Mo, 27. Juni 2022
Smells Like Teen Blood

Smells Like Teen Blood

The Quarry

Der neueste Streich von Supermassive Games reiht sich nahtlos in deren bisherigen Katalog ein und kann, wie schon Until Dawn (2015), durchaus begeistern, trotz des einen oder anderen Kritikpunktes. Wer ein Fan von komplexem Gameplay, Git-Gud-Grind und Open-World ist, ist hier definitiv falsch. Für alle, die klassischen Teen-Horror und storylastige Spiele schätzen, bietet The Quarry allerdings ein Festmahl.

Als Setting dient diesmal ein leeres Sommercamp: Die Kinder sind abgereist, die Kabinen ausgeräumt, zurück bleibt nur noch ein kleines Grüppchen bestehend aus jugendlichem Aufsichtspersonal, das aufgrund eines kaputten Wagens im Camp festsitzt und sich – trotz der eindringlichen Warnung des Camp-Besitzers, die Nacht auf keinen Fall im Freien zu verbringen – dennoch für eine Abschiedsfeier ums Lagerfeuer entscheidet. Die spielbaren Charaktere bieten jegliches nur denkbare Klischee an: von der beliebten Influencerin, dem Klassenclown, bis hin zum introvertierten Campschwarm – dem Horrorfilmkenner sind diese Archetypen freilich gut bekannt. Das kann auf manchen generisch wirken oder aber das Liebhaberherz ob der Erwartungen höherschlagen lassen. Es kommt, wie es kommen muss: schnell wird allen klar, dass im Wald, der das Camp umgibt, jemand oder etwas Jagd auf Menschen macht und nun geht es darum zu Überleben.
Wie sich die Charaktere im Laufe des Spielverlaufs verhalten ist zu einem gewissen Teil euch überlassen: Ihr schlüpft in die Charaktere und trefft Entscheidungen, die das Ende der Geschichte beeinflussen. Ziel ist herauszufinden, wer oder was in Hackett’s Quarry sein Unwesen treibt und alle bis zum Sonnenaufgang durchzubringen!

Gerade die Lichteffekte wissen zu gefallen.

Hier gleich vorweg: wir haben letzteres im Couch-Coop-Modus beim ersten Durchlauf, für den wir etwas mehr als sechs Stunden Spielzeit gebraucht haben, nicht geschafft. Glücklicherweise macht The Quarry jedoch wirklich Lust auf einen zweiten, dritten, vierten Run, in dem ihr die unterschiedlichsten Szenarien nach Belieben durchspielen könnt.

Was die Ästhetik betrifft, haben Supermassive Games hier definitiv den Maßstab hoch gelegt: Wir haben The Quarry auf der Xbox Series X gespielt und haben bei der Präsentation wirklich wenig zu meckern. Angefangen von den Lichtspielen, die die hinter Baumwipfeln untergehende Sonne zeichnet, bis hin zur gelungenen Hauttransparenz ist dieses Spiel im wahrsten Sinne des Wortes ein Blickfang. Es gibt kaum eine Sequenz die nicht interessante Kameraeinstellungen und grafisches Können zeigt und dadurch wirklich begeistert. Einziges Manko: Wasser und generell Wasserreflektionen schauen hier noch genauso aus, wie vor zehn Jahren.
Auch die Geräuschkulisse ist mit viel Intention und Liebe zum Detail gestaltet: Jeder Schritt auf einer morschen Holzdiele kann euer Verderben bedeuten und wurde dementsprechend auch gewissenhaft vertont. Weiters wurden story-technisch wichtige Szenen mit dem passenden Soundtrack unterlegt – hier jedoch manchmal mit ein bisschen zu wenig Raffinesse, sodass wir bei einer Szene sogar befürchtet haben, dass das Spiel abrupt zu Ende ist.

Die wahre Meisterleistung ist allerdings das schauspielerische Können der Schauspielerinnen und Schauspieler. Die Unschlüssigkeit im Gesicht eurer Charaktere, wenn ihr den Abzug drücken oder nicht drücken müsst, die Panik in gefährlichen Situationen, aber auch subtilere Gefühle wurden von den Machern des Spiels schlichtweg perfekt eingefangen. Das Spiel schafft es so, alle Nuancen der einzelnen Personen sichtbar zu machen, dadurch entsteht natürlich schnell eine gewisse Verbundenheit mit euren Charakteren, was dazu beiträgt, dass ihr sie dringend retten wollt und euch umso mehr ärgert, sollte das nicht gelingen.

The Quarry zeigt, wie weit Motion Capturing schon gekommen ist.

Spieltechnisch ist The Quarry dabei simpel: wie schon von vorigen Titeln bekannt macht ihr neben den Quicktime-Events nicht mehr als ein wenig Knopfdrücken und Stick nach links oder rechts wischen – dem einen oder anderen mag das berechtigterweise zu wenig „Spiel“ und zu sehr „Film“ sein.
Der große Kritikpunkt ist hierbei jedoch, dass manchmal nicht nachvollziehbar ist, warum die eine oder andere Entscheidung zur darauffolgenden Konsequenz führt. Oft ist die einzige Möglichkeit, das herauszufinden, einfach zu spielen und nochmal zu spielen, führt aber gelegentlich auch dazu, dass man währenddessen laut „WARUM?!“ schreien will. Woher soll man ohne Vorwissen erraten, wozu ein Teddybär gut sein soll?
Etwas seltsam muten auch die Zwischensequenzen an, die ihr bei einer Tarotkarten-legenden Wahrsagerin verbringt. Die Szenen wurden, im Gegensatz zu Until Dawn, zu wenig in die Hauptstory integriert und unterbrechen daher zu krass den Spielfluss. Auch führen manche Entscheidungen zu nicht perfekt passenden Folgesequenzen – manches muss man sich also selber zusammenreimen, oder aber ein zweites Mal anhören.

Abschließend lässt sich festhalten, dass The Quarry sicher nicht perfekt ist, wir damit jedoch unsere Freude hatten. Die Story bleibt dank der Charaktere interessant und dem Auge und Ohr wird viel geboten. Die kurze Laufzeit wird durch den Faktor Wiederspielwert mehr ausgeglichen und im Couch-Coop könnt ihr euch auch gemeinsam durch Hackett’s Quarry kämpfen! Freunde von komplizierten Gameplay kommen hier sicherlich zu kurz, durch die Aktionsreduktion kommen jedoch die oben erwähnten Stärken des Spiels umso besser zur Geltung.

— Doris Edlinger

8.5

Das Gute

+ Grafisch wird viel geboten

+ Absolute Glanzleistung der Schauspielerinnen und Schauspieler

+ Klassischer Horror der trotzdem frisch wirkt

+ Hoher Wiederspielwert

Das Schlechte

- Einfaches Gameplay ist nicht für jeden geeignet

- Story wirkt manchmal nicht nahtlos

Shortcut The Quarry
Release 10. Jun 2022
Studio Supermassive Games
Publisher 2K Games