteres Geld, helfen einem bei der Jagd oder können miteinander zu neuen Items kombiniert werden. Aus den gesammelten Rohstoffen lassen sich neue Waffen und Rüstungen herstellen oder die bestehenden verbessern. Dies spielt eine zentrale Rolle in Monster Hunter, denn nur mit der richtigen Ausrüstung und Waffe, hat man eine Chance gegen die stärkeren Monster.
Die einzelnen Waffen unterteilen sich dabei in zwölf Kategorien und spielen sich teilweise völlig verschieden. Mit einem normalen Schwert ist man schnell und wendig und kann auch noch ein Schild tragen, doch richtet nicht viel Schaden damit an. Ein Zweihänder macht einen zwar träge, hat aber deutlich mehr Wirkung. Vorausgesetzt natürlich man landet einen Treffer. Denn mit einer schweren Waffe dauert ein Schlag schon bis zu zwei Sekunden wodurch Timing und strategisches Vorgehen bei der virtuellen Jagd eine entscheidende Rolle spielen. Man muss die Monster beobachten und ihre Bewegungen und Geräusche lesen lernen, wenn man eine Chance auf Erfolg haben will. Ein Konzept das weiter unterstrichen wird durch die fehlende Lebensenergie-Anzeige der Kreaturen. Einzig an Veränderungen des Verhaltens, kann man erkennen wie nah man dem Ziel schon ist.
Als Unterstützung erhält man im Verlauf des Spiels zwei vom Computer gesteuerte katzenartige Gefährten, die einen im Kampf zur Seite stehen. Diese können durch Erfahrung aufleveln und mit Masken ausgerüstet werden, um ihnen zusätzliche Fertigkeiten zu verleihen. Zusätzlich kann man im Gefecht Fallen und Bomben einsetzen oder die eigenen Attribute im entscheidenden Moment durch Tränke kurzfristig steigern. Auch hier dauert es aber oft einige Sekunden bis ein Gegenstand eingesetzt ist. Zeit in der man ungeschützt gegen Angriffe der Monster ist. Das Kampfsystem verfügt in seiner Gesamtheit über soviel Tiefgang, dass es einen stets auf’s Neue motiviert den Monstern gegenüber zu treten.
Gekämpft wir nicht nur an Land sondern auch unter Wasser. Dabei empfiehlt sich auf dem Nintendo 3DS besonders die Verwendung des, erfreulicherweise unterstützten, Circle Pad Pro. Mit dem 2. Analogstick kann man dann wie bei der Wii U Version die Kamera steuern was auf dem 3DS sonst über das Steuerkreuz oder den Touchscreen geschieht und so eher unpraktisch ist.
Besonders lobend ist das Benutzer-Interface zu erwähnen. Am Touchscreen des Nintendo 3DS bzw. des Wii U Gamepads werden im Kampf Schaltflächen mit verschiedensten Funktionen angezeigt. Man kann sich dabei sein eigenes Set an Schaltflächen aus einer Vielzahl von Funktionen zusammenstellen, diese beliebig in einem Raster positionieren und oft auch noch in der Größe anpassen. Verwendet man eine Schaltfläche die Daten anzeigt (wie z.B. die Umgebungskarte oder die Lebensenergie), so verschwindet die entsprechende Anzeige vom Hauptbildschirm. So kann man, wenn man möchte, den großen Screen frei von jeglichen Einblendungen machen um dort das Spielgeschehen unverdeckt genießen zu können. Hier haben sich die Entwickler wirklich einiges überlegt und sich viel Mühe gegeben. Das System ist nicht nur ungemein praktisch sondern auch stimmig. Denn so wie man im Spiel die Ausrüstung seines Jägers anpasst, passt man sich auch seine eigene „Ausrüstung“ – die Konsole beziehungsweise das Gamepad – an.
Abseits der epischen Kämpfe bietet Monster Hunter 3 Ultimate aber auch sonst noch einiges. Zu den zahlreichen „Erholungs“-Aktivitäten gehören Insekten Fangen, Rohstoffe abbauen, Angeln, Gerichte kochen, Gegenstände kombinieren und mehr. Auf der eigenen Farm werden außerdem Pflanzen gezüchtet und geerntet, welche dann  wiederum als Gegenstände im Kampf eingesetzt oder gegen Kleingeld im Dorf verscherbelt werden können.
Ein großer Reiz bei Monster Hunter 3 Ultimate liegt auch darin im Team auf die Jagd zu gehen. Dabei kommt das taktische Element des Spiels sogar noch stärker zum Tragen. So muss vor dem Kampf zunächst die passende Waffenzuteilung überlegt werden und wer welche Gegenstände mit nimmt. Am Schlachtfeld selbst heißt es dann sich zu koordinieren und im Team zusammen zu arbeiten um erfolgreich zu sein.
Im Mehrspielermodus können bis zu vier Nintendo 3DS-Spieler lokal gemeinsam spielen und ein entsprechender Online Modus ist ebenfalls vorhanden, allerdings leider nur auf Wii U. Dort dafür mit voller Voicechat Funktionalität dank des eingebauten Mikrofons im Wii U Gamepad.
Monster Hunter 3 Ultimate hält aber noch etwas Besonderes parat. Erstmals können 3DS – und Wii U – Spieler gemeinsam zocken. Bis zu drei Nintendo 3DS-Konsolen können sich lokal mit einer Wii U verbinden, womit einer zünftigen Monster Hunter-Party nichts mehr im Weg steht. Die Nintendo 3DS-Wii U-Konnektivität wird vom Spiel aber auch noch auf eine weitere Art genutzt: Der eigene Spielstand kann jederzeit (lokal) zwischen den beiden Konsolen übertragen werden, so dass man sein Spiel unterwegs bzw. auf dem großen Schirm fortsetzen kann.
In einem Multiplayerspiel dieser Klasse darf auf dem Nintendo 3DS natürlich auch eine Streetpass-Integration nicht fehlen. Hier werden drahtlos virtuelle Visitenkarten mit den Daten der Jäger ausgetauscht. Hat man solche von anderen Spielern erhalten, kann man deren computergesteuerte Jäger in zusätzlichen Missionen auf Beutezug schicken.
Monster Hunter 3 Ultimate verfügt über ein mittlerweile altbekanntes aber ebenso bewährtes Spielprinzip das es immer noch vermag Gamer für zahllose Stunden vor den Bildschirm zu fesseln. Das Spiel ist nicht leicht, doch ist man stets motiviert auch die größten Herausforderungen zu meistern. Besonders wenn man sich gemeinsam mit ein paar Freunden ins Abenteuer stürzt. Mit über 300 Quests, plus weiteren die laufend zum Download bereitgestellt werden, kann man leicht über 100 Stunden in der imposanten Welt von Monster Hunter verbringen. Über einige grafische Schwächen, tröstet das hervorragende Gameplay mehr als hinweg. Aufgrund des riesigen Umfangs, des verbesserten Gameplays mit der ausgefeilten Touchscreen Steuerung sowie dem großartigen Multiplayer Modus und der Wii U-3DS-Konnektivität darf sich diese Version von Monster Hunter zurecht als die Ultimative bezeichnen.


ENTWICKLER: Capcom
PUBLISHER:
Nintendo
GENRE:
Action RPG
PLATTFORM: 
Wii U, 3DS