Di, 21. Juli 2020
Hype oder Hate - The Last of Us II

Hype oder Hate - The Last of Us II

The Last of Us Part II

Hype oder Hate – die Stimmen zu „The Last of Us Part II“ gehen da sehr weit auseinander und haben aber doch alle eines gemeinsam – sie sind sehr emotional und laut, egal von welcher Seite. Doch wir haben uns davon nicht anstecken lassen und das Spiel natürlich trotzdem für euch gezockt und unsere Meinung dazu zusammengetragen.

Nachfolger eines Giganten

The Last of Us“ hat vor sieben Jahre mit seinem Erscheinen ein Erdbeben durch die Gamingszene laufen lassen. Es war ein Meisterwerk wie es keiner erwartet hatte und hat so gut wie jeden Spieler berührt. Dass es ein Nachfolger da nicht einfach haben sollte war zu erwarten und trotzdem hat sich Naughty Dog darüber getraut.

Mit „The Last of Us Part II“ finden wir uns wieder in der Story von Ellie und Joel wieder, vier Jahre nach den Geschehnissen von Part eins. Die beiden haben sich in der Stadt Jackson, Wyoming, bei Joels Bruder niedergelassen und mittlerweile in einen normalen Alltag gefunden. Zumindest so normal wie eine Alltag in einer Zombie-Apokalypse eben sein kann. Ständige Patrouillen rund um die Stadt um Gefahren und insbesondere näher ziehende Infizierte frühzeitig auszuschalten, Streifzüge durch die Gegend um neue Vorräte zusammentragen und eine ganze Stadt so gut wie nur möglich am Laufenden zu halten.

Und obwohl die Stimmung zwischen Ellie und Joel angespannt ist auf Grund der Geschehnisse in Teil eins, lässt es Ellie nicht kalt, dass Joel nicht planmäßig von einer dieser routinemäßigen Erkundungstouren zurück gekehrt ist. Sofort wird ein Suchtrupp organisiert und Ellie ist natürlich mit von der Partie. Das hier nichts Gutes auf sie wartet braucht man wohl nicht näher zu erwähnen und in Ellie brodelt nur mehr eines – kalte Rache!

Eine neue Protagonistin – Abby

Etwas überraschend verfolgen wir aber schon zu Beginn nicht nur unsere beiden Lieblinge Ellie und Joel, sondern werden bereits sehr früh auch mit Abby konfrontiert. Wer ist sie? Was hat sie mit der Geschichte zu tun und wie verstricken sich die Pfade der Protagonisten? Lange sind dies ungeklärte Fragen, die sich erst später im Laufe der Geschichte klären und für einiges an Spannungen sorgen.

Doch auch hier findet sich insbesondere ein Leitmotiv wieder: Rache!

Storystärke oder langweiliger Rachefeldzug

Ja ihr habt es bereits gelesen: „The Last of Us Part II“ ist keine nette und emotional starke Vater-Tochter Geschichte mehr wie es Part eins war. Part zwei zielt auf eine ganz andere Ebene: Rache als Motiv für beinahe jede Handlung. Blinde Wut, Vergeltung und jede Menge Brutalität rücken in den Vordergrund. Doch passt das zu „The Last of Us“?

Wir sagen JA! Klar – wir alle haben den ersten Teil geliebt und wer nicht zwischendurch mal eine Träne verdrückt hat sollte sich schämen. Doch die postapokalyptische Welt um Ellie und Joel hat sich verändert in der Zwischenzeit, ja auch die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten selbst musste ihre Höhen und Tiefen erfahren wie uns die Story mit einigen Rückblicken immer wieder erkennen lässt. Die Welt um Wyoming in der wir spielen ist ein hartes Pflaster in der sich ein kleiner Fleck halbwegs heile Welt über die Jahre eingefunden hat.

Und diese heile Welt wird plötzlich angegriffen, attackiert durch menschlichen Hass und Rache – in einer Welt in der es im tagtäglichen Leben schon genügend Härte von außen gibt. Zwischenmenschliche Beziehungen sind rar weil die Menschen um einen stetig gleichbleiben sind und man somit mit dem auskommen muss was vorhanden ist. Wenn diese Wärme dann zerstört wird folgt ein tiefes schwarzes Loch nach Rache, einen Weg den Ellie schmerzhaft erfahren muss.

Die Story verfolgt also einen komplett anderen Weg als der erste Teil, doch ehrlich gesagt – nochmals genau die gleiche Vater-Tochter Geschichte hätte doch irgendwie auch niemand sehen wollen. Dass diese Story über Rache nicht jedermanns Geschmack trifft ist allerdings auch zu erwarten, insbesondere mit der Härte mit der die Geschichte vorfährt. Denn hier wird kein Stein auf dem anderen gelassen, wenn er nicht schon blutig ist.

Rache, Gewalt und Brutalität als Leitmotiv

Wer Rache sucht, der wird diese zumeist eher brutal finden. Genau das zeigt und Naughty Dog mit jeder Minute von „The Last of Us Part II“. In beinahe allen Ebenen spielt die Thematik Rache ein wichtige Rolle und kaum eine Entscheidung und Handlung basiert nicht auf dieser Emotion.

Damit geht eine gewisse Brutalität einher, die nicht unterschätzt werden sollte. Wer kein Blut sehen kann, der ist hier falsch. Bluträusche, aufgeschlitzte Kehlen und brutale Hits mit Nahkampfwaffen stehen am Programm genauso wie wilde Schießereien mit Pistole, Shotgun oder Sniper. Und das nicht nur gegen die Clicker sondern auch gegen Menschen. Dabei darf man tief in Ellies hasserfüllte Augen starren.

Die Gewalt in „The Last of Us Part II“ ist demnach definitiv etwas blutiger als in Part eins und ganz besonders wesentlich persönlicher. Wo man im ersten Teil noch gegen „namenlose Soldaten“ kämpft haben hier sogar alle NPCs einen Namen. Jeder Kill ist schmerzhaft für jemand anderen, jeder Tote hinterlässt hier (vielleicht bereits ebenfalls tote) Freunde und Familie. Das mag in erster Linie unwesentlich klingen, trägt aber enorm viel zur Stimmung des Spieles bei. Die Verzweiflung, die Wut und die darauf ausgelösten neuen Rachegelüste sind mit jeder Minute spürbar.
Somit definitiv kein Spiel für sanfte Gemüter, aber das war der erste Teil ja eigentlich auch nicht.

Körperliche Gewalt vs emotionale Brutalität

Was das Spiel nur so an körperlicher Gewalt und Rache strotzt fehlte uns allerdings zwischenzeitlich fast an emotionaler Brutalität. Ellie reitet durch Seattle auf ihrem Streifzug nach Rache – man könnte meinen jeder Rückschlag, jede vergeudete Sekunde lässt diese Rachegelüste und das dunkle Loch in dem sie steckt noch schlimmer werden.

Doch gerade auf der Suche nach ihrer Kontrahentin wirkt Ellie recht früh schon beinahe gelassen, in keinster Weise ungeduldig oder gestresst. Jeder Rückschlag wird einfach hingenommen und die Suche fortgeführt. Szenen in denen Ellie ausrastet weil sie immer noch den essentiellen Schritt hinten nach ist fehlen irgendwie komplett. Zwischen den richtig harten Storyparts wirkt es zwischenzeitlich fast schon als wäre alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen (durchtränkt mit ein paar Handgemengen und offensichtlicher körperlicher Gewalt). Emotional bleibt die Stimmung aber eher lau, was gerne etwas mehr sein hätte können.

Gameplay wie man es schon kennt

Gameplaytechnisch lässt sich „The Last of Us II“ nicht lumpen, trumpft aber auch nicht mit neuen Errungenschaften auf. Sehr viel hat sich nicht getan im Vergleich zum ersten Part. Wieder kann man sich entscheiden ob man lieber Stealth unterwegs ist und die Gegner Stück für Stück leise mit dem Messer tötet oder ob man lieber gleich mit der Shotgun ins Gesicht fahren möchte.

Schleichen, schießen, verstecken, Hinterhalte ausnutzen und wieder schießen. Spielmechaniken die schon im ersten Teil gut waren und auch im zweiten Teil funktionieren. Keine großen Neuerungen, dennoch spielt sich das Game flüssig und geht angenehm von der Hand. Ein spielbarer Film wie es schon der erste Teil war.

Storylängen und Repetition

Bis jetzt nur gute Worte eigentlich. Doch trotzdem gibt es leider auch etwas zu bemängeln. Was „The Last of Us“ trotz seiner 12 Stunden Spielzeit ein kurzweiliger spielbarer Film war hat „The Last of Us Part II“ leider seine Längen. Nicht nur, dass man oftmals gefühlt leider einfach in mehrere aneinander gereihte Kampfszenen gestoßen wird bevor diese nach einigen Wiederholungen auch wieder von Storyparts abgelöst werden. Auch darf man sich stellenweise über Open World ähnliche Parts „freuen“ in denen es primär ums Looten und Leveln geht die nicht notwendig gewesen wären.

Natürlich verbringt man gerne Zeit mit gutem Gameplay, doch setzt gerade das „The Last of Us“ Franchise primär auf Story die manchmal einfach zu lange dauert bis sie fortgesetzt wird.

Beinahe könnte man das Gefühl bekommen, Naughty Dog hatte etwas Angst wieder ein Spiel mit „gerade mal 15“ Stunden auf den Markt zu bringen und damit den Backlash eines zu kurzen Gameplays zu kassieren. Um dem entgegen zu arbeiten wurden einfach gefühlt unnötige Elemente hinzugefügt um die Spielzeit zu verlängern. Seien es Nebenstory-Elemente die irgendwie abseits der Hauptstory dahin hinken oder einfach noch mehr Kämpfe zwischendurch (zum drüberstreuen der anderen unzähligen Kämpfe davor).

Gerade was die Nebenstories betrifft hat man irgendwie ein schwammiges Gefühl. Einerseits sind manche davon gefühlt nur angeschnitten und hängen etwas in der Luft, während andere Story Parts eingebaut wurden, die einfach nach zwei weiteren Stunden irgendwie beinahe unnötig und vernachlässigbar erscheinen.

Für unseren Geschmack wäre kompakter hier auch definitiv emotionaler und intensiver gewesen. Denn wenn man während des Spielens einfach nur mehr die nächste Cutscene herbeisehnt weil man hofft, dass dann endlich wieder ein bisschen die Story voranschreitet, dann ist die gesamte Spielzeit wohl nicht ganz so wichtig, wenn weniger Stunden einfach intensiver gefüllt werden hätten können.

Postapokalyptische Stimmung on Point

Was man dem Spiel definitiv geben muss – die Stimmung in dem Spiel sitz jede Minute zu 100%! Nicht nur, dass wir uns hier optisch in einer genialen Umwelt befinden, auch wer sich nicht allzu intensiv auf Collectibles Suche begibt und die Briefe, Nachrichten und Hinweise in der Welt eher zufällig aufsammelt sollte diese definitiv lesen. Allein diese kleinen Einblicke in die Welt in der „The Last of Us Part II“ spielt bringen einem oft genug Gänsehaut! Genial werden hier etliche weitere Geschichten und Schicksale erzählt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit

Hat uns „The Last of Us Part II“ gefallen – definitiv auch wenn wir unsere Problemchen damit hatten. Primär war es die fast schon übertriebene Länge und trotzdem konnten wir das Spiel nicht aus den Händen legen. Im direkten Vergleich gewinnt zwar immer noch Part eins, doch auch dem Nachfolger sollte man eine Chance geben.

Am Wichtigsten ist es wohl, sich auf die neue Story einzulassen und diese wirklich wirken und entfalten zu lassen. Ja der Fokus ist ein komplett anderer aber auch dieser kann sich sehen lassen. Wir erleben hier keine Familienstory mehr, sondern eiskalte blinde Rachefeldzüge, die sich in dunklen Strudeln von immer mehr Blut verstricken.

Wer nochmals eine Story wie im ersten Teil haben will, dem bleibt wohl nur ein Replay übrig…

— Nina Z.

8.5

Das Gute

+ Spielstimmung

+ Spielhärte

+ Worldbuilding anhand der Collectibles

Das Schlechte

- Repetitiv und zu sehr in die Länge gezogen

- unnötige erscheinende Sidestories

Shortcut The Last of Us Part II
Release 19. Jun 2020
Studio Naughty Dog
Publisher Sony Interactive Entertainment
Alles in Allem Good